Rückenwind 03/2020

76 RAD IM ALLTAG Faszination Pedelec oder Angriff auf die Radler-Ehre? Auch wenn das E-Bike seit mindestens fünf Jahren auf steilem Erfolgskurs rollt, ist das Thema Motorunterstützung im- mer noch für den einen oder die andere eine Frage der Radfahrer-Ehre. Die Entschei- dung des ADFC, im Rahmen des RaBo-Projektes (ein Fahrradp- arcours, der an Bonner Schulen eingesetzt wird) ein Pedelec an- zuschaffen, um den schweren Anhänger mit dem Fahrrad­ parcours leichter transportieren zu können, war ein guter Einstieg zum Kennen- lernen. Was lag näher, als dieses schöne Pedelec auch mal für eine ADFC-Tour an die Ahr zu nutzen. Gesagt, getan. Los ging‘s zunächst mit der kleinsten Unterstützung, der sog. Eco-Ein- stellung. Auch ohne Motor lief das Rad prima. Beim ersten Anstieg war es Zeit, den Motor wieder zu aktivieren. Dank seiner Hilfe konnte ich die Steigung ohne große Anstrengung bewältigen. Da das Rad auf ebener Strecke wie ein normales Rad lief, habe ich den Motor auf den insgesamt 70 km kaum gebraucht, so dass die Anzeige in Bonn nur einen „verbrauchten“ Balken aufwies. Also auf zur nächsten Tour, ohne den Akku auf- zuladen. Dazwischen eine Tour mit dem RaBo- Anhänger. Auch die Strecke von Hattingen zur Nordbahntrasse und von Wuppertal-Vohwinkel über einen Berg bis Leichlingen (insgesamt ca. 70 km) war kein Problem für den Akku – wie- der nur ein Lade- balken weniger. Der Akku hielt so lange durch, dass ich mich fragte, ob die Anzeige richtig funktio- niert. Warum stöhnen so viele Pedelec- Benutzer, wenn der Akku leer ist und sie ohne Motor fahren müssen? Und warum gibt es überall an den Radtourismus- strecken und in den Touristen- informationen Ladestationen? Fragen über Fragen. Zum Glück gibt es im ADFC kompetente Technik-Freaks, die sie beantwor- ten können. Bei den ersten Modellen wurden Teile von Motor und Getriebe des Pedelecs immer mit- bewegt, auch wenn er ausgeschaltet war. Bei der neuen Generation wird auf das vorgela- gerte Getriebe verzichtet und der Motor beim Abschalten ausgeklinkt. Das erklärt, dass sich das Pedelec auch ohne Motorunterstützung wie ein normales Rad fährt. Natürlich hat es mehr Gewicht, aber da mein eigenes Rad auch nicht leicht ist, bin ich daran gewöhnt. Sieht aus wie Faltrad, ist aber keins. Dafür hat es einen Motor. Foto: Till Neumann

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