42 | BAD AACHEN 01/26 IMMOBILIEN-SPEZIAL Wenn die Heizung überholt werden muss, stehen Immobilienbesitzer vor der Frage, welches System für ihr Eigentum auf lange Sicht geeignet ist. Diplom-Ingenieur Michael Stephan ist unabhängiger Experte für Gebäudeenergie bei altbau plus e. V. und weiß Rat. Herr Stephan, noch immer werden erstaunlich viele Gasheizungen neu eingebaut, obwohl es sinnvolle Alternativen gibt. Warum ist das so? Was jahrelang gut funktioniert hat, streifen wir ungern ab. Unterstützt wird das durch Medienberichte, die sagen, dass Wärmepumpen nicht in jedem Haus funktionieren und eine Fußbodenheizung vorhanden sein muss. Das ist aber längst nicht mehr so. Die Technologie hat sich rapide entwickelt. Und Unsicherheit ist ein Faktor. Wird die Energiewende womöglich wieder infrage gestellt? Aber nein, das ist nicht zu erwarten: Europaweit stehen bei der Neuinstallation von Wärmepumpen nur Ungarn und Großbritannien schlechter da als Deutschland. Alle anderen Europäer sind zum Teil deutlich voraus und werden das Rad nicht mehr zurückdrehen. Neue Heizung nötig? Was man bei der Entscheidung für eine neue Heizanlage im Blick haben sollte Ist der Einbau einer neuen Gasheizung denn überhaupt wirtschaftlich? Eine neue Heizung sollte mindestens 20 Jahre funktionieren. Schauen wir uns mal an, was in diesem Zeitraum, also bis 2045, passiert: Ab 2045 dürfen definitiv keine Öl- oder Gasheizungen mehr betrieben werden. Ab 2029 muss Erdgas sukzessive mit erneuerbaren Anteilen – z. B. Biogas – vermischt werden. Verantwortlich dafür sind die Immobilieneigentümer*innen, nicht der Energieversorger. Das Gasnetz muss bis 2045 in Betrieb gehalten werden, obwohl immer weniger Haushalte angeschlossen sind. Die Netzentgelte werden also zwangsläufig steigen. Das wird auf den Gaspreis aufgeschlagen. Die CO2-Umlage wird steigen und ebenfalls den Gaspreis erhöhen. Die meisten Hersteller sind auf Wärmepumpen umgestiegen. Die Produktion von Gasheizungen geht immer weiter zurück. Eine Weiterentwicklung der Technologie findet nicht mehr statt. Das hat auch Auswirkungen auf die Ersatzteilversorgung. Wie werden sich die Preise für Gasimporte entwickeln? Das ist ungewiss. Aber auch hier kann man von einer Steigerung ausgehen. Insbesondere da der Anteil von teurem Frackinggas zunehmen wird. An Wertsteigerung der Immobilie denken Das heißt für den Wert der Immobilie? Käufer suchen nach Gebäuden, die fit für die Zukunft sind. Was ist, wenn ich meine Heizung zeitnah sanieren muss, aber der Fernwärmeanschluss erst in ein, zwei Jahren kommt? Die STAWAG bietet als Wärmenetzbetreiber Lösungen an, die Zeit bis zum Fernwärmeanschluss zu überbrücken, etwa mit einer Mietheizung. Und wenn die Immobilie in einem Gebiet liegt, für das selbst langfristig kein Fernwärmeanschluss vorgesehen ist? Dann kann man sich z. B. mit den Nachbarn zusammentun und prüfen, ob ein Nahwärmenetz infrage kommt. Interessenten können sich gerne zur Beratung an uns wenden, natürlich auch zum Thema individuelle Wärmepumpe. Foto: altbau plus/Justus Osterloh BERATUNG Komplexe Fragen? Hilfreiche Antworten: Bei folgenden Anlaufstellen werden Sie unabhängig beraten und an die zuständigen Ansprechpartner*innen vermittelt. Auch bei Beratungsbedarf für Lösungen zur Versorgung mehrerer Gebäude. Vereinbaren Sie einen Termin! altbau plus AachenMünchener-Platz 5, 52064 Aachen Telefon: 0241/413888-0 Mo. & Mi., 10 bis 13 Uhr, Di. & Do., 14 bis 17 Uhr, sowie nach Vereinbarung www.altbauplus.info Verbraucherzentrale NRW / Beratungsstelle Aachen AachenMünchener-Platz 6, 52064 Aachen Telefon: 0241/463026-12 Mo. & Fr., 9 bis 13 Uhr, Di. & Do., 13 bis 17 Uhr www.verbraucherzentrale.nrw/beratungsstellen/aachen effeff.ac Energieberatung AachenMünchener-Platz 4, 52064 Aachen Telefon: 0241/990013-0 Di., Mi. & Do., 9 bis 16 Uhr www.effeff.ac Fernwärme Beim Thema Fernwärme ist die STAWAG in allen Fragen Ansprechpartnerin. Mehr: www.stawag.de/produkte/waerme/fernwaerme KOMMUNALE WÄRMEPLANUNG Alle Städte in Deutschland, die mehr als 100000 Einwohner haben, sind bis Mitte 2026 zur Umsetzung einer kommunalen Wärmeplanung gesetzlich verpflichtet. Also auch Aachen. Der Hintergrund: Heizen und Warmwasser sorgen für einen Großteil des schädlichen CO2-Ausstoßes. Daher soll die Wärmeversorgung klimafreundlich umgebaut werden. Außerdem ist es sinnvoll, unabhängiger von der Versorgung mit Erdgas oder -öl aus anderen Ländern zu werden. Die kommunale Wärmeplanung ist die Grundlage dafür. Den Aachener Wärmeplan finden Sie hier – auch als Download: www.aachen.de/waermeplanung
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