Rückenwind 03/2020

18 KOMMUNALWAHL Es ist inzwischen gesamtgesellschaftlicher Konsens, dass der Fahrradverkehr stärker gefördert werden muss. Dies dient sowohl dem Klimaschutz als auch einer zukunftsfähigen Mobilität in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, wo in den nächsten Jahren mit einer weiter wachsenden Bevölkerung zu rechnen ist. Auch kommt dies in den Beschlüssen des Bonner Stadtrates zum Klimanotstand und dem Ziel zum Ausdruck, den Verkehrsanteil des Umweltverbundes bis 2030 auf 75 % zu steigern. Wir benötigen daher Bedingungen, unter denen immer weniger Men- schen das Auto einsetzen müssen. Davon werden auch diejenigen profitieren, die weiterhin auf den motorisierten Individualverkehr angewiesen blei- ben, und nicht zuletzt auch die Gewerbetreibenden und der lokale Einzelhandel. Bonns Verkehrsbelastung resultiert zu einem Groß- teil aus den Pendlerströmen. Über vernetzte Planung mit den umliegenden Gemeinden sind deshalb Rou- ten zu schaffen, die auch für Berufspendler attraktiv sind, um auf das Fahrrad umzusteigen. Dabei geht kurzfristige Realisierbarkeit vor Idealzustand, der im zweiten Schritt erreicht werden kann. Grundsätzliche Erfordernisse • Vorrangige Berücksichtigung der Belange von Fuß- und Radverkehr bei Neu- und Umplanungen aller Bau- und Infrastrukturmaßnahmen • Neuaufteilung der vorhandenen Verkehrsflächen zu Gunsten von Radverkehr, Fußgängern und öffent- lichem Personennahverkehr (ÖPNV) • Stärkung der personellen Besetzung der mit Fahrradthemen befassten Arbeitseinheiten in der Bonner Stadtverwaltung und Ausstattung mit mehr Kompetenzen, wie bereits in anderen Städten • Unterstützung der Forderungen des Radentscheids Wir fordern als Leuchtturmprojekte • Landesradschnellweg entlang der BAB 565 im Zuge des Neubaus des „Tausendfüßlers“ • Bau einer zusätzlichen Rad- und Fußgängerbrücke über den Rhein, möglichst zwischen Ringstraße und Zweiter Fährgasse • Realisierung des Seilbahnprojekts bei Mitnahme- möglichkeit für Fahrräder Wir fordern Infrastrukturausbau im Detail • durchgängige schnelle Radverbindungen zwi- schen allen Stadtteilen in Nord-Süd- und Ost-West- Richtung • Verbreiterung bzw. Neubau der Unterführung an der Poppelsdorfer Allee getrennt für Radverkehr und Fußgänger Wahlprüfsteine des ADFC für Bonn • Direkte Radverbindung vomHauptbahnhof über Am Hof/Rathausgasse zum Rheinufer • Direkte Radverbindung vom Hauptbahnhof über den ZOB zur Kaiserstraße und Optimierung der weiteren Radverkehrsführung nach Bad Godesberg • Weitere attraktive Bahnquerungen für Radver- kehr und Fußgänger ohne zusätzlichen Anreiz für den motorisierten Individualverkehr • Ausbau des Fahrradstraßenkonzepts und Einrich- tung von Fahrradzonen zur Schaffung durchgängiger Strecken mit echter Bevorzugung des Radverkehrs • Attraktivitätssteigerung der Innenstadt durch eine erweiterte Öffnung der Fußgängerzonen für Radfahrer auf Basis gegenseitiger Rücksichtnahme • Erreichbarkeit touristischer Punkte per Rad, wie z.B. das Beethovenhaus Beseitigung von Konflikten und Gefahren • Sicherheit für Radfahrer hat Vorrang vor staufrei- em motorisierten Individualverkehr (Vision Zero) • Umgestaltung von Kreuzungen für erhöhte Sicherheit • Ausschöpfung aller rechtlichenMöglichkeiten zur situationsbezogenen Geschwindigkeitsreduzierung des Kfz-Verkehrs • Ausbau von Schutzstreifen zu sicheren Radfahr- spuren, womöglich als „Geschützte Radfahrspuren“ (Protected Bike Lanes) • Beseitigung von Konfliktpunkten zwischen Rad- fahrern und Fußgängern auf gemeinsamen Strecken • bessere Instandhaltung, Reinigung und Winter- dienste auf Radwegen, Beseitigung von Hindernis- sen; dabei Prioritäten zu Gunsten des Radverkehrs setzen • Baustellenmanagement, das Radverkehr und Fußgänger nicht zu Gunsten des motorisierten Individualverkehrs benachteiligt • bessere Personalausstattung der Ordnungsdiens- te zur Vermeidung zugeparkter Radverkehrswege; Prioritäten der Kontrollmaßnahmen entsprechend setzen • mehr und sichere Fahrradabstellplätze, Radstati- onen, Fahrradparkhäuser und Fahrradboxen Wir fordern fahrradfreundliche Arbeitgeber • Alle Arbeitgeber in Trägerschaft der Stadt Bonn sollen sich in der kommenden Legislaturperiode als „fahrradfreundliche Arbeitgeber“ registrieren lassen. • Die Stadt soll alle Arbeitgeber einladen, diesem Beispiel zu folgen.

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