Rückenwind 03/2026

18 Das Projekt Schlüsselfaktor Radverkehr, das von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW sowie von der Stadt Bonn finanziert wird, wird mittlerweile vielen Aktiven im ADFC ein Begriff sein. Die Leitung ging Ende letzten Jahres von Julia Dick auf mich – Jakob Zachariae – über, und ich darf es nun auf die sprichwörtliche Zielgerade lenken, denn der Förderzeitraum läuft im Sommer dieses Jahres aus. Das Projekt verfolgt das Ziel, das Radfahren in all seinen Facetten zu fördern. Im Namen wird der thematische Schwerpunkt, die Verkehrspolitik, jedoch bereits deutlich. Und gerade hier sehen wir in unserer Region den größten Handlungsbedarf. Während Freizeitfahrten entlang von Rhein, Sieg, durch Eifel und Siebengebirge oder auf zahlreichen Themenrouten bereits sehr gut möglich sind, bleibt das Pendeln im Alltag oft herausfordernd. Wer innerhalb Bonns oder zwischen Städten wie Troisdorf, Hennef, Bornheim und Sankt Augustin unterwegs ist, stößt mit dem Rad noch häufig auf Hindernisse. Dabei zeigen sowohl die Zahlen der Studie Mobilität in Deutschland (MiD) als auch die geographischen Gegebenheiten, dass deutlich mehr nachhaltiger Pendelverkehr möglich wäre. Die Wege sind meist überschaubar, Steigungen oft moderat, und mit zunehmender Verbreitung von E-Bikes verlieren auch letztere für viele Menschen ihren Schrecken. Ein zentraler Schwerpunkt liegt daher auf den Radpendlerrouten im Rhein-Sieg-Kreis sowie den Velorouten in Bonn. Neben dem bi- und multilateralen Austausch mit Verwaltungen haben wir gemeinsam mit dem Radentscheid eine Velorouten-Infoveranstaltung durchgeführt, arbeiten an einem neuen Flyer zu den Radpendlerrouten und strukturieren unsere eigene Arbeit intern neu. Dazu gehören auch frische Ansätze wie die „Stadtteilpaten“ sowie die Erstellung von Argumentationshilfen zu Themen wie Sicherheit, Infrastrukturqualität oder den volkswirtschaftlichen Auswirkungen verschiedener Verkehrsformen. Darüber hinaus ist es mir persönlich wichtig, den ADFC Bonn/Rhein-Sieg stärker aus seiner eigenen „Bubble“ herauszuführen. Für viele Menschen ist das Fahrrad kein Hobby, sondern schlicht ein Verkehrsmittel, oft sogar die einzige gute Option. Studierende, Azubis, Kinder und weniger betuchte Menschen können nicht einfach so mit dem Auto fahren. Diese Perspektive mitzudenken, ist entscheidend: Wie erreichen wir auch diejenigen, die sich bisher wenig mit Radverkehr beschäftigen? Und wie wird Radpendeln für sie tatsächlich attraktiver? Wie schaffen wir es, dass Velorouten auch von jenen, die weder in der Tagespresse noch im Rückenwind darüber gelesen haben, genutzt werden? Ein Ansatzpunkt liegt in der stärkeren Nutzung digitaler Kanäle. Trotz berechtigter Kritik bieten insbesondere Social Media und MappingDienste wie Google Maps, Komoot oder Apple Maps noch ungenutzte Potenziale. Erste Fortschritte bei Reichweite der Social-Media-Kanäle (folgt uns!) und interner Digitalisierung sind bereits sichtbar, weitere Schritte sind in Arbeit. Mit Blick auf den Sommer stehen zudem wieder zahlreiche Veranstaltungen wie Kidical Mass, Fahrradmarkt oder radpolitische Touren an. Mit Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen wollen wir die verbleibende Projektzeit sinnvoll nutzen und einen Beitrag zur Förderung des Radverkehrs als „Schlüsselfaktor Radverkehr für Region, Klimaschutz und Bürgereinbindung“ (so der vollständige Name des Projekts) leisten. Jakob Zachariae Pendlerrouten als Schlüsselfaktor Aktueller Stand des ADFC-Projekts zur Förderung des Radverkehrs VERKEHRSPOLITIK

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