Rückenwind 02/2026

20 wie das Rennrad, auf gröberen Wegen sich aber besser fahren lässt als das Trekkingrad. Dieses Gravelrad fahre ich natürlich auch am Wochenende oder abends auf der kleinen Runde in der Nähe. Aber seine wirkliche Stärke sind mehrwöchige Radtouren – Stichwort: Bikepacking. Es kann außer asphaltierte Straßen auch Wald-, Feld- oder Wanderwege unter die Räder nehmen. So erreiche ich Orte, zu denen keine Asphaltstraßen führen, oder ich kann verkehrsreiche Straßen vermeiden. Das Rad meiner Wahl wurde ein Ridley Kanzo Adventure, eines der wenigen Gravelräder, das vorn noch mit einem Doppelkettenblatt bestückt ist mit feiner gestuften Gängen. Das war mir für Strecken wichtig, auf denen ich viele Stunden am Stück auf dem Rad unterwegs bin. Außerdem hat es viele Gewinde im Rahmen und an der Gabel zur Befestigung von Trinkflaschen und Gepäck. Durch seinen Carbonrahmen ist das Rad sehr leicht, was natürlich in den Bergen von Vorteil ist – dort zählt jedes Gramm weniger. Aber inzwischen denke ich, für ein Reiserad, das auch außerhalb von Mitteleuropa genutzt werden soll, wäre In der ehemaligen Bobbahn der Olympiade 1984 in Sarajevo Fotos: Frank Plößel ein Stahlrahmen und ggf. auch eine einfachere Technologie eine Überlegung wert. Vor allem, wenn man Länder bereist mit nur wenigen Werkstätten, die sich mit Fahrrad-High-Tech auskennen. Da kann es schon mal ein Problem sein, Reparaturmöglichkeiten zu finden. Mit Rennlenker, aber bitte komfortabel Gert Heimbold: Die Liebe zum Gravelbike entsprang dem Entwicklungsprozess in einer „Late-Life-Krise“ – so vermute ich zumindest. Da wollte ich wohl mit 60 nochmal probieren, was ich so mit 20 gemacht habe: Rennradfahren. Also flugs ein SCOTT Speedster gekauft und auf die Piste damit. Ja, das Rad war schnell und schnittig, aber 23 mm Pneus mit 8-10 Bar aufgepumpt verschafften mir ein Fahrgefühl, als wäre ich auf Holzrädern mit Eisenbeschlag unterwegs. Jeder noch so kleine Riss im Asphalt ließ jede einzelne Bandscheibe – insofern noch vorhanden – aufschreien. Das war also nix. Es war klar: Ein Rennradlenker wegen der entspannteren Sitzposition ist okay, aber die Reifen müssen dicker werden. Außerdem muss ich in meinem Alter keine Geschwindigkeitsrekorde mehr aufstellen. Das Augenmerk auf lange Bikepackingtouren zu legen, schien mir die bessere Option. Entspanntes Reisen auf langen Strecken, auch mal über Wald- und Feldwege, Schotter, Schlamm und Sand – kurz: ein Rad für alle Untergründe. Ausgerechnet in der Zeit der Corona-Mangelversorgung 2021 habe ich ein Fahrrad erwischt, das genau meinen Bedürfnissen entsprechen Das „Bombtrack Audax“ vor Schloss Burg Namedy bei Andernach Fotos: Gert Heimbold „Ridley Kanzo Adventure“ leicht und flott auf jedem Terrain 25. RAD+FREIZEIT

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