20 | BAD AACHEN 02/26 „ KULTUR Der Roman von Wolfgang Herrndorf ist eine packende Geschichte über Freundschaft und Erwachsenwerden, über den Mut, gegen Konventionen und Erwartungen zu handeln, und über die Suche nach Freiheit. Von Sabine Rother Gib mir mal dein Handy!“ Maik reicht es dem Freund Andrej, genannt Tschick, und der wirft das Telefon – zack – aus dem Fenster des fahrenden Autos: Schluss mit SMS, Fußballergebnissen oder Anrufen. Es ist eine Szene, die Tom Hirtz, Leiter des DAS DA THEATERs Aachen, bereits im Roman überrascht und amüsiert hat. Als er die Bühnenfassung von Robert Koall liest, die bereits kurz nach dem 2010 erschienenen Roman Tschick von Wolfgang Herrndorf (1965– 2013) im Schauspiel Dresden ihre Uraufführung hatte, ist er überzeugt, dass die Geschichte auf die DAS-DA-Bühne gehört. Es geht um den 14-jährigen Maik aus einem wohlhabenden, aber zerrütteten Elternhaus und um den rebellischen Tschick (eigentlich Andrej Tschichatschow) aus Russland, der viel durchgemacht hat und aus schwierigen Verhältnissen stammt. Die Mitschüler verbindet eine ungewöhnliche Freundschaft. Am Donnerstag, 26. Februar, ist Premiere. Maik und Tschick reißen aus, fahren mit einem klapprigen Lada los und lernen hautnah, was im Leben zählt – Nähe, Hilfsbereitschaft, echte Freundschaft, vorurteilsfreier Umgang miteinander. „Die Literaturform des Entwicklungsromans wird von Herrndorf genutzt, um eine gegenwärtige Geschichte mit Witz und Tiefe zu erzählen“, betont Hirtz, der die Regie übernimmt. Dabei wird die Bühne (Frank Rommerskirchen/Judith Meyer) zur Welt der beiden Teenager, in der sie prägende Erfahrungen sammeln. Erfolgsroman und Kinohit Die Fantasie des Publikums ist gefragt. Hirtz mag es pur, ohne technische Spielereien, obwohl die Geschichte ja bereits 2016 durch Fatih Akin ein Kinoerfolg geworden ist. „Wir brauchen keine Videos oder Einblendungen“, betont er: Zwei Lichter und ein Rad genügen dem fünfköpfigen Ensemble etwa, um ein Auto zu fahren, ein Sprungbrett wird zum Steg am See. „Das Stück beginnt am Pool der reichen Familie, hellblaue Kacheln, schönes Ambiente“, verrät Hirtz. „Mit jeder Szene verwandelt sich die Bühne, ich setze dabei auf die Bilder im Kopf.“ Dass Maiks Mutter im Alkoholrausch alle möglichen Möbel in den Pool wirft, ist ein guter Trick, denn nach und nach möblieren diese Sachen die Szenen. Tschick und Maik kommen aus zwei völlig unterschiedlichen Lebenswelten. Gemeinsam durchlaufen sie eine Veränderung, entdecken einander und ihre Mitmenschen. Stückautor Robert Koall habe sich dabei an die Sprache des Schriftstellers Herrndorf im Roman gehalten, versichert der Regisseur. „Es ist Jugendsprache ohne Anbiederei und gleichzeitig richtig gute Literatur“, sagt Tom Hirtz. Geschickt sind in Tschick Gedanken eingebaut, die wiederum Motive aus anderen Werken, vielleicht sogar romantischen Märchen, ironisch aufgreifen. „Da gibt es ein Fläschchen, das die beiden bekommen, ein Zaubertrunk heißt es, der sie in einer schlimmen Situation retten könne“, erzählt Hirtz. Was tun sie: Das Fläschchen, dessen Inhalt heftig stinkt, wird weggeworfen – wie das Handy. Nach und nach erfährt man, wie nah der seelisch vernachlässigte Maik dem Jungen aus Russland ist, der sich früh allein durchs Leben geschlagen hat. Die beiden lernen mit Isa, einem Mädchen, das auf einer Müllkippe lebt, erste Liebe kennen, erkunden die tiefe Melancholie verlassener Braunkohleabbaugebiete, wo man das Leben einfach weggebaggert hat. „Sie erfahren, dass Leute, die ihnen im ersten Moment verdächtig oder unfreundlich erscheinen, nett und fürsorglich sein können“, denkt Tom Hirtz an Vorurteile, Toleranz und Akzeptanz. „In zahlreichen Situationen werden große Themen lebensnah“, beschreibt der Regisseur, wie Herrndorff die unvermindert brisanten Probleme aller Jugendlichen bündelt. Der Stoff will zwei Außenseiter zeigen, die mit dem Blick auf das reale Leben gemeinsam den Blick auf sich selbst verändern. Wie kann ein erwachsenes Ensemble das umsetzen? „Wir haben zum Glück ein junges Ensemble. Für unsere Schauspielerinnen und Schauspieler ist die Lebenswelt der Jugendlichen noch so nah, dass sie problemlos in die Rollen schlüpfen können“, sagt Tom Hirtz. So suchen im Stück Dennis Papst als Tschick und Jan Fritz Meier als Maik das Abenteuer Leben – die Gäste im DAS DA THEATER sind herzlich eingeladen, sie dabei zu begleiten! Lädt ein, dem neuen Schauspiel ab Ende Februar zu folgen: Plakatmotiv. Foto: DAS DA THEATER ROADMOVIE MIT MEHRWERT Das Stück Tschick von Wolfgang Herrndorf in der Bühnenfassung von Robert Koall feiert am Donnerstag, 26. Februar, 20 Uhr, Premiere im DAS DA THEATER Aachen an der Liebigstraße 9. Schulen können eine Vorstellung ab Klasse 7 buchen. www.dasda.de/tschick Tschick im DAS DA THEATER
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