Rückenwind 03/2019

84 LESERBRIEFE Leserbrief zu „Überlebenskampf zwischen Autos“ (Heft 2/2019, S. 56) Ich bin gerade zu Besuch in Bonn und habe bei der Stadtinfo den Rückenwind 2/2019 mit- genommen. Prima, was Ihr da zuwege bringt. Gibts in München (und Umgebung) nicht. [ Die Redaktion dankt für das Lob. ] Bonn ist im übrigen ein guter Platz, um über die Sinnhaftigkeit von Radfahrschutzstreifen weiter ins Grübeln zu kommen. Ihr seid in Bonn damit reichlich gesegnet, und zum Teil schaun sie auf den ersten Blick auch regelkonform aus. Wie auf dem Foto ersichtlich ist: Breite 1,25m oder mehr, mit Abstandslinie zu den parkenden Kfz, wenn auch arg schmal. Aber, und darauf ist Euer Autor, Wolfgang Junge nicht eingegangen: Die durchgezogene Mittellinie kennzeichnet Überholverbot und darf auch nicht überfahren werden. Wenn die Seitenabstandsregel von min- destens 1,50m, bzw. sogar 2m für Lkw und Busse ohne Wenn und Aber rechtlich bindend wäre, gälte in dieser Straße das Überholverbot auch für Radfahrer! Und dazu bräuchte es auch kei- nen Schutzstreifen. Wie Wolfgang Junge schon bemerkt hat, wird hier durch den aufgemalten Fahrradstreifen geradezu suggeriert, dass Rad- fahrer beim Überholen nicht behindert werden. Vermutlich wäre ein verbreiteter Abstandsstrei- fen zu den parkenden Autos viel nützlicher. Wurde denn in der staatsanwaltlichen Wür- digung auch in Zweifel gezogen, dass der Lkw- Fahrer den Radfahrer überhaupt überholt hat? Peter Schmolck Ortsgruppensprecher ADFC Gilching Ausgebremste Radverkehrsförderung Liest man die beiden letzten Rückenwinde vor dem Hintergrund der Verkehrspolitik, wie sie in den letzten Jahren in Bonn betrieben – oder soll ich besser sagen nicht betrieben wurde –, treibt es mir die Tränen in die Augen und bei manchen Themen auch die Zornesröte ins Gesicht. Es wundert also nicht, warum Bonn sein lang gehegtes Ziel, 2020 Fahrradhaupt- stadt zu werden, krachend verfehlen wird; denn ein Fahrrad-Verleihsystem, ein paar für den Radverkehr geöffnete Einbahnstraßen, einige in verschiedene Stadtteile eingesprengselte Fahrradstraßen oder auf die Fahrbahn gepin- selte weiße Linien und Fahrradpiktogramme machen lange noch keine Fahrradhauptstadt. Es muss mehr kommen! Da kann man leider nur in das sarkastische Lachen Helmut Wies- ners einstimmen – das „Mehr“ wären z. B. kon- krete Beschlüsse zu den seit langem vom ADFC geforderten Radschnellwegen für Bonn und die Umgebung. Aber da scheint ebenso wie bei etlichen anderen Projekten und Forderungen des ADFC zur Förderung des Radverkehrs eher auf die Bremse als auf das Gaspedal getreten zu werden. Die „Bremser“ sitzen m. E. in der Bonner Verwaltung, aber auch im Rat der Stadt. Statt dass es dort innovative, mutige Vor- und Quer- denker gibt, die gewillt sind, unter anderem po- sitive Erfahrungen aus anderen Städten im In- und Ausland (hingewiesen sei beispielhaft auf die Niederlande und Kopenhagen in Dänemark) nach Bonn zu holen. Ebenso fehlt es wahrlich nicht an genügend Input aus dem ADFC oder unmittelbar aus der Mitte der Bürgerschaft. Ein einmal im Jahr abgegebenes, sich wohlwollend anhörendes Statement des Schirmherren zur Radreisemesse bringt genauso wenig Positives. Immer wieder hört und liest man – wie im Rü- ckenwind –, wie Verkehrspolitik in Bonn gehen könnte. Jedoch über einige wenige Ansätze hinaus fehlt es immer noch amWillen für einen großen Wurf – der Output bleibt so hinter den aus Politik und Stadtverwaltung teils vollmun- dig geäußerten Willensbekundungen zurück. Im Ergebnis passiert fast nichts. Foto: Wolfgang Junge

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