20 | BAD AACHEN 04/26 KULTUR Der Mensch hinter der Legende Das Grenzlandtheater Aachen widmet Freddie Mercury im Theaterzelt eine musikalische Hommage – und rückt dabei auch die Weggefährten des Queen-Sängers in den Mittelpunkt. Von Sabine Rother Wer waren diese Menschen, die ihn liebten, verehrten, seine Exzentrik ertrugen, ihn aber auch als liebevollen Partner erlebten und meist im Dunkel hinter dem grandiosen Freddie Mercury blieben? Der Frontmann der Formation Queen war ein Sänger, Komponist und außergewöhnlicher Mensch, der Musikgeschichte schrieb: genial als Komponist, hochmusikalisch, privat eher bescheiden, sogar unsicher. Unter dem Motto Show Must Go On – Tribute to Freddie Mercury inszeniert Ingmar Otto, Intendant des Grenzlandtheaters Aachen, das von ihm geschriebene Musical im Theaterzelt, das neben der Eissporthalle (100,5 Arena) für zirzensisches Theaterflair sorgt. Erneut bietet das Casselli-Zelt Platz für 380 Menschen, Bühnentechnik und Heizung, falls es kalt werden sollte. Freddie Mercury – geboren 1946 als Farrokh Bulsara auf Sansibar, Sohn indischer Einwanderer, gestorben 1991 im Alter von 45 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids – steht im Mittelpunkt. „Ich möchte von diesem Lebensweg erzählen, ihn mit den Augen der so unterschiedlichen Menschen aufleben lassen, die ihm wichtig waren“, betont Otto. Die Story des Musicals gestaltet er klar und hält sich an historische Fakten. „Niemand weiß genau, ob Mercury irgendwo ein Grab hat, ob seine Asche nach seinem Tod verstreut wurde – und wenn ja, wo“, sagt der Autor und Regisseur. Sein Kunstgriff: Ein junger Mann – Frederik –, gespielt von Jurgen Stein, wird mit den Recherchen beauftragt. Er verwandelt sich mehr und mehr in Freddie Mercury, singt seine Songs, agiert. Es ist das deutsche Bühnendebüt des Niederländers, der als Leadsänger von Magnifico, the Belgian Queen Experience große Nähe mitbringt. Die Songs spielen eine enorme Rolle, kommentieren Stationen und Situationen im Leben von Freddie Mercury. „Es sind großartige Kompositionen, die Opernqualität haben“, versichert Sebastian Müller, musikalischer Leiter der Produktion, und er verrät: „Was unser Ensemble live singt, haben Queen oft nur im Studio eingespielt.“ Zusammen mit Mathias Brede (Klavier), Lisa Türk (Schlagzeug), Michael Lohmann (Gitarre) und Martin Löhrer (Bass) als Band erklingt diese Musik live im Theaterzelt: Bohemian Rhapsody, We Will Rock You oder Bicycle Race. Auch Mary Austin, Freddies Freundin, spielt eine berührende Rolle: „Sie lebte mit ihm in London und hielt auch nach seinem Outing zu ihm“, sagt Schauspielerin Nina Links. Musik & Mercury-Moves Oft wissen selbst Fans der so hervorstechenden Rockmusik der 1970er- und 1980er-Jahre gar nicht, wer alles zum damaligen Leben von Mercury und Queen gehörte. Da ist zum Beispiel die Zeit von 1979 bis 1985, als Mercury München als Hauptwohnsitz wählte und dort die österreichische Schauspielerin Barbara Valentin kennenlernte und mit ihr die Münchner Schwulenszene im Glockenbachviertel entdeckte. Nicole Rößler übernimmt im Zelt diese Rolle, und sie hat bereits viel Queen-Erfahrung: „Ich konnte bei der deutschen Erstaufführung des Queen-Musicals We Will Rock You in Köln mitwirken.“ Und da sind noch Fehmi Göklu als Peter Freestone, der zwölf Jahre lang (1979–1991) Freddie Mercurys Assistent, Vertrauter, Haushälter und zuletzt Pfleger war. Michael Kargus spielt Jim Hutton, Mercurys Lebensgefährten, der in dessen Anwesen Garden Lodge in Kensington einzog und den Sterbenden begleitete. So entwickelt Ingmar Otto ein Geflecht, das den Künstler in all seinen Facetten zeigt und manches erklärt – etwa die Bühnenoutfits vom Königsmantel bis zum schwarzweißen Domino-Jumpsuit oder – unvergessen – das Video zu I Want to Break Free, in dem Mercury als sexy Hausfrau mit Leder-Minirock auftritt. Die meisten Kostüme hat Mercury, der von 1966 bis 1969 Kunststudent am Ealing College of Art in London war, eigenhändig gestaltet. Für Kostümbildner Florian Angerer eine lohnende Aufgabe. Bühnenbildnerin Lena Sofuoglu verwandelt die Zeltarena in eine Queen-Welt, Choreograf Patrick Cambiaghi-Nitsche bringt alle auf die Spur der typischen Moves. Das Musical zeigt eben nicht nur den Mythos Freddie Mercury, sondern auch den und die Menschen dahinter – ganz im Sinne des Mottos: Show Must Go On. Show Must Go On feiert am Samstag, 11. April, 20 Uhr, Premiere im Theaterzelt, Hubert-Wienen-Straße 8, Vorstellungen bis 10. Mai. Tickets via Tel.: 0241/4746111 oder www.grenzlandtheater.de. AUF DER BÜHNE: SCHWARZE KOMÖDIE Neben der Show im Theaterzelt bringt das Grenzlandtheater eine schwarze Komödie voller Witz, geschliffener Sprache und nachdenklicher Untertöne im Haus selbst auf die Bühne: Einszweiundzwanzig vor dem Ende von Matthieu Delaporte, bekannt unter anderem durch Der Vorname. Premiere ist am Samstag, 25. April, 20 Uhr. Regie führt Anja Junski, Dramaturgin des Grenzlandtheaters. Die Geschichte beginnt skurril: Bernhard will sich töten – da klingelt es an der Tür. Die Person mit der Waffe ist der Tod, hat sich aber nur in der Etage geirrt. Es folgt ein Dialog über die Frage, ob das Leben wirklich aussichtslos ist. www.grenzlandtheater.de
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