BAD AACHEN 03-2020

8 | B AD A ACHEN 03/20 D er klare Blick in die Weite liegt ihr im Blut, auch die Erkenntnis, dass man zwar planen kann, sich die Dinge manchmal aber anders entwickeln als erwartet. „Wer wie ich aus einem landwirt- schaftlichen Betrieb kommt, ist geprägt“, sagt Frauke Burgdorff. Sie ist ihrer alten Heimat immer noch liebevoll-kritisch verbunden. Kind war Frauke Burgdorff in Groß-Lafferde, „genau zwischen Peine, Salz- gitter, Hildesheim und Braunschweig gelegen, man nennt es die Rüben-Wüste“, wie sie erzählt. Eine Landschaft, in der es damals neben den Rüben sogar Öl, Kohle und Verhüttung gab. Frauke Burg- dorff ist ehrlich: „Eine Ecke Deutschlands, in der man aufgewachsen sein muss, um sie zu lieben.“ Apropos lieben, das muss sie auch den neuen Job. Die Liste ihrer Aufgaben als Beigeordnete ist lang. Wie setzt sie Prioritäten? „Man nutzt sein Team, und ich habe ein fabelhaftes Team“, betont die Dezernentin. Stadtentwicklung – Frauke Burgdorff kennt fachspezi- fische Einschätzungen. Die strategische Planung Aachens ist ihr größtes Anliegen. Das Thema Mobilität gliedert sich für die Stadt- entwicklerin in ein „Morgen und ein Übermorgen“. Beispiel Bushof: Bus, Auto, Fahrrad – es gelte, zurzeit noch mit diesem System zu arbeiten. Was sie beobachtet, ist das Phänomen von Technologien der Mobilität, die sich „rascher formen als die Stadtstrukturen“. Es müsse Raum für schnelle Zyklen angesichts einer „trägen Masse Stadt“ geschaffen werden. Oder Campus West: „Wir sollen eine Straße bauen, von der wir noch nicht wissen, wie sie gefüllt sein wird, das ist technisch nicht einfach.“ Sich selbst beschreibt sie als „geduldig ungeduldig“. Es gehört für sie dazu, manche Prozesse offenzuhalten – etwa am Büchel. „Die beste Lösung ist noch nicht gefunden. Kommt der Moment, kann ich schnell zugreifen!“ Inzwischen ist sie von Bochum nach Aachen gezogen, joggt zum Ausgleich und pflegt nichts, was man ein Hobby nennt. „Aber ich koche leidenschaftlich gern, am liebsten für viele Leute“, gesteht sie. Vielleicht auch ein Rezept für die Zukunft Aachens… sar Was ist Ihnen als Baudezernentin in Aachen sofort aufgefallen? Nachdem ich zehn Jahre zuvor bereits in Aachen war, habe ich mir die Frage gestellt: Was ist heute mit dieser Stadt los? Ich bin mit dem Fahrrad herumgefahren, habe gute Entwicklungen gesehen wie den neu gestalteten Bahnhofsvorplatz. Ich habe aber auch bemerkt, dass an einigen Stellen neue Impulse notwendig sind, um vorhandene Potenziale zu heben. Gleichzeitig gibt es das fröhliche Aachen, das Aachen der Nähe, eine im Kern europäische und lebendige Stadt. Worin besteht Ihre Herausforderung in diesem Aachen? In Aachen geht es um den Stadtumbau aus dem Bestand heraus, es gibt keine großen neuen Flächen zu entwickeln. Andere Städte haben große Konversionsflächen. In Aachen geht es um einen Stadt- umbau vor Ort. Man kann diese Stadt mit ihrer Substanz in die Zukunft bringen. Kein einfacher, aber ein spannender Prozess. Wird eine verbesserte Struktur der Innenstadt gelingen? Ich habe acht Jahre. Ich möchte in dieser Zeit so viel Ergebnis sehen, dass klar ist: Ein paar Dinge sind neu entstanden und an anderen Stellen ist etwas in Bewegung gekommen. Einer meiner Schwer- punkte ist die östliche Innenstadt vom Büchel bis zum Kaiserplatz, Da geht es um Städtebau und Handelsmanagement. Was sagen Sie dem besorgten Handel? „Macht euch mit uns auf den Weg. Sagt uns, was ihr braucht. Dann sagen wir euch, was wir können.“ Wir können dem Handel keine fertigen Lösungen liefern. Es gibt ja bereits ein erstes eigenes Papier des Handels zur östlichen Innenstadt, was ich sehr schätze. In Aachen spielt Geschichte eine Rolle. Auch in Ihren Planungen? Geschichte, Geschichten und die bebaute Umwelt sind sehr wichtig für die Identitätsbildung einer Stadt. Aachen ist eine historische Collage, eine Verbindung der Epochen, das ist ein großes Plus. VORGESTELLT Foto: Stadt Aachen/A. Steindl FRAGE BOGEN Geburtsjahr: 1970 Geburtsort: Hildesheim (auf- gewachsen in Groß-Lafferde) Familienstand: ledig Beruf: Beigeordnete für Planung, Bau und Mobilität der Stadt Aachen Hobby: Leben leben Frauke Burgdorff Auf den Weg machen Die Dezernentin möchte Ergebnisse sehen – im Schulterschluss mit dem Handel

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