Rückenwind 03/2020

38 VERKEHRSPOLITIK Was in Berlin geht, geht in Bonn noch lange nicht. Dort hatte die Senatsver- waltung für Umwelt, Verkehr und Kli- maschutz gemeinsam mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg als erste Pilot- projekte für temporäre Radfahrstreifen während der Corona-Krise vorgeschla- gen und umgesetzt. Der Grund: Während überall der Anteil des Pkw-Verkehrs zu- rückgegangen ist, wurde es auf Radwe- gen eng, so eng, dass Corona-Abstands- regeln vielerorts nicht mehr eingehalten werden konnten. Andere Städte folgten mit ähnlichen Maßnahmen. Auch in Bonn verzeichnet der Radverkehr seit Beginn der Corona-Krise starken Zuwachs. Das belegen die Ergebnisse der Zählstellen an der Kennedybrücke, auf dem Beueler Rheindamm oder am Rheinufer in Bonn und Bad Godes- berg. Daher griff auch der Bonner ADFC die Idee kurzfristiger Maßnahmen auf. In einem Brief vom 9. April an Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan fordern ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg und der verkehrspolitische Sprecher des ADFC Bonn, Werner Böttcher, die Stadt solle die Zeit der Corona-Krise und des geringeren Autoverkehrs nutzen, um Maßnah- men zur Verbesserung für den Radverkehr zu testen. „Jetzt haben wir die einmalige Chance, die fehlenden Ost-West- und Nord-Süd-Trassen des Radverkehrs auf B9 und B56 mit einfachen Markierungen einzuführen und ihre Alltags- tauglichkeit zu testen“, heißt es in dem Schrei- ben. „Auch Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in der Stadt sowie verbesserte Ampelphasen, die Radfahrern auf ihren Hauptstrecken Vor- rang einräumen, lassen sich jetzt prüfen.“ Das Büro des Oberbürgermeisters bat in einer ers- ten Antwort um Geduld, es seien „innerhalb der Verwaltung verschiedene Fachdienststellen zu Bonn, mach hinne! Keine Verbesserungen für Radler in Bonn wegen Corona beteiligen“. Bis Redaktionsschluss für diesen Rückenwind gab es keine weitere Reaktion. Selbst Köln macht Dampf Entschlussfreudiger und schneller war da die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Sie schlug Ende April in einem Schreiben an NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst vor, die Möglichkeit zu schaffen, die Radwegebenut- zungspflicht innerorts grundsätzlich aufzuhe- ben, um die Verkehrsverhältnisse auf den Rad- wegen schnell entzerren zu können. „Um auf allen Fahrbahnen, die dann von Radfahrenden mitgenutzt werden können, sichere Verkehrs- verhältnisse zu schaffen, müsste ebenfalls temporär die Höchstgeschwindigkeit inner- halb der geschlossenen Ortschaft grundsätzlich Geht in Berlin. In Bonn wird vertagt und gewartet. Screenshot: Twitter

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