Rückenwind 02/2026

41 VERKEHRSPOLITIK Wer erst an der Ausfahrt Poppelsdorf gestoppt wird, hat keine Alternative mehr – und landet zwangsläufig im innerstädtischen Straßennetz, um dann den Rhein über Süd- oder Kennedybrücke zu queren. Der Radschnellweg, der keiner werden darf Seit mehr als einem Jahrzehnt fordern Stadt und Kreis einen Radschnellweg entlang der A565. Die Strecke hätte enormes Potenzial: zehn Kilometer, acht Anschlussstellen, perfekte Pendlerrelationen. Doch der Bund und seine Autobahn GmbH blockieren: kein Platz auf der Brücke, kein Betriebsweg am Tausendfüßler, keine Zeit für andere Planung. Dabei wäre längst Zeit gewesen für eine 1:1 Sanierung des heutigen Bestandes, über dessen Erweiterung dann immer noch entschieden werden könnte. Und die Mehrheit der Lokalpolitik und der Verbände will zwar den Radschnellweg, aber auf keinen Millimeter des überdimensionierten Autobahnausbaus von 20 auf 40 Meter Breite verzichten. Das ist nicht nur verkehrspolitisch rückwärtsgewandt, sondern auch historisch fragwürdig. Schon 1967 wurde auf der Nordbrücke ein begleitender Weg gebaut. Heute erklärt die Autobahn GmbH auf ihrer Website „bonnbewegt“, sie dürfe nicht Baulastträger für Fahrradinfrastruktur sein. Radverkehr gilt noch immer als Fremdkörper. Die Sperrung als Weckruf Die marode Brücke ist ein Problem – aber sie legt auch ein strukturelles Versagen offen: Jahrzehntelang wurde der Autoverkehr priorisiert, während sichere Radwege als „nice to have“ galten. Die aktuelle Situation beweist das Gegenteil. Radverkehr ist kein Luxus, sondern ein zentraler Baustein einer funktionierenden Stadtmobilität. Wer jetzt Radspuren infrage stellt, gefährdet nicht nur Menschenleben, sondern ignoriert die Realität einer wachsenden Stadt, die dringend Alternativen zum Auto braucht. Bernhard Meier

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