BAD AACHEN 09/2026

28 | BAD AACHEN 09/26 KULTUR Nach 15 Jahren verlässt Tobias Steffen das DAS DA THEATER. In seiner letzten Spielzeit übernimmt er mit Die Känguru-Chroniken noch einmal eine besondere Aufgabe. Sabine Rother hat ihn getroffen. Tobias Steffen strahlt Zuversicht aus. Seit 15 Jahren steht er als Schauspieler im Ensemble des DAS DA THEATERs auf der Bühne. Nun folgt er einem Weg, der bei näherem Hinsehen eine Fortführung seiner Leidenschaft ist: etwas zu bewirken, Menschen zum Mitmachen zu bewegen und sie zu begeistern. Bevor er das Theater verlässt, wartet in der Spielzeit 2026/2027 eine besondere Aufgabe auf ihn: In der szenischen Lesung Die Känguru-Chroniken nach Marc-Uwe Kling stellt Steffen seine Wandlungsfähigkeit ins Zentrum eines Abends voller Sprachwitz, Gesellschaftskritik und absurder Wortgefechte. Ein kommunistisches Känguru zieht bei einem Kleinkünstler ein, hört Nirvana, liebt politische Diskussionen und bringt das Leben seines Mitbewohners gründlich durcheinander. Im forum M der Mayerschen Buchhandlung gibt Steffen den beiden ungleichen Figuren Stimme, Tempo und Haltung. Sie philosophieren über die großen Fragen des Lebens: Lässt sich die Essenz von Hegels Gesamtwerk in einer SMS zusammenfassen? Ist das Liegen in einer Hängematte bereits passiver Widerstand? Und wer ist besser: Bud Spencer oder Terence Hill? Die Produktion passt zu einem Schauspieler, dessen Vielseitigkeit die Arbeit des Theaters über viele Jahre geprägt hat. Im Mittelpunkt stehen Steffen, seine Stimme und seine Fähigkeit, allein mit Sprache unterschiedliche Charaktere und Situationen entstehen zu lassen. Vom Schauspieler zum Sportmanager Seit der Spielzeit 2011/2012 steht Tobias Steffen in DAS-DA- Produktionen auf der Bühne – zuerst in Lutz Hübners Stück Die Firma dankt. Ein Aushang an seiner Schauspielschule führte ihn damals zum Theater, wo er mit einer Szene aus Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame vorsprach. „Ein echtes Sprungbrett für mich“, sagt er heute. In insgesamt 47 Rollen ist aus dem Viersener Schüler, der in einer Theater-AG spielte, rappte und in einer Band am Schlagzeug saß, ein vielseitiger Darsteller geworden. Die künstlerischen Leiter Tom Hirtz und Maren Dupont haben ihn in immer neuen Gestalten erlebt und seine schauspielerischen Möglichkeiten gemeinsam mit ihm ausgelotet. Das Miteinander bei der Theaterarbeit hat Steffen geprägt: Respekt, Hilfsbereitschaft, gute Vorbereitung, Durchhaltevermögen und Selbstbewusstsein. Es sind Eigenschaften, die auch in seinem neuen Beruf eine wichtige Rolle spielen werden. Aufgewachsen in Viersen, entdeckte Steffen schon früh seine Leidenschaft für die Bühne und absolvierte später eine Schauspielausbildung an der Athanor Akademie in Burghausen. Die Begeisterung, Menschen zu erreichen und zu begeistern, bleibt ihm auch nach dem Abschied vom Theater erhalten – sie bekommt lediglich eine andere Form. „Ich arbeite ja schon fast zehn Jahre als Personal Trainer“, berichtet der sportliche Mime. Inzwischen hat er sich an der Deutschen Sportakademie in Köln zum Sportmanager weitergebildet. Künftig möchte er seine Erfahrungen aus Sport, Training und Management verbinden. Festgelegt hat er sich noch nicht – er ist offen für das, was kommt. Zu seiner Entscheidung, die Bühne zu verlassen, gehören auch Veränderungen im privaten Leben. Durch das Theater lernte Steffen seine Frau Ina kennen, mit der er drei Kinder hat. „Auch deshalb wird es Zeit für Veränderungen“, sagt er. Seine Bühnenbilanz kann sich sehen lassen: 17 Schauspiele, zwölf Theaterdinner, 14 Musicals, drei Kinderstücke und eine szenische Lesung. Dahinter stehen ungezählte Erfahrungen und intensive Gefühle, die Steffen in seinen neuen Lebensabschnitt mitnimmt. Er spielte Liebhaber und Mörder, stand mit Langhaarperücke auf der Bühne und ließ sich für die Krimikomödie Doppeltüren sogar eine Glatze rasieren. Einige Produktionen haben ihn weit über die jeweiligen Aufführungen hinaus begleitet. Das Musical Träume aus Licht war für den Vielseitigen eine Gelegenheit, neue Seiten an sich zu entdecken. Besonders nachhaltig beeindruckte ihn danach Der gute Tod von Wannie de Wijn aus der Spielzeit 2012/2013. Einen Moment hat Steffen bis heute nicht vergessen: „Am Ende herrschte zwei Minuten lang Stille. Die Zuschauer waren so berührt, dass sie nicht sofort applaudieren konnten. Das war bewegend.“ Auch Macho Man von Moritz Netenjakob wurde für ihn zu einer wichtigen Station. In dem Ein-Personen-Stück konnte Steffen sein Können ausbauen und sein Durchhaltevermögen unter Beweis stellen. Trotz aller Erfahrung gehören Nervosität und die Angst vor einem Blackout zum Schauspielberuf. „Selbstvertrauen hilft“, hat Steffen deshalb immer wieder jungen Kollegen vermittelt. Im Ensemble war er ein erfahrener Ansprechpartner – „so ein bisschen wie der Kapitän einer Fußballmannschaft“, wie er lächelnd sagt. In seiner letzten Spielzeit ist er im Theaterdinner Der Boss und in der Satire Putsch zu erleben. Und eben in den Känguru-Chroniken. Die szenische Lesung im forum M passt besonders gut zu seinem Abschied: politisch, komisch und sprachlich schnell. Tobias Steffen blickt ohne Wehmut und Angst auf das, was nach der Bühne kommt. Den passenden Satz dazu lieferten seine Eltern bereits, als er sich einst entschloss, doch Schauspieler zu werden: „Der Tobi ist eben so.“ DIE KÄNGURU-CHRONIKEN Die szenische Lesung nach dem Bestseller von Marc-Uwe Kling feiert am Freitag, 11. September, 20 Uhr, Premiere. Tobias Steffen tritt für das DAS DA THEATER im forum M der Mayerschen Buchhandlung, Buchkremerstraße 1–7, auf. Vorstellungen sind bis zum 1. November geplant. Karten gibt es via DAS DA THEATER. Auf S. 52 verlosen wir Tickets für die letzte Vorstellung von Tschick. www.dasda.de Abschied von der Bühne Tobias Steffen: neue Wege. Foto: Nico Kleemann

RkJQdWJsaXNoZXIy MTM5Mjg=