BAD AACHEN 04-2024

30 | BAD AACHEN 04/24 MOBILITÄT-SPEZIAL Was ist fairer Verkehr? Die Politik hat die Verwaltung beauftragt, die Mobilität in der Innenstadt neu zu organisieren: mit veränderten Bedingungen vor allem für Autofahrer. BAD AACHEN stellt einige Punkte des Konzepts vor. Von Henning Willes Das Rathaus steht – natürlich nur bildlich – auf dem Gaspedal. Schon in diesem Jahr sollen neue einschneidende Schritte in Aachen dafür sorgen, dass der Autoverkehr in der Innenstadt eingedämmt wird und stattdessen Radfahrer und Fußgänger mehr Raum bekommen. Einige Vorhaben der grün-roten Ratsmehrheit sind dabei durchaus umstritten. Mobile Stichwortsammlung Poller: Am Annuntiatenbach sollen die rot-weiß gestreiften Metallstäbe noch in diesem April verschwinden. Sobald die Langzeitbaustelle auf der Jakobstraße beendet ist, wird dort die ASEAG wieder entlangfahren. Sie darf dann auch den Annuntiatenbach passieren. Der motorisierte Individualverkehr – also vor allem Autofahrer – sollen auch ohne Poller weiterhin nicht über den Annuntiatenbach fahren dürfen. Der Schleichweg mitten durch die City soll verboten bleiben. Aber die Poller kommen weg. Reallabore: Solche gibt es seit Mitte Juni 2021 auf dem Templergraben vor dem RWTH-Hauptgebäude und seit 2022 auf der Seite des Theaterplatzes Richtung Elisenbrunnen. Auch hier sind Autos und Motorräder tabu. Radfahrer, E-Scooter, Taxis und Busse dürfen die Areale befahren – in Ausnahmefällen auch der Lieferverkehr, wie zum Beispiel seit 1995 auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz. Netzdurchtrennung: Frühestens im Herbst 2024 will die Stadtverwaltung damit beginnen, den inneren Grabenring als Radverteilerring an weiteren Stellen für den motorisierten Individualverkehr zu sperren. Dies funktioniert aber nur mit Schildern, da Busse, Taxis, wahrscheinlich auch Pflegedienste und Handwerker den Ring weiterhin durchgehend befahren dürfen. Der restliche Autoverkehr soll dann in sogenannten Schleifen in die Innenstadt und auch wieder hinausgeführt werden. Vorbilder sind die Städte Gent und Leuven. Wer die Stadtseite mit dem Privat-Pkw wechseln möchte, muss weite Umwege in Kauf nehmen. Sperrungen des inneren Grabenrings gibt es – siehe oben – bereits auf dem Templergraben und vor dem Elisenbrunnen. Durchtrennungen sind darüber hinaus auf der Peterstraße, an den Kreuzungen Franzstraße/Kapuzinergraben, Jakobstraße zu Karlsgraben und Löhergraben sowie am Seilgraben/Hirschgraben geplant. Parkhäuser: Sie müssen für Aachenerinnen und Aachener sowie Gäste der Kaiserstadt erreichbar bleiben. Insgesamt zählt Aachen 24 Parkhäuser mit insgesamt 9100 Stellplätzen. Da am Straßenrand vor allem in der City auch im laufenden Jahr 2024 immer mehr Autoparkplätze gestrichen werden, kommt den Parkhäusern eine wachsende Bedeutung zu. Auch hier wurden die Gebühren im Stundentakt erhöht. Die erste Stunde kostet beispielsweise im APAG-Parkhaus in der Mostardstraße 2,50 Euro. Eine Stunde und eine Minute kosten 5 Euro. Am Straßenrand sind in Altstadtnähe mindestens 3 Euro fällig, Höchstparkdauer eine Stunde. Bike-Stationen: Die sicheren Abstellplätze – zuvorderst für wertvolle E-Bikes – sind in APAG-Parkhäusern und am Straßenrand entstanden. Wer also sein Rad vor Regen und Langfingern schützen möchte, kann es hinter Gittern fest schließen: in den Parkhäusern Mostardstraße, Galeria Kaufhof (Wirichsbongardstraße) und Adalbertsteinweg sowie in Anlagen an der Schanz, der Brabantstraße und am FranziskusHospital. Es gibt knapp 200 Radabstellplätze. Sie haben rund 612000 Euro gekostet, werden aber bislang kaum genutzt. Knackpunkt: Man kann nicht spontan einfahren, muss sich vorher per Mobility-Key registrieren lassen und 1,50 Euro für 24 Stunden Parkzeit zahlen. Trotzdem wird das System ausgebaut. Die jüngste Bike-Station entsteht gerade auf dem neuen Premiumfußweg Jakobstraße in der Nähe des Wehrhaften Schmieds. Der schwarze Container sieht dabei alles andere als Premium aus… Vorfahrt fürs Fahrrad: Bis 2027 wird die Infrastruktur massiv ausgebaut.

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