Rückenwind 03/2020

8 VERKEHRSPOLITIK sendfüßlers, egal ob an, auf, unter oder über der Autobahn, kann technisch keine Überforderung der planenden Ingenieure sein. Ein Fußweg, wie er sonst zum Radschnellwegstandard ge- hört, ist hier verzichtbar. Land ist zuständig Das Land hat sich selbst 2016 mit der Änderung des Straßen- und Wegegesetzes die Verantwor- tung für Bedarfsfeststellung, Planung, Bau und Unterhalt regionaler Radschnellwege auferlegt. Jetzt will es die Verantwortung auf die Kommu- nen abwälzen. ImVergleich zum Luftreinhalteplan haben sich Land und Stadt vor dem Oberverwaltungsge- richt Münster jedoch zu einer Förderung des Radverkehrs verpflichtet. In der Pressemittei- lung der Stadt vom 22.1.2020 heißt es: „Das Land NRW hat das umfangreiche Förderpro- jekt ‚Emissionsfreie Innenstadt‘ im Novem- ber 2019 bewilligt. In den kommenden drei Jahren werden Radschnellwege ausgebaut und Mobilstationen in der Innenstadt errichtet, welche verschiedene Verkehrsangebote wie ÖPNV, Car-Sharing und Radverleih räumlich verknüpfen und so den Umstieg zwischen Ver- kehrsmitteln erleichtern. Zusätzlich sind wei- tere E-Ladestationen und Fahrradparkhäuser geplant.“ Auch im „Lead-City“-Maßnahmenpaket hatte die Stadt Bonn bereits im Frühjahr 2018 den Ausbau der Fahrradinfrastruktur angekün- digt: „Radschnellwege in Nord-Süd- und Ost- West-Richtung; RadPendlerRoute Bornheim- Alfter-Bonn; Einbindung Radwege beidseits des Rheins; Planung Radschnellverbindung parallel zur A 565 i. R. Sanierungsmaßnahmen ‚Tausendfüßler‘ und ‚Nordbrücke‘ (in Koopera- tion mit Land NRW) Radwege sind in Planung / Voruntersuchung / Konzept abgeschlossen, Maßnahmen teilweise Bestandteil ‚Emissions- freie Innenstadt‘ 2019 ff. Investition 20 Mio. Bewertung höchste +++“, heißt es in der tabel- larischen Auflistung. Drei Pluspunkte für höchste Bewertung! Wenn es zum Schwur kommt, gilt das nicht mehr? Mit Sonntagsreden will sich der ADFC nicht abfin- den. Der Zeitplan für den Neu- und Ausbau des Tausendfüßlers, der weit über 200 Millionen Euro kosten wird, zielt auf eine Fertigstellung im Jahr 2027. Das ist optimistisch gerechnet. Corona wird dann vorbei sein, die Klimakrise nicht. Bernhard Meier Kommentar Totgesagte leben länger Der erste Bonner Radschnellweg bleibt eine Hän- gepartie. Der Ratsbeschluss von Juni 2018 be- steht weiter. Das ist die gute Nachricht. Der Rat hatte vom Land den Bau eines Radschnellweges entlang des Tausendfüßlers an der Autobahn 565 zwischen Endenich und Nordbrücke verlangt. Indes hat die Stadtspitze in Gestalt von Oberbür- germeister Sridharan den Radschnellweg im Ge- spräch mit NRW-Verkehrsminister Wüst kampflos beerdigt. Das ist die schlechte Nachricht. Das Land will vor allem seine bestehenden Aus- bauplanungen für die Autobahn nicht noch ein- mal überarbeiten und ist im Planfeststellungsver- fahren auf die Kooperation der Stadt angewiesen. Der Autobahnausbau erfordert einen massiven Eingriff in die Stadtstruktur, Grundstücke werden gebraucht, Häuser müssen abgerissen werden. Letztlich könnte die Stadt auch klagen – die ge- plante Fertigstellung 2027 stünde in den Sternen. Jeder Blick auf die Karte zeigt, dass ein Rad- schnellweg, der über das demnächst auch aus- zubauende Nadelöhr Nordbrücke führen muss, schnell nur entlang der Autobahntrasse führen kann. Wer Verkehrswende will, muss den Rad- schnellweg mit einplanen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Heißt hier: Wo ein politischer Wille ist, da ist auch ein Radschnell- weg. Hoffentlich wenigstens nach dem 13. Septem- ber – da sind Kommunalwahlen in NRW. Bernhard Meier 2. Vorsitzender ADFC Bonn/Rhein-Sieg

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