Rückenwind 03/2026

1 www.bonn-rhein-sieg.adfc.de Fahrrad-Magazin für Bonn, Rhein-Sieg und die Region Juni bis Augst 2026 G 10789 F Heft 3-2026 150 TAGESTOUREN IN DIESEM HEFT Fährradtag 2026 Radeln & Übersetzen am 2. August

2 THEMA

3 EDITORIAL Liebe Leserinnen und Leser. Pendlerpauschale, Spritpreisbremse, Mobilitätsprämie, steigende Gesundheitskosten – die Liste der Maßnahmen und Debatten zur Bewältigung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen ist lang. Doch eine naheliegende, wirksame und zugleich kostengünstige Lösung bleibt dabei außen vor: das Fahrrad als Teil der Lösung. Warum eigentlich? Diese Frage begegnete mir kürzlich in einem Fahrradpodcast – und sie lässt einen nicht mehr los. Denn klar ist: Wir als ADFC haben das Thema Mobilität in all seinen Facetten gewissermaßen in unserer DNA und mittlerweile weiß fast jeder um die Vorteile des Fahrrads für die individuelle Gesundheit, für lebenswertere Städte und für den Klimaschutz. Jedoch zeigt sich gerade auf regionaler Ebene, dass eigentlich naheliegende Forderungen wie etwa finanzielle Anreize zur Anschaffung von Fahrrädern, beispielsweise durch eine Mehrwertsteuersenkung, wenig Wirkung entfalten. Umso wichtiger ist es, dass wir dort ansetzen, wo wir konkret etwas bewegen können: vor Ort, in unserer Region, mit einer starken und engagierten Gemeinschaft. Was wir als ADFC Bonn/Rhein-Sieg hier bereits auf den Weg gebracht haben und künftig vorantreiben wollen, zeigen wir anschaulich in dieser neuen Ausgabe unseres Mitgliedermagazins Rückenwind. Dabei hat sich in den vergangenen Wochen einiges getan. Nicht der Mai, sondern schon der April machte – zum Glück nicht alles- neu, insbesondere personell. Unsere Mitgliederversammlung hat wichtige Weichen gestellt: Neue Gesichter bereichern den Vorstand und zahlreiche ehrenamtliche Funktionen, während zugleich bewährte Kräfte weiterhin Kontinuität sichern. Ein starkes Signal für die Zukunft unseres Vereins. Gleichzeitig richten wir den Blick nach vorn und auf die vielen Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen. Selten war das Spektrum an Themen und Betätigungsfeldern so breit: Ob verkehrspolitisches Engagement, konkrete Projekte vor Ort oder kreative Öffentlichkeitsarbeit – jedes Mitglied kann sich entsprechend der eigenen Zeit und Energie einbringen. Genau diese Vielfalt macht unsere Arbeit aus. Auch inhaltlich gibt es viel zu berichten: Wir greifen weiterhin aktuelle Themen auf, formulieren klare Positionen und tragen diese mit Nachdruck in die politische Diskussion. Ergänzt wird dies – wie gewohnt – durch die vielfältigen Aktivitäten unserer Ortsgruppen, inspirierende Tourenberichte zum Nachfahren sowie eine Übersicht kommender Veranstaltungen. Lassen Sie sich inspirieren, informieren und motivieren gesund durch den Sommer zu radeln. Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre – und allzeit gute Fahrt. Martin Hintzen und das Rückenwind-Team Editorial-Autor Martin Hintzen Foto: Hintzen PC-Konfiguration Linux-Betriebssysteme auch ältere PCs/Laptops IT-Beratung Olaf Runge 0228 1809377 it-rat@netcologne.de

4 Titelthema Verkehrspolitik In der Region ist eine Menge in Bewegung! Gesperrte Autobahnen und Bahnstrecken sorgen für erhebliche Verkehrsbelastungen, die auch den Radverkehr betreffen. Wir berichten über die Folgen. Rechte DB-Rheinstrecke ist bis zum Jahresende gesperrt ......................................... 5 Tausendfüßler: Wie es weitergehen kann ....... 9 ADFC-Verkehrspolitik: Das haben wir vor ....... 12 Seilbahn: Einweihung in Paris, Warteschleife in Bonn ............................................................. 14 Schwere Lkw rollen durch die Innenstädte von Bonn und Beuel wegen Brückensperrung .......... 16 ADFC-Projekt mit neuer Kraft ......................... 18 Unfallstatistik: 10 Radfahrer tödlich verletzt ... 20 ADFC NRW startet Kampagne für mehr Verkehrssicherheit ........................................... 23 Stadtteilpaten: Wer sich auskennt, ist gefragt .. 24 Meldungen ...................................................... 26 Rad im Alltag Fahrraddiebstähle gehen leicht zurück ........ 27 Körperlich eingeschränkt und trotzdem mobil: Das ist heute leichter möglich dank zahlreicher, individuell angepasster Fahrräder ........................................... 28 Fahrradkauf mit Behinderung: So geht das .. 33 Fahrradmarkt zu Füßen der Kreuzkirche ......... 36 Aktionen Der 14. Fährradtag des ADFC wird wieder Tausende an den Rhein locken ........................ 38 Meldungen: Stadtradeln in der Region | Fahrradkino | ADFC-Sommerfest ..................... 40 Kidical Mass startet wieder durch .................. 42 Aus dem ADFC Mitgliederversammlung wählte neuen Kreisvorstand – viele neue Gesichter ................ 44 Die neuen Vorstände im Portrait ..................... 46 Das Rad fit machen für den Sommer .............. 51 Aus den Ortsgruppen Niederkassel: Rot markierte Radwege .............. 52 Siegburg: Die Stadt geputzt ........................... 53 Obere Sieg: Lichterfahrt in Eitorf ..................... 54 Lohmar: Demo in drei Städten ....................... 55 Hennef: Fahrradcheck für den Führerschein .. 56 Sankt Augustin: Mängel an der K8 ................61 Siebengebirge: Schlimme Zustände .............. 62 Siebengebirge: Ehrenamtstag Königswinter . 64 Beuel: Unsere Pläne für den Sommer ............. 64 Wachtberg: Neuer Radweg zum EKZ ........... 66 Meckenheim: Kooperation geschlossen ........... 67 Swisttal: Neugründung geplant ........................ 68 Touren und Tourismus La Vélodyssée ist der grandiose Küstenradweg am Atlantik von der Bretagne bis Spanien. Doch kann man den mit einem Brompton befahren? Man kann! ....................................................... 70 Die englische Südküste gilt als landschaftliches und klimatisches Paradies. Und wie sieht es für Rad- fahrer aus? ...... 78 Meldungen: Fernfahrt nach Cognac | Die RTF im Überblick der Lippe .................................. 83 Skulpturenfahrt in Königswinter ................ 84 Rückblick auf die 25. rad+freizeit ................ 86 An der Ahr kommt die Sanierung des Ahr-Radweges voran ....................... 90 Das Tourenprogramm des ADFC bietet in diesem Sommer über 150 Touren ........ 92-109 Die Mehrtagestouren ........................ 109-110 Rubriken Impressum .................................................... 32 Die Adressenseiten ................................. 57-60 Termine .............................................. 111-112 Fördermitglieder: e-motion ist umgezogen | reinRAD ist neues Fördermitglied .................................. 113 Unsere 24 Fördermitglieder ...................... 114 INHALTSVERZEICHNIS Titelbild: Axel Mörer Redaktionsschluss für Heft 4-2026: 5.7.2026 Erscheinungstermin: 18. August 2026

5 Gähnende Leere am Bahnhof Rhöndorf: Ab 10. Juli 2026 wird die Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden für ein halbes Jahr gesperrt und erneuert. Auch die meisten Bahnhöfe werden modernisiert. Der Bahnhof Bad Honnef wird sogar abgerissen und um 400 Meter zum S-Bahnhof verlagert. Für die Pendler wird das ein ganz besonders schwieriges Halbjahr. Viele dürften auf das Fahrrad umsteigen, weil auch die Straßen verstopft sein werden. Foto: DB AG/Main Motion Rechte Rheinstrecke halbes Jahr gesperrt Radverkehr einzige pünktliche Alternative – ADFC empfiehlt Pendlerrouten Die Bahn sperrt wegen Bauarbeiten ab 10. Juli für ein halbes Jahr die rechtsrheinische Bahnstrecke. Auch linksrheinisch gibt es starke Einschränkungen. Verbunden mit der Sperrung der Nordbrücke für Lkw dürfte das zu einem Verkehrschaos und langen Staus führen. Das Fahrrad ist für viele Pendler die Chance, pünktlich zur Arbeit zu kommen. Im Zuge der Generalsanierung ist die vollständige Sperrung der Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vorgesehen. Betroffen ist damit eine der wichtigsten Pendlerachsen der Region, auf der tagsüber rund 200 Züge fahren. Die Dauer der Sperrung hebt sie von vielen früheren Baustellen ab. Fast ein halbes Jahr lang müssen sich Zehntausende Berufspendler neu organisieren. Die Auswirkungen reichen weit über die gesperrte Strecke hinaus und betreffen das gesamte Verkehrsnetz der Region. Besonders spürbar sind die Einschränkungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr. Mehrere wichtige Linien fallen ganz oder teilweise aus: • Der RE 8 verkehrt nicht mehr zwischen Troisdorf und Koblenz. Damit entfällt eine zentrale Direktverbindung für Pendler aus dem Mittelrheintal und dem südlichen Rhein-Sieg-Kreis. VOLLSPERRUNG der Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden vom 10. Juli bis 11. Dezember 2026 SCHIENENERSATZVERKEHR? Werde Dein eigener Ersatzverkehr. Steig um aufs Rad. Pendlerrouten auf: www.bonn-rhein-sieg.adfc.de/verkehrspolitik

6 • Auch die RB 27 von Köln kommend endet bereits in Troisdorf, zahlreiche kleinere rechtsrheinische Stationen verlieren ihren regelmäßigen Bahnanschluss. • Die RB 30 zwischen Remagen und Bonn fährt ebenfalls nicht mehr, wodurch eine wichtige Verbindung zwischen Rheinland-Pfalz und der Bundesstadt wegfällt. • Die RB 48 ist nur noch zu den Hauptverkehrszeiten zwischen Köln und Bonn unterwegs. • Die S 19 fährt auf dem Abschnitt Flughafen Köln-Bonn-Hennef nur im Stundentakt. In der Summe bedeutet das: weniger Züge, längere Wartezeiten, volle Wagen und deutlich geringere Flexibilität. Besonders stark betroffen sind Beschäftigte in Schichtarbeit und unregelmäßigen Arbeitszeiten. Alternativen: Andere Rheinseite, Busse? Die vorgesehenen Alternativen – Umleitungen über die linke Rheinseite, Ersatzbusse und angepasste Fahrpläne – können die Ausfälle kaum kompensieren. Besonders problematisch ist die Verlagerung des Verkehrs auf die ohnehin hoch ausgelastete linksrheinische Strecke zwischen Köln und Koblenz. Dort konkurrieren umgeleiteter Fernverkehr und weiterhin notwendiger Güterverkehr um knappe Trassen. Verspätungen, überfüllte Züge und eine sinkende Planbarkeit sind die Folge. Die Auswirkungen reichen spürbar bis in den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis und den Kreis Euskirchen, deren Anbindung an Köln und Bonn indirekt unter Druck gerät. Die Ersatzbusse werden zudem auf Straßen eingesetzt, die schon jetzt tagsüber be- und überlastet sind. Zusätzlich verschärft sich die Situation durch parallele Einschränkungen im Straßennetz, insbesondere im Bonner Raum. Die Sperrung der Nordbrücke für den Schwerlastverkehr zwingt zusätzliche Verkehre auf andere Rheinbrücken und Zubringerstraßen. Zudem wird weiter am Endenicher Ei gebaut, mit teilweisen Sperrungen der A565. Damit geraten Bahn-, Bus- und Straßenverkehr gleichzeitig an ihre Leistungsgrenzen. Fahrrad statt Stau und volle Busse In dieser Situation bietet sich eine Alternative an, die bislang oft nur als Ergänzung galt: das Fahrrad. Nicht als Notlösung, sondern als pragmatische Antwort auf ein über Monate hinweg instabiles Verkehrssystem. Strecken bis 15 Kilometer sind für Radfahrende gut machbar. Busse sollen von Juli bis Dezember die gestrichenen Bahnlinien rechts- und linksrheinisch ersetzen. Es ist zu befürchten, dass die Busse mit dem Autoverkehr im Stau stehen. Foto: Deusche Bahn/ Stefan_Wildhirt Foto: DB AG/Main Motion | Grafik: DB AG Der Bahnhof in Bad Honnef (oben) wird abgerissen und zum S-Bahnhof in 400 Meter Entfernung verlegt. Dort werden S-Bahn und DB-Züge verknüpft (Skizze rechts). VERKEHRSPOLITIK

7 VERKEHRSPOLITIK Genuss RADELN MIT Die E-Bike Karte für die Vulkaneifel Die E-Bike Karte ist ab sofort in den Tourist Informationen des GesundLand Vulkaneifel, Gerolsteiner Land und der Ferienregion Kelberg für eine Schutzgebühr von 1,50 € erhältlich oder online bestellbar unter: www.gesundland-vulkaneifel.de/shop www.gesundland-vulkaneifel.de Starte in Wallenborn am Brubbel, einem Kaltwasser-Geysir, der alle 35 Minuten eine Wasserfontäne in den Himmel schießt. Genieße eine entspannte E-Bike-Tour über Wald- und Wiesenwege durch die wunderschöne Vulkaneifel bis zum Meerfelder Maar. Auf Teilen des Kosmosradwegs geht es nach einem kurzen Zwischenstopp in Meerfeld zurück zum Ausgangspunkt deiner Tour. Länge: 37,7 km Höhenmeter: 517 m Parkplatz Wallender Born, 54 Eine abwechslungsreiche Radtour, bei der du in Daun startest und endest. Freu dich auf entspanntes Radeln und Natur pur auf den Spuren des VulkanBike. Das landschaftliche Erlebnis steht auf dieser Tour im Vordergrund. Länge: 24,2 km Höhenmeter: 441 m GesundLand Tourist Information, Leopoldstr. 5, 54550 Daun Marktplatz oder Parkhaus Gesundland Vulkaneifel Auf den Spuren des VulkanBike 1 GesundLand Vulkaneifel Entdecke das Land der Vulkane auf dem E-Bike! Zahlreiche Streckenkilometer warten auf dich. Auf naturbelassenen sowie teils asphaltierten Wegen und vorbei an einer einzigartigen Landschaft laden dich unsere digitalen Rundtouren zu einer aktiven Auszeit ein. Mit dem E-Bike bewältigst du auch herausfordernde Strecken mühelos. Lade dir die GPX-Daten herunter und los geht’s! Auf zwei Rädern durch die Vulkaneifel! Hinterbüsch-Run 5 400 m 500 m 10 km 20 km Wa 400 m 500 m 400 m 500 m Hörscheid Mehren Rengen Daun Mehren Lass dich bei dieser Tour von Daun nac einzigartigen Vulkaneifellandschaft be traumhafte Ausblicke auf das Ulmener ferweiher. Ein Abstecher zur Ulmener Ulmener Maar-Stollen lohnt sich! Länge: 37,4 km Höhenmeter: 552 m GesundLand Tourist Information, Leopoldstr. 5, 54550 Daun Marktplatz oder Parkhaus Starte in einem Ka 35 Minut in den Hi eine ents Wald- un die wund zum Mee des Kosm einem ku Meerfeld punkt de P Eine abwechslungsreiche Radtour, bei der du in Daun startest und endest. Freu dich auf entspanntes Radeln und Natur pur auf den Spuren des VulkanBike. Das landschaftliche Erlebnis steht auf dieser Tour im Vordergrund. Länge: 24,2 km Höhenmeter: 441 m GesundLand Tourist Information, Leopoldstr. 5, 54550 Daun Marktplatz oder Parkhaus Gesundland Vulkaneifel Auf den Spuren des VulkanBike 1 GesundLand Vulkaneifel Entdecke das Land der Vulkane auf dem E-Bike! Zahlreiche Streckenkilometer warten auf dich. Auf naturbelassenen sowie teils asphaltierten Wegen und vorbei an einer einzigartigen Landschaft laden dich unsere digitalen Rundtouren zu einer aktiven Auszeit ein. Mit dem E-Bike bewältigst du auch herausfordernde Strecken mühelos. Lade dir die GPX-Daten herunter und los geht’s! durch die Vulkaneifel! Hi 5 400 m 500 m 500 m 500 m Hörscheid Mehren Rengen Daun Leopo Mark Auf den Spuren des VulkanBike Eine abwechslungsreiche Radtour, bei der du in Daun startest und endest. Freu dich auf entspanntes Radeln und Natur pur auf den Spuren des VulkanBike. Das landschaftliche Erlebnis steht auf dieser Tour im Vordergrund. Länge: 24,2 km Höhenmeter: 441 m Start/Ziel: GesundLand Tourist-Information Daun Die Vulkaneifel begeistert Radfahrer mit atemberaubenden Weitblicken und malerischen Tälern. Doch die Hügel und Steigungen stellen oft eine Herausforderung dar. Mit einem E-Bike ist das Erkunden der Region einfach und genussvoll möglich. Das GesundLand Vulkaneifel, das Gerolsteiner Land und die Ferienregion Kelberg haben daher gemeinsam eine E-Bike Karte mit 26 abwechslungsreichen Rundtouren entwickelt, die sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Radler geeignet sind, und die durch dichte Wälder, entlang glitzernder Maare und über sanfte Hügel führen, darunter auch fünf speziell für Kinder konzipierte Kids-Touren. Wichtig zu beachten: Alle Touren der neuen E-Bike Karte sind ausschließlich per GPX-Daten navigierbar und nicht ausgeschildert. Die GPX-Daten sind über einen QR-Code auf der Karte abrufbar. Inkl. 5 Kids- Touren Tipp: Mach mit beim VulkanBike Eifel-Marathon am 12.09.2026.

8 Mit E-Bike oder Pedelec erweitert sich der realistische Radius, auch im hügeligen Umland von Bonn. Verbindungen wie Bonn-Siegburg, Sankt Augustin-Bonn, Bornheim-Bonn oder Abschnitte zwischen Euskirchen und dem Vorgebirge liegen bereits heute in diesem Bereich und sind auf zwei Rädern machbar. Der große Vorteil des Fahrrads liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Planbarkeit. Während Bahn und Busfahrten von Ausfällen, Taktänderungen und Staus betroffen sind, bleibt die Fahrzeit auf dem Rad überschaubar, planbar und konstant. Wer einmal seine Strecke kennt, weiß, wann er ankommt – unabhängig von Baustellen auf der Schiene. Radfahren hat Vorteile für die Gesundheit Neben der zeitlichen Verlässlichkeit kommen die gesundheitlichen Vorteile hinzu. Regelmäßiges Radfahren stärkt Herz und Kreislauf, fördert die körperliche Fitness und wirkt nachweislich stressreduzierend. Gerade in einer Phase, in der Tipps zum Pendeln per Rad Der ADFC Bonn/Rhein-Sieg wird Pendler im Vorfeld der Bahnsperrungen 2026 gezielt unterstützen. Auf unserer Internetseite stellen wir Pendlerstrecken in der Region vor, die bereits heute passabel nutzbar sind – auch wenn die Radinfrastruktur noch nicht überall vollständig ausgebaut ist. Die Routen für Pendler: • orientieren sich an realen Alltagswegen zwischen Wohn- und Arbeitsorten • zeigen, welche Strecken schon jetzt funktionieren, auch unter Alltagsbedingungen • können als Vorlage und Inspiration für den eigenen Arbeitsweg dienen. Ziel ist es, Pendlern den Einstieg zu erleichtern und zu zeigen, wo das Fahrrad schon heute verlässliche Alternative ist mit Blick auf die kommenden Einschränkungen im Bahnverkehr. Mehr Informationen unter https://bonn-rhein-sieg.adfc.de/verkehrspolitik VERKEHRSPOLITIK Pendeln für viele mit Ärger und Unsicherheit verbunden ist, kann Bewegung helfen, den Arbeitstag ausgeglichener zu beginnen und zu beenden. Für viele wird der Umstieg deshalb kein ideologischer Schritt sein, sondern eine nüchterne Entscheidung: weniger Stress, mehr Kontrolle über die eigene Zeit. Zwar verzögern sich auch in der Region Bonn/Rhein-Sieg die geplanten Radpendlerverbindungen, doch trotz dieser Lücken gibt es bereits heute ein nutzbares Grundnetz entlang des Rheins, über ruhige Nebenstraßen und auf bestehenden Radachsen. Perfekt ist das nicht – aber oft praktikabler als ein Verkehrssystem im Ausnahmezustand. Vielleicht beginnt der Umstieg aus der Not heraus. Doch wer erlebt, dass man mit dem Rad zuverlässig, stressärmer und gesünder ans Ziel kommt, bleibt womöglich dabei. Rainer Berns N Wiesbaden Bonn Koblenz Mainz Bingen Neuwied 61 61 48 3 Lorchhausen Unkel Troisdorf Mosel Lahn Rhein Wiesbaden-Biebrich Rüdesheim Geisenheim Assmannshausen Oestrich-Winkel Hattenheim Erbach Eltville Niederwalluf Wiesbaden-Schierstein Kaub Lorch Niederlahnstein KoblenzEhrenbreitstein Leutesdorf Engers Vallendar Erpel Menden Friedrich-Wilhelms-Hütte Bad Honnef Bad Hönningen Rheinbrohl Filsen Osterspai Braubach Oberlahnstein Kestert St. Goarshausen Kamp-Bornhofen Linz Rhöndorf Königswinter Niederdollendorf Bonn-Oberkassel Bonn-Beuel Bonn-Vilich Leubsdorf Sanierung der Bahnstrecke Troisdorf-Wiesbaden 2026

9 Tausendfüßler: Planfeststellung dieses Jahr ADFC drängt weiter auf Radschnellweg an der A565 – Bonn und Kreis gefragt Foto: Axel Mörer Demonstration 2020 während der Corona-Pandemie gegen die Verbreiterung des Tausendfüßlers quer durch Bonn von 20 auf 40 Meter und für einen Radschnellweg: Weiterhin engagiert sich der ADFC für eine schnelle Pendlerstrecke entlang der Autobahn über die Nordbrücke in den Rhein-Sieg-Kreis hinein. Die Hoffnung, doch noch einen Radschnellweg entlang der A565 quer durch Bonn hinein in den Rhein-Sieg-Kreis durchzusetzen, ruht jetzt auch auf dem Bundesrat. Der will nämlich den Vorschlag der Bundesregierung nicht akzeptieren, dass entlang von Autobahnbrücken der Bau von Radwegen nicht mehr verpflichtend geprüft und gegebenenfalls auch umgesetzt werden muss. Das von der Bundesregierung in den Bundestag eingebrachte „Infrastruktur-Zukunftsgesetz“ soll den Bau von Verkehrsinfrastruktur beschleunigen. Im Bundesfernstraßengesetz will die Bundesregierung die Pflicht, beim Bau von Betriebswegen den Bedarf für Radverkehr zu berücksichtigen, streichen. Damit würde beim Neu- oder Ersatzneubau von Brücken die Pflicht entfallen, sie im Bedarfsfall auch für die Aufnahme von Radverkehr auszubauen. Das wäre besonders am Rhein, wo es nur wenige Flussquerungen gibt, für den Radverkehr fatal, der keine großen Umwege fahren kann. Das könnte ein Grund sein, warum der Bundesrat vorschlägt, der SollRegelung nicht zuzustimmen und Radverkehr „grundsätzlich“ zu ermöglichen. Ein Vorschlag der Länderkammer mit weitreichenden Folgen: Der Bund muss in den nächsten zehn Jahren 4000 Autobahnbrücken sanieren oder zu einem großen Teil sogar abreißen und neu bauen, die in den 1960er und 1970er Jahren gebaut wurden. Besonders betroffen ist von dieser Frage unsere Region, weil der Tausendfüßler überwiegend als Brücke durch die Stadt führt. Ein Betriebsweg entlang des Tausendfüßlers wäre für den Radverkehr umso wichtiger. Auch die Nordbrücke wäre von der Gesetzesänderung betroffen. Unser Brief an die örtlichen Bundestagsabgeordneten und den Vorsitzenden des federführenden Verkehrsausschusses, in dem wir um Unterstützung für den Radschnellweg entlang des Tausendfüßlers und über die Nordbrücke bitten, hat einige Reaktion ausgelöst. Der Bundestagsabgeordnete Sebastian Hartmann (SPD) aus dem Rhein-Sieg-Kreis, zugleich parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverteidigungsminister, schrieb uns: „Gerade vor dem Hintergrund der angespannten Verkehrssituation

10 rund um die A565, die Nordbrücke und den Tausendfüßler ist es wichtig, dass Brückenbauwerke konsequent auch für den Radverkehr und den Fußverkehr mitgedacht und entsprechend nutzbar gemacht werden. Leistungsfähige Querungen sind ein zentraler Baustein für eine funktionierende und zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur in unserer Region.“ Wenn das die Haltung der Bundesregierung wird, darf man hoffen. Tausendfüßler: Planfeststellung dieses Jahr Das Thema wird uns absehbar mindestens die nächsten 15 Jahre beschäftigen. Die Bauzeit für den Tausendfüßler, den Abschnitt zwischen Endenich und Tannenbusch, ist auf neun Jahre projektiert. Der Planfeststellungsbeschluss soll in diesem Jahr kommen. Im Anschluss soll die Nordbrücke neugebaut und das alte Brückenbauwerk abgerissen werden – frühestens ab 2035. Es wäre also noch viel Zeit, um den Radverkehr am Tausendfüßler und auf der Nordbrücke bedarfsgerecht mit einzuplanen. Dafür müssen sich neben dem ADFC vor allem die Spitzen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises einsetzen und für den notwendigen politischen Druck sorgen. Der ADFC wirbt schon seit 2017 dafür, beim Neubau des Tausendfüßlers die Chance zu nutzen, einen kreuzungsfreien Radschnellweg zu bauen, der die Arbeitsplatzschwerpunkte im Bonner Westen mit den Wohnorten im links- und rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis verbindet. Über die Kennedybrücke und die verdichteten Zentren von Bonn und Beuel lässt sich das nicht erreichen. Schon 2019 schrieb der ADFC an den damaligen NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst. Bonn und der Rhein-SiegKreis gaben sogar eine Studie in Auftrag, die das große Potential einer solchen Route für den Radverkehr nachwies. In die Planungsverfahren hat sich der ADFC zudem intensiv eingebracht und immer wieder auf den Bedarf für einen Radschnellweg hingewiesen. Zuletzt hat der ADFC-Kreisverband mit großer finanzieller Unterstützung des ADFCNRW eine Klagemöglichkeit durch die renommierte Klimaanwältin Roda Verheyen prüfen lassen. Danach könnten wir erreichen, dass das Bundesverwaltungsgericht – in dem Fall einzige Instanz – feststellt, dass das Potential des Radverkehrs für den Klimaschutz auf dem betreffenden Autobahnabschnitt nicht hinreichend untersucht wurde. Diese Untersuchung müsste bei einer entsprechenden Gerichtsentscheidung nachgeholt werden. Eine Pflicht zum Bau eines Radschnellweges wäre das nicht. Allerdings wäre das finanzielle Risiko eines solchen Verfahrens hoch und würde den Kreisverband möglicherweise mit bis zu 40.000 Euro belasten, auch im Erfolgsfall. Entscheidend könnte da der politische Druck sein, den der neue Bonner Oberbürgermeister Guido Déus und Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster auf ihren auch im Bund einflussreichen Parteifreund Hendrik Wüst (alle CDU) ausüben könnten. Wir sind gespannt. Bernhard Meier VERKEHRSPOLITIK SEITE31 SAMSTAG, 26. OKTOBER 2019 • • •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• • • •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• • • •••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• BONN Letzte Chance für Radschnellweg ADFC fordert Landesverkehrsminister Wüst auf, das Projekt auf die Schiene zu setzen Bei Überfall auf Postfiliale Geld erbeutet Smartphones im Internet bestellt und nicht bezahlt Befangenheitsvorwürfe im UKB Weiter keine Einigung wegen der Kaufmännischen Direktorin ! " 8 • • ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• ! „Wir waren entsetzt, als der Landesbetrieb Straßen NRW vergangen Woche die Planung fürdenNeubaudesTausendfüßlers vorgestellt hat und ein Radschnellweg dabei keine Rolle spielte“, berichtet Dr. Georg Wilmers. Der verkehrspolitische Sprecher des Kreisverbands Bonn des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für den Rhein-Sieg-Kreis und seine Mitstreiter um die Vorsitzende Anette Quaedvlieg waren davon ausgegangen, dass der Radschnellweg kommen werde, nachdem ihn die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis im März beantragt hatten. „Wir haben den Eindruck, dass Landesverkehrsminister Hendrik Wüst dabei ist, durch Nichtentscheidung eine Großchance für den Radverkehr in der Region Bonn zu verspielen“, erklärt Wilmers. Deshalb hat der ADFC den CDUMinister nun in einem Brief aufgefordert, den Bedarf für den Radschnellweg festzustellen und Straßen.NRW mit der Realisierung zu beauftragen. Sonst droht nach Einschätzung des ADFC, dass eine der größten Chancen verstreicht, im dicht bebauten Bonner Stadtgebiet einen kreuzungsfreien Radschnellweg zu bauen, der quer durch den Bonner Westen über die Nordbrücke bis nach Beuel, Niederkassel, Sankt Augustin und Troisdorf führen würde. „Solch eine Chance verstreichen zu lassen, ist kurzsichtig und für die Region eine Enttäuschung“, sagt Wilmers. Bereits im November 2017 hatte der Stadtrat nach Angaben des ADFC einen Radweg entlang der A 565 gefordert und das potenzial mit 1500 bis 2000 Fahrten pro Werktag angegeben. Das Land hatte das abgelehnt und im Mai 2018 darauf verwiesen, dass die Stadt bei einem Radweg selbst Baulastträger sei. Für einen Radschnellweg, der vom Land geplant werden müsse, sei ein Potenzial von mindestens 2000 Radler pro Tag nötig. Der Stadtrat machte sich daraufhin für den Bau eines Radschnellwegs stark, der Teil des Planfest- %) $ # &#3 &'2 #&3%*/'--7') &0%* /0%* 2'#-+3+'24 7+2& 2 '02) "+-.'23 5/& //'44' 5#'&6-+') 040 #)5/+# stellungsverfahrens für den Neubau der A 565 zwischen den Autobahnkreuzen Bonn-Nord und Bonn-Endenich sein sollte. Im November vergangenen Jahres legten Stadt und Rhein-SiegKreis dann eine Wirtschaftlichkeitsberechnung und einen Potenzialnachweis vor. Demnach werdenaufallenvierbewerteten Trassen mehr als 2000 Radler täglich unterwegs sein, auf dem Abschnitt entlang der A 565 sogar mehr als 5000. Im März ha- # !# #$ 0// *'+/ +') ben Stadt und Kreis dann einen Radschnellweg von Alfter bis Niederkassel/Troisdorf/Sankt Agustin beim Land beantragt, der von Endenich bis Beuel entlang der A 565 verlaufen soll. Die Kosten werden auf 20 Millionen Euro geschätzt. Wilmers schlägt vor, angesichts der zahlreichen Brücken auf dem Streckenabschnitt der A 565 einen Teil des Radwegs unter die Fahrbahn zu hängen. „Das hätte auch denVorteil, dass die Radler vor Regen geschützt wären.“Angesichts der beengten Verhältnisse beim sechsspurigen Ausbau des Tausendfüßlers könne dies eine praktikable Lösungsein. ' # # & ( #& Zugleich hat der ADFC alle Landtagsabgeordneten angeschrieben,sichentsprechendfür das Projekt einzusetzen.„Wir erwarten dabei ganz besonders von den beiden FDP-Ministern aus Bonn und dem Rhein-SiegKreis, Joachim Stamp und Andreas Pinkwart, dass sie sich für eine zukunftsfeste Mobilität in unserer Region einsetzen und diese einmalige Chance nicht verpassen“, so Wilmers. Dass der Radschnellweg noch gebaut wird, wenn die Autobahn schon fertig ist, glaubt er nicht. Der CDU-Landtagsabgeordnete für den linksrheinischen RheinSieg-Kreis, Oliver Krauß, teilt diese Sorge: „Ich nehme die Anregung, den Weg teilweise unter die Fahrbahn zu legen, mit nach Düsseldorf und werde dort Druck machen.“ „Vertreter der Stadt haben in einem Gespräch im August mitgeteilt, dass das Land noch Nachbesserungen in dem Antrag für den Radschnellweg fordere“, so Quaedvlieg. Aber worum es genau gehe, sage niemand. $ %$ #) # # #5(&'./'5'/ 42'%,'/#$3%*/+44&'2 3%*- )4&'2 602 '+/'/ '+- &'3 #&7')3 5/4'2 &+' #*2$#*/ 95 * /)'/ 040 '*2'+/ ! Die Polizei fahndet nach zwei Männern, die am Freitagmorgen eine Postfiliale auf der Mainzer Straße in Mehlem überfallenundeineMitarbeiterinmit einer Waffe bedroht haben. Gegen 6.35 Uhr wollte eine Angestellte nach Angaben der Polizei die Hintertür des Geschäftes öffnen, als zwei Männer sie in die Räume drängten und unter Vorhalt einer mutmaßlichen Schusswaffe die Herausgabe von Bargeld forderten. Die Frau händigte das Geld aus, und die Täter verließen die Räume durch den Hintereingang und flüchteten, möglicherweise mit einem Wagen, in Richtung Süden. Eine sofort eingeleitete Fahndung war nicht erfolgreich. Die beiden Männer sind nach Beschreibungen von Zeugen beide etwa 1,80 Meter groß und schlank. Sie waren dunkel gekleidet und voll maskiert. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 32 unter Telefon (0228) 150 entgegen. (wki) ! 8 • • ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• ! Am Anfang waren es Champagner, Whisky oder ein exklusives Parfum. Auch schon mal ein Laptop oder ein Rucksack von Versace. Später jedoch sollen nur Smartphones auf der betrügerischen Bestellliste einer mutmaßlichen Bande von Schwarzafrikanern gestanden haben, die ein Jahr lang im Internet bestellt hatten, ohne die teuren Waren je bezahlen zu wollen. DavonjedenfallsgehtdieStaatsanwaltschaft aus, die sechs Kamerunern zwischen 20 und 32 Jahrenbanden-undgewerbsmäßigen Betrug in 133 Fällen sowie Urkundenfälschung vorwirft. Seit gestern müssen sich die Angeklagten aus Bonn, dem Rheinland und Belgien vor dem Landgericht verantworten. Ein Mann ist unauffindbar; sein Verfahren wurden abgetrennt. Unter den fünf Angeklagten sind aber laut Staatsanwaltschaft die Hauptakteure in dem raffinierten Betrugsfall. Mit verschiedenen Maschen sollen sie operiert haben, um an die Ware zu kommen: Entweder gaben sie demnach bei den Bestellungen fiktiveAdressatenanundfälschten Urkunden wie Meldebescheinigungen oder Ausweise, oder sie gaben Namen und Adressen von Nachbarn an, verfolgten im Netz den Paketsendeverlauf und versuchten die Zusteller auf der Straße abzupassen, so die Vorwürfe. Da sei auch schon mal die Adresse eines gerade Verstorbenen angegeben worden. Eine Zustellerin weigerte sich, einem der Angeklagten das Paket auszuhändigen und übergab es der Witwe: Die wunderte sich und schickte das nicht bestellte Handy zurück. &$% # (&# $$%# & $ # Zwischen Oktober 2016 und Oktober 2017 waren die Paket-Zusteller immer misstrauischer geworden: Die mutmaßliche Betrugsmasche hatte sich rumgesprochen. In 30 angeklagten Fällen wurde die Paket-Abgabe verweigert. Als die Mitarbeiterin eines Shops die Ware nicht aushändigen wollte, obwohl ihr ein gefälschter Ausweis vorgelegt worden sei, soll einer der Angeklagten „so einen Stress“ gemacht haben, dass Zeugen sich das Kennzeichen des Autos notierten, in das der Mann eingestiegen war. Bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmten Ermittler Waren und gefälschte Dokumente. Fast alle Angeklagten sollen von ihren gut situierten Familien nach Deutschland geschickt worden, um hier zu studieren: An sprachlichen und kulturellen Barrieren gescheitert, fingen die „Studenten“ laut Anklage an sich per WhatsApp zu organisieren. Bereits vor einem Jahr war die Bonner Anklage erhoben worden. Die Zeit bis zum Prozess jedoch sollen zwei der fünf Angeklagten genutzt haben, um im selben Stil in der Südeifel weiterzumachen. Dort wurden die mutmaßlichen Handy-Betrüger von der Trierer Polizei gestellt. ! 8 8 • • ••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••••• ! Im Machtkampf im Universitätsklinikum Bonn (UKB) um die Besetzung einer Vorstandsstelle sehen sich Uni-Rektor Michael Hoch und Uni-Kanzler Holger Gottschalk Vorwürfen der Befangenheit ausgesetzt. Beide sind Mitglieder des UKBAufsichtsrates, der – wie berichtet – am 22. Februar Professorin Dorothee Dzwonnek zur neuen KaufmännischenDirektorinund damit auch zum Vorstandsmitglied des Klinikums gewählt hatte. Sie sollte ihr Amt am 1. April antreten, doch der Posten ist immer noch vakant. Hinter den Kulissen, so ist zu erfahren, soll Professor Wolfgang Holzgreve, der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKB, gegen Dzwonnek agieren. Er soll einen internen Kandidaten aus der zweiten Reihe protegieren, dem er im Vorgriff auf den Direktorenposten bereits ein überdurchschnittlich hohes Jahresgehalt zugesichert haben soll. Holzgreve hatte die Wahl Dzwonneks, die zuvor unter anderem Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und Staatssekretärin in RheinlandPfalz gewesen war, offiziell in einer Pressemitteilung zwar begrüßt, sich aber gleichzeitig beim NRW-Ministerium für KulturundWissenschaftbeschwert. $ ( # $% # & Als die Rundschau ihn Anfang Oktober dazu befragte, erklärte Holzgreve schriftlich, „der Vorstand“ habe keinen Brief nach Düsseldorf geschrieben. Das war eine sehr spitzfindige Antwort, denn Mails vom 26. Februar und 1. März, die die Rundschau einsehen konnte, sind von ihm unterzeichnet. Darin berichtet Holzgreve dem Ministerium von „spontaner Empörung“ unter Klinikdirektoren über Dzwonneks Kür und fragt, ob die Landesregierung als Rechtsaufsicht die mehrheitlich getroffene Entscheidung des Aufsichtsrats prüfen und beanstanden könne. Diese Prüfung dauert noch an. Holzgreve hatte gegenüber der Aufsichtsbehörde auch Bedenken wegen der möglichen Befangenheit von Rektor Hoch und Kanzler Gottschalk geäußert, die im Aufsichtsrat an der Wahl der neuen Kaufmännischen Direktorin teilgenommen hatten. Grund: Dzwonnek ist Mitglied des Hochschulrats, der jährlich das Rektorat entlastet, hatte ihr Mandat aber ruhen lassen, nachdem sie von einem Personalberater für den Top-Posten vorgeschlagen worden war. Es hätte also Abhängigkeiten zwischen Dzwonnek und der Uniführung geben können. Ein vom Aufsichtsrat beauftragter Rechtsgutachter sieht das aber anders, weil ja allen Mitgliedern des Gremiums die Funktionen Hochs und Gottschalks bekannt gewesen seien, niemand aber Bedenken geäußert habe, auch nicht die beiden Beamten des Ministeriums. Der Jurist verneint in seinem Brief an das Ministerium auch den Einwand Holzgreves, die Bestellung der Kaufmännischen Direktorin sei ein Rechtsverstoß gewesen. Die UnigabkeineStellungnahmeab, es handele sich um ein laufendes Verfahren. Der Personalrat des UKB zeigt sich inzwischen besorgt über den Streit. Der Aufsichtsrat will sich am 31. Oktober erneut mit dem VorgangbefassenundeineEinigung herbeiführen. Dessen früherer Vorsitzender Professor Hugo van Aken hatte angeregt, für Dzwonnek eine Ehrenerklärung abzugebenundihreineEntschädigung anzubieten, die wohl im sechsstelligen Bereich liegen dürfteundausdemUKB-Etatgezahlt werden müsste. Kommt es nicht zu einer Einigung und würde der Kandidat Holzgreves gewählt, könnte Dzwonnek dagegen gerichtlich vorgehen. Der Ärztliche Direktor hat am Freitag auf Fragen der Rundschau zu dieser Angelegenheit nicht geantwortet. # $ &$ % #/ *'+/ 5/& 5*2 #. 0//4#) $'4'+-+)4 3+%* 0// 8. 53'5. 0'/+) &'/#5'2#--'' 3+/&1(-#/9'/(2'33'/&' +/03#52+'2 953'*'/ 8. '543%*'/ 53'5. *2342# ' )+$4'3 +4.#%*#/)'$04' +. #/&'3.53'5. 0-.#/4342# ' '+/'/"02,3*01952 *-'/.#-'2'+ # #& $$ $' # #$ $% # # $% $% &# % %$ & #! # ' # # # ! ! )& ' #$" Schon 2019 forderte der ADFC den damaligen Verkehrsminister Hendrik Wüst auf, auch eine Radpendlerroute beim Neubau des Tausendfüßlers einzuplanen.

11 THEMA e-motion e-Bike Welt Bonn Taunusstraße 19 | 53119 Bonn 0228 180 336 25 | bonn@emotion-technologies.de Unser Angebot: • Hunderte e-Bikes im Shop und auf Lager • Die größte Auswahl an Dreirädern und Lastenrädern in Bonn • Meisterwerkstatt mit Hol- und Bringservice • Attraktive 0 %-Finanzierung für Dein neues Bike • Zusammenarbeit mit mehr als 15 Leasingfirmen • Ergonomieberatung Wir starten neu durch: Besucht uns im neuen Shop! auf e-Bikes für alle ADFC Mitglieder!* 5% * Aktionszeitraum bis 30.06.2026, gilt nicht für Leasing und reduzierte Bikes.

12 VERKEHRSPOLITIK Foto: Axel Mörer Der ADFC hat seine Gruppen für Verkehrspolitik neu aufgestellt: Jetzt gibt es jeweils zwei Sprecher für die Verkehrspolitik in der Stadt Bonn sowie ein Sprecherteam für die Kreise Rhein-Sieg und Euskirchen. Das erste Treffen der vier Sprecher fand im April statt (v.l.): Andreas Tegge aus Meckenheim (RSK & EU), Wolfgang Utehs und Frank Begemann (beide Bonn) sowie Rainer Berns aus Bornheim (RSK & EU). Bonn: Wir konzentrieren uns auf die Top 5 Rhein-Sieg | Euskirchen: Aufbau Kreisnetz begleiten & bessere Vernetzung Die Projekte fliegen nur so durch die Luft, als sich die neu gewählten Verkehrspolitiker des ADFC aus Bonn und dem Rhein-SiegKreis zum Kennenlernen im ADFC-Radhaus treffen: Radfahren auf der künftigen Nordbrücke, die schlechte Verbindung zwischen Lohmar und Troisdorf, der miserable Rheinradweg in Bonn, die Pendlerrouten im Rhein-Sieg-Kreis und die Velorouten in Bonn. Die vier Männer haben sich viel vorgenommen für die nächsten Jahre. Bauingenieur Wolfgang Utehs, frisch umgezogen von Berlin nach Bonn, ist neuer Sprecher für Verkehrspolitik in Bonn und wird unterstützt von Frank Begemann, schon seit Jahren aktiver Verkehrspolitiker des ADFC und maßgeblicher Mann hinter dem viel beachteten Veloroutenkonzept für Bonn. Ihre Pendants für den Rhein-Sieg-Kreis und Euskirchen sind Rainer Berns aus Bornheim und Andreas Tegge aus Meckenheim, die in Zukunft die Projekte koordinieren und gegenüber der Politik und Verwaltung im Kreis vertreten, die über den Bereich der Ortsgruppen hinausgehen. Die Abstimmung zwischen Rhein-Sieg-Kreis und Bonn – und nicht zu vergessen dem Kreis Euskirchen, der ebenfalls eine stärkere Rolle spielen soll – wird die vier in den nächsten Jahren oft zusammenführen. Denn die zehn Velorouten, die die Bonner Gruppe gemeinsam mit dem Radentscheid Bonn entwickelt hat, enden nicht an der Stadtgrenze, sondern führen weiter zu den Wohnorten und Arbeitsplatzschwerpunkten im Kreis. Die Veloroute 3 verbindet zum Beispiel Bornheim und Alfter mit Bonn und führt weiter über Godesberg hinauf nach Wachtberg. Die Veloroute 4 führt von Rheinbach und Meckenheim über Endenich und die Nordbrücke nach Sankt Augustin bis nach Siegburg. Auch die Velorouten 1, 2, 4 und 9 verbinden Bonner Stadtgebiet mit Zielen im Rhein-Sieg-Kreis (Grafik rechts).

13 VERKEHRSPOLITIK Bonn: Lenkungskreis koordiniert Projekte Um ein flächendeckendes Netz zu realisieren, braucht es Kommunen, die die Ideen umsetzen. „Wir werden schon konkret gefragt, wo es losgehen soll“, schildert Begemann. „Wir haben uns für die Top 5 von Maßnahmen entschieden, um bei den Velorouten nun voranzukommen.“ Teile der zehn Velorouten existieren schon, aber es fehlen entscheidende Verknüpfungen. Abstände zu fahrenden und parkenden Autos sind zu eng, Kreuzungen sind unsicher, Strecken teilweise zu schmal, Oberflächen in schlechtem Zustand, Routen nicht ausreichend markiert und intuitiv zu finden. Nun sollen Maßnahmen schnell umgesetzt werden. Um das zu schultern, haben Wolfgang Utehs und Frank Begemann sieben Aufgabenbereiche definiert, die von Aktiven übernommen werden. Dieser Lenkungskreis kümmert sich um Themen wie Radinfrastruktur, Sicherheit, Klima und Mobilität, Lobbyarbeit und Kommunikation. Zudem will die Gruppe die aktuell gesuchten Stadtteilpaten unterstützen, die sich in ihren Bonner Ortsteilen um lokale Fragen zum Radverkehr kümmern wollen. Wer dazustoßen will, ist herzlich willkommen (s.S. 24). Schreiben Sie an: verkehrspolitik-bn@adfc-bonn.de. Rhein-Sieg: Ortsgruppen besser vernetzen Im Rhein-Sieg-Kreis koordinieren Rainer Berns und Andreas Tegge die überörtlichen Aufgaben. Dabei geht es zum Beispiel um die Pendlerrouten im Rhein-Sieg-Kreis und das NRW-Netz mit den Radvorrangrouten. „Wir wollen überprüfen, ob die vom Land im Entwurf vorliegenden Routen im Kreis den Bedarf des Radverkehrs gut abdecken oder verändert werden müssen“, so Rainer Berns. Zudem sollen Best-Practice-Beispiel stärker in den Ortsgruppen bekannt gemacht werden. Dazu zählen etwa die selbstverständliche Integration des Radverkehrs in die Meckenheimer Stadtplanung, der in der Rheinbacher Kernstadt ausgewiesene Cityring für den Radverkehr und die vorbildliche Mobilstation am Bahnhof, der neue Rheinuferweg in Königswinter-Niederdollendorf, die unübersehbaren, besonders hohen und bunten Poller in Bad Honnef oder das erfolgreiche Lobbying des ADFC Hennef für eine Radstation. „Uns liegt die Vernetzung der Ortsgruppen am Herzen. Wir wollen eine Bühne bieten dafür, was gut läuft und wofür es noch Unterstützung braucht“, so Andreas Tegge. Für Rainer Berns ist das eine besondere Herausforderung. „Ich mache seit drei Jahren als Ortsgruppensprecher Verkehrspolitik in Bornheim. Jetzt lerne ich, wie Verkehrspolitik auf Kreisebene funktioniert.“ Und das ist bei gemeindeübergreifenden Projekten wie der fehlenden Radverkehrsverbindung zwischen Lohmar und Troisdorf entscheidend. „Wir planen regelmäßige Online-Treffen mit den Ortsgruppen, um solche Aufgaben zu besprechen und zu koordinieren, um sie auf Kreisebene zum Erfolg zu bringen“, so Berns. Euskirchen: Hilfe auch für Einzelkämpfer Und der Kreis Euskirchen? Dort hat sich eine Ortsgruppe gebildet, die sich für den Radverkehr engagiert. Allerdings ist der Kreis riesig und reicht bis an die belgische Grenze. „Wir machen Mitgliedern im Kreis Euskirchen das Angebot, sie in ihrem Engagement vor Ort fachlich zu unterstützen“, so Berns. Die neue Bezeichnung der Verkehrspolitik Rhein-Sieg | Euskirchen ist deshalb bewusst gewählt. Wer die Verkehrspolitik des ADFC hier unterstützen möchte oder fachlichen Rat sucht, erreicht die Sprecher unter der E-MailAdresse verkehrspolitik-su-eu@adfc-bonn.de. Axel Mörer Veloroute 2 Veloroute 1 Veloroute 3 Veloroute 3 Veloroute 4 Veloroute 5 Veloroute 5 Veloroute 7 Veloroute 7 Veloroute 8 Veloroute 9 Veloroute 10 Veloroute 10 Veloroute 4 Hangelar St.Augustin Hersel Niederholtorf Venusberg Endenich Königswinter Niederdollendorf Poppelsdorf Auerberg Oedekoven Oberholtorf Veloroute 2 Veloroute 6 Ückesdorf Lengsdorf Rüngsdorf Meckenheim Niederbachem Bad Godesberg Mehlem Beuel Pennenfeld City Dransdorf Dottendorf Friesdorf für Bonn Pützchen Duisdorf Kessenich Oberkassel Ramersdorf Limperich Röttgen 10 Velorouten

14 Pariser Seilbahn fährt, Bonner Pendant in der Warteschleife Wie man ein Seilbahn-Projekt umsetzt, zeigt Paris. Im Dezember ist die urbane Seilbahn in Betrieb gegangen. Gebaut wurde die Seilbahn vom österreichischen Hersteller Doppelmayr. Bonn plant den Baubeginn für 2032. „Das Projekt Seilbahn Bonn ist seiner Realisierung ein gutes Stück näher gekommen“, frohlockte das städtische Presseamt im März 2026. Näher gekommen heißt in diesem Fall, dass wir noch sechs Jahre warten müssen. Wenn alles gut läuft. Die Stadt Bonn und deren Stadtwerke hätten gemeinsam mit dem Programmsteuerer in den vergangenen Monaten die Trasse der Seilbahn nahezu finalisiert, den Nutzen-Kosten-Index und den Zeitplan aktualisiert. Ab 2032 solle die Seilbahn als Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs vom rechtsrheinischen Beuel über den Rhein, durch das Bundesviertel mit seinen großen Arbeitgebern hoch zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg verkehren. Ups. War da nicht mal von deutlich früherem Start die Rede? Schon 2017 wurde in einer Machbarkeitsstudie die Realisierung eines seilgeführten öffentlichen Verkehrsmittels geprüft. Im März 2022 großes Aufatmen, die höchsten Hürden schienen genommen mit dem Beschluss des NRW-Verkehrsausschusses: „Der Verkehrsausschuss des Landtags Nordrhein-Westfalen stellt ... das Einvernehmen zur Aufnahme ... des „Neubaus Seilbahn Bonn“ ... in die Stufe 1 des ÖPNVBedarfsplans des Landes Nordrhein-Westfalen sowie den ÖPNV-Infrastrukturfinanzierungsplan des Landes Nordrhein-Westfalen her.“ Aufhorchen ließ bei der städtischen Pressekonferenz der Nebensatz des Bonner Oberbürgermeisters Guido Déus, „die bestmögliche, staufreie Verbindung über den Rhein ... bleibe dank hoher Förderquoten attraktiv – allerdings unter dem Vorbehalt einer dauerhaft tragfähigen Finanzierung“. Deshalb führe man die Planungen konsequent zu Ende und entscheide erst nach der Planfeststellung und auf Basis aller Fakten Kosten auf 155 Millionen Euro gestiegen Foto: Doppelmayr / Laurent GRANDGUILLOT-IDFM

15 VERKEHRSPOLITIK Die Strecke wurde noch einmal leicht verändert. Das Bild zeigt den Verlauf über den Kunstrasen, den Haltepunkt am Posttower und den weiteren Verlauf hoch über der Franz-Josef-Strauß-Allee Richtung Bahnhof UN-Campus. Haltepunkt Posttower Streckenverlauf Streckenverlauf Foto: Drees & Sommer; Quelle: Google Earth über die bauliche Umsetzung. Dabei vergaß der Oberbürgermeister nicht zu betonen, „das Pilotprojekt zeige die Stärke der partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung Bonn und Stadtwerken Bonn“. Da ist wohl einiges nach den letzten Monaten wieder herzurichten. Zudem muss man sich fragen, was der Wechsel des Projektsteuerers vor einem Jahr mehr gebracht hat als eine Verkürzung der Trasse auf dem Venusberg, verkürzte Haltestellen und mehr Rücksicht auf die Deutsche Post DHL und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Letzteres hat angeblich die Verschiebung der Haltestelle in Ramersdorf mit Abholzung des dortigen Wäldchens erwirkt. Während die Gesamtinvestition von rund 155 Millionen Euro netto auf Grund ziemlich sicher fließender Fördermittel weniger Sorgen machen, beziehen sich die Vorbehalte auf die erwarteten jährlichen Aufwendungen von 5,2 Millionen Euro, die sich aus den Betriebs- und Wartungskosten von rund 3,9 Millionen Euro sowie dem Kapitaldienst für den Investitions-Eigenanteil von etwa 1,3 Millionen Euro zusammensetzen. Mit Blick auf die prekäre Haushaltssituation der Bundesstadt Bonn sei zu prüfen, „ob die Seilbahn im Rahmen eines genehmigungsfähigen Haushalts umgesetzt werden kann“, so OB Déus. Dass bei einer 15-jährigen Planung die Baukosten und durch den Eigenanteil an den Investitionen und deren Verzinsung auch die Betriebskosten steigen, ist nicht verwunderlich. Die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 in Berlin um drei Kilometer kostete laut Süddeutscher Zeitung 720 Millionen Euro. Während in Paris die neue, von der Streckenlänge sehr ähnliche Seilbahn aus den Vorstädten zu den Metrostationen seit Dezember 2025 läuft, kommt dem Projekt in Bonn anscheinend der Drive und die Entschlossenheit abhanden. Immerhin heißt es in der Mitteilung der Stadt: „Nach positivem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens kann der Bau der Seilbahn beginnen. Hierfür werden nach jetzigem Stand rund zwei Jahre und eine Inbetriebnahme der Seilbahn im Jahr 2032 eingeplant.“ Die Hoffnung stirbt zuletzt. Hans Frech | Bernhard Meier

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