34 Bevor Helen mit dem Radfahren anfing, war sie schon ungefähr zehn Jahre im Ausland unterwegs oder hat dort gelebt. Sie war viel zu Fuß mit dem Rucksack unterwegs, hat verschiedene Kulturen kennengelernt und gemerkt, dass Reisen für sie mehr ist als nur Urlaub. Irgendwann fühlte sich das Radfahren dann wie der nächste logische Schritt an. Mit dem Fahrrad und einem Zelt unterwegs zu sein, machte das Reisen für sie einfacher und vor allem günstiger. Sie musste keine Hostels bezahlen und hatte keine hohen Fahrtkosten. So konnte sie viel länger reisen, ohne zwischendurch wieder arbeiten gehen zu müssen. Außerdem genießt Helen es sehr, dass sie durch das Radfahren fit bleibt. Jeden Tag bewegt sie sich an der frischen Luft und merkt, wie gut ihr das körperlich und auch mental tut. Toleranz und Offenheit ist der Schlüssel Ein weiterer wichtiger Punkt für sie ist der Kontakt zu Menschen. Beim Backpacking trifft man oft andere Reisende, die genauso unterwegs sind wie man selbst. Auf dem Fahrrad ist das anders. Man lernt vor allem Einheimische kennen, Menschen, die wirklich in den Orten leben, durch die man fährt. Genau das macht für Helen den Reiz dieser Art zu reisen aus. Auf ihren Reisen hat sie viele besondere Begegnungen erlebt. Eine davon hat sie besonErste solo fahrende Radreisende überhaupt in Libyen und Saudi-Arabien ders geprägt. Diese Erfahrung machte sie in einem abgelegenen Teil Südirans. Sie war auf der Suche nach einer Pension, doch die ganze Gegend sah aus wie ein Katastrophengebiet. Im Jahr davor hatte es dort ein starkes Erdbeben gegeben. Viele Häuser waren beschädigt oder zerstört. Laut Google Maps sollte sich an einem bestimmten Ort eine Pension befinden, also klopfte Helen an die Tür eines Hauses. Die Familie war zwar etwas verwirrt, lud sie aber trotzdem sofort ein. Sie zeigten ihr das Haus, nahmen sie mit zum Strand und aßen gemeinsam mit ihr. Helen blieb dort zwei Tage, und diese Zeit ist ihr bis heute sehr im Gedächtnis geblieben. Als sie am nächsten Morgen wieder abreiste, fragte die kleine Tochter der Familie nach dem Paddington-Bären, der an Helens Fahrrad befestigt war. In England ist Paddington eine bekannte Geschichte über einen Bären, der aus Peru nach London kommt und dort auf die Freundlichkeit anderer Menschen angewiesen ist. Als Erwachsene verstand Helen, dass diese Geschichte auch eine wichtige Botschaft hat: Sie zeigt, wie wichtig es ist, Migranten und Flüchtlinge willkommen zu heißen. Doch als Helen versuchte, dies der iranischen Familie zu erklären, wurde ihr etwas sehr Wichtiges klar. Diese Menschen brauchten keine Geschichte über einen Bären, um Freundlichkeit zu lernen – sie lebten diese Freundlichkeit bereits ganz selbstverständlich. Die Routinen während einer solchen Reise Natürlich besteht Helens Alltag nicht nur aus großen Erlebnissen. Beim Radfahren muss man auch regelmäßig Pausen machen. Normalerweise hält Helen alle 25 bis 30 Kilometer an, um Helen erklärt ihr Reiserad und ihre Ausrüstung. Foto: Marco Hilbers 25. RAD+FREIZEIT
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