Rückenwind 03/2019

7 FAHRRADKLIMA Blamage für Bonn: Kein Mut in der Politik „Das ist ein wirklich blamables Ergebnis für die Stadt Bonn“, so ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg.„Bonn ist in den vergangenen Jahren von Platz 18 auf 26 abgerutscht und bekommt die Quittung dafür, dass die Politik keine unbe- quemen Entscheidungen fällt.“ Seit 30 Jahren fordert der ADFC eine Fahrradunterführung am Kaiserplatz, es fehlen Radpendlerrouten aus dem Umland in die Stadt, und in den viel gerühmten Fahrradstraßen lässt Bonn unverminderten Au- toverkehr zu und bremst den Radverkehr durch mangelnde Vorfahrtsberechtigung. Den Cityring zugunsten des Radverkehrs zu kappen traut sich die Stadt ebenso wenig wie die Reduzierung von Autospuren zugunsten von Radspuren. Die Führung des Radverkehrs an Baustellen ist wei- terhin ein Skandal, wie das Beispiel Vik- toriabrücke zeigt. Dort erfolgt der Radverkehr für mehrere Jahre unter katastrophalen Bedingungen. Es gibt keine grünen Wellen für den Radverkehr und auch keine guten und schnellen Que- rungen der Innenstadt in Nord-Süd- und Ost- West-Richtung. „Die Bonner Politik bekommt jetzt die Quit- tung dafür, dass sie nur Sonntagsreden hält und keinen Mumm hat, wirklich eine Verkehrs- wende einzuleiten. Für eine UN-Stadt, die auf Nachhaltigkeit setzt, ist das ein Armutszeug- nis“, so Quaedvlieg. Auch viel Schatten im Rhein-Sieg-Kreis Schwach ist auch das Ergebnis der 14 erfassten Städte und Gemeinden aus dem Rhein-Sieg- Kreis. Fast 2.100 Radfahrer, deutlich mehr als beim letzten Mal, haben dort das Fahrradklima bewertet. Das kreisweite Ergebnis ist – wie auch bundesweit – weiter rückläufig: Der Rhein-Sieg- Kreis kommt nun auf eine Durchschnittsnote von 4,1 (2016: 3,92) und liegt damit etwas schwä- cher als der ebenfalls rückläufige Bundestrend. Gute Noten für Meckenheimund Euskirchen Nur Meckenheim, das seit Jahrzehnten gezielt den Radverkehr fördert und über ein durchge- hendes Radverkehrsnetz verfügt, hat mit der Note 2,96 ein auch im bundesweiten Vergleich gutes Ergebnis erreicht und landet damit auf Rang 4 der 311 deutschen Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern. Ebenfalls er- freulich ist, dass sich Euskirchen trotz seiner ländlichen Lage und den vielen Ortsteilen mit der Note 3,66 sehr ansehnlich schlägt und auf Platz 15 der 106 Städte zwischen 50.000 und 100.000 Einwohnern kommt. In dieser Kategorie schafft es Troisdorf nur noch auf Platz 65 (Note 4,08) und Sankt Augustin auf Platz 71 (Note 4,12). „Die Entwicklung der einstigen Vorzeige- stadt Troisdorf stimmt wirklich traurig. Nach- dem das Programm ,Fahrradfreundliches- Troisdorf‘ einst so viele Früchte trug, ruht sich die Stadt auf den Lorbeeren aus“, kriti- siert Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Vier Städte bundesweit am Schluss Ganz schlimm sieht es im bundesweiten Ran- king der 331 Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern aus. Neben Meckenheim auf Rang 4 schaffen nur noch Lohmar auf Platz 75 (Note 3,66) und Niederkassel auf Platz 147 (Note 3,87) akzeptable Ergebnisse. Mit Born- heim, Königswinter, Rheinbach und Bad Honnef liegen dagegen vier Städte des Rhein-Sieg- Kreises mit Noten von 4,5 unter den letzten 20. „Wie die Touristenstadt Königswinter den Rad- verkehr an der Uferpromenade sperren kann,

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=