22 | BAD AACHEN 07/26 SPORT Ja, es gibt sie noch, diese Geschichten, von denen man gerne sagt: Das ist ja fast zu schön, um wahr zu sein! Aber diese Geschichte hier ist wahr. Und ja, auch so richtig schön. Beinahe romantisch – bei allem sportlichen Erfolg: Nun feiert das Kurhaus-Lambertz-Team quasi Jubiläum – 30 Jahre Profitennis auf höchstem Niveau. Denn der TK stieg 1995 in die 2. Bundesliga auf, ließ nach acht tollen Jahren den nächsten Aufstieg folgen und wurde alsbald Deutscher Vizemeister. Was dann folgte, waren über 20 Jahre echte Elite im bundesdeutschen Tennis, nicht weniger als fünf Deutsche Meisterschaften. Und natürlich weitere Vizetitel. Somit standen wir als Sportstadt Aachen im Durchschnitt in der Hälfte dieser Jahre unter den Top 2 der Bundesliga! Was für eine Erfolgsgeschichte, die aber vielleicht noch nie wirklich laut genug erzählt wurde. „Das ist schon etwas ganz Besonderes, mit einer solchen Konstanz diese Top-Ergebnisse geliefert zu haben“, schaut der Ermöglicher all dessen in seiner ihm eigenen, ruhigen, aber doch auch unternehmerisch klaren Sprache zurück: Lambertz-Eigner Dr. Hermann Bühlbecker, der bis heute noch jede Woche selbst im Kurpark Tennis spielt. Zuletzt gar mit Bundesliga-Neuzugang Alex Barrena aus Argentinien, dem der Chef persönlich die traumhafte Anlage oberhalb von Kurhaus und Carolus Thermen zeigte. „Und von unserer beliebten Kaiserstadt war unser Gast aus Südamerika ebenso begeistert“, ergänzt Kurhaus-Präsident Markus Winkler strahlend. So weit, so toll. Ausrufezeichen! Sportlich nicht weniger als 1A. In Deutschland absolute Spitze: unsere Tennisstadt Aachen. Die ja zudem mit Blau-Weiß, Grün-Weiß und dem PTSV noch mindestens drei weitere richtig große Clubs hat, die in der Oberliga aufwärts vertreten sind. Aber es ist auch noch romantisch, fast zu schön, um wahr zu sein: „Unser Gönner und Förderer Dr. Hermann Bühlbecker ist als Kind auf dieser Anlage groß geworden“, stöbert Teamchef Alexander Legsding in den Klub-Erinnerungen. Und zwar seit den 1970ern. Hermann Bühlbecker Senior war seinerzeit Präsident und baute das bis heute stilprägende Klubhaus, Gattin Rosemarie leistete fast ein halbes Jahrhundert Vorstandsarbeit. Geht es familiärer? Nein. Fast – pardon dafür – kitschig schön mutet all das an. Zumindest aber doch wundersam, wenn man die Bescheidenheit im Klub kennenlernen durfte und darf. Da ist nichts Protziges, sondern gemessen an anderen Tennisanlagen eher etwas Heimeliges, schlicht Charmantes. Leistungssport nahbar & familiär Wenn man als Zuschauer dem leisen Plopp, Plopp, Tock, Tock der Ballgeräusche folgt. Wenn man den leichten Hang hinaufsteigt, von der Monheimsallee kommend, vom Quellenhof und Eurogress her oder von den Thermen. Dann steigt auch der Geräuschpegel des Applauses, fast wie der Dampf über den Außenbecken der Bäder. Der bald, manchmal rhythmisch gar, auch das bunte Zwitschern der Vögel übertönt. Und dann steht man dort – am so traditionsreichen Center-Court. Wo schon Top-Konkurrenten wie Blau-Weiß Halle entzaubert wurden, als Gerry Weber noch potenter Mäzen war. Da jubelten 1800 Öcher, dass es manchem Gast aus Ostwestfalen wie ein emotionaler Vulkanausbruch vorkam. Aber hier ist Aachen. Hier ist traditionell der Teamgeist die Nummer 1. Weltweit anerkannte Stars kloppen sich die Filzbälle krachend um die Ohren, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. „Nun ja“, erklärt Legsding, der jedes Jahr aufs Neue eine im wahrsten Sinne des Wortes schlagkräftige Mannschaft zusammenstellt, „wir hatten ja viele Jahre große Teile des deutschen Davis-Cup-Teams in unseren Reihen.“ Wow, denkt man dann, gerade als Tennisfan. Und stellt sich die Frage: „Wieso bin ich eigentlich nicht bei jedem Heimspiel dabei?“ Ich, der Hobbyspieler. Oder ich, der TV-Fan von Alcaraz, Djokovic, Sinner und Zverev. „Gerne“, lacht Präsident Markus Winkler, „bei uns ist für alle Gemeinsam stark: Zum Jubiläum wird auf Erfolg gesetzt. Fotos: TKK TEAMgeist & Tradition Aachener Profitennis beim TK Kurhaus im städtischen Kurpark ist seit genau 30 Jahren echt spitze! Tennisreporter und Historiker Stephan Kaußen gratuliert mit BAD AACHEN.
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