4 | BAD AACHEN 09/26 WELTERBE Hämmer schlagen auf Sandstein, feiner Steinstaub liegt in der Luft – mitten auf dem Katschhof wird jahrhundertealte Handwerkskunst lebendig. In der Jungen Dombauhütte fertigen junge Steinmetzgesellinnen und -gesellen neue Fialen für die Restaurierung der Anna- und Matthiaskapelle des Aachener Doms. Das vom KarlsvereinDombauverein Aachen unterstützte Projekt macht traditionelles Steinmetzhandwerk für Besucherinnen und Besucher unmittelbar erlebbar. Interessierte wie Passanten können die Arbeiten auf dem Hof der Dombauhütte am Katschhof aus nächster Nähe verfolgen und erleben, wie tradiertes Können die Zukunft eines Weltkulturerbes sichert. Seit mehr als 1200 Jahren prägen Generationen von Handwerkerinnen und Handwerkern die Bau- und Restaurierungsgeschichte des Aachener Doms. Auf dem Katschhof wird diese Tradition heute besonders anschaulich: Hier lässt sich eindrucksvoll nachvollziehen, mit welcher Präzision, welchem handwerklichen Geschick und welchem Fachwissen neue Bauzierelemente für die gotischen Kapellen entstehen. Bauhütte live Unter Anleitung erfahrener Fachkräfte der Dombauhütte fertigen junge Steinmetzgesellinnen und -gesellen Fialen – schlanke Ziertürmchen, die zu den charakteristischen Gestaltungselementen der gotischen Architektur gehören. Die neuen Werkstücke ersetzen stark geschädigte Originale und fügen sich später harmonisch in das historische Erscheinungsbild ein. Begleitet werden die Nachwuchshandwerker von Steinmetz und Bildhauer Berthold Welter, den Steinmetzmeistern der Dombauhütte Markus von den Driesch und Sebastian Kerridge sowie Dombaumeister Dr. Jan Richarz. Sie vermitteln nicht nur traditionelle Bearbeitungstechniken, sondern auch jenes Fachwissen, das für die Restaurierung historischer Bauwerke und bedeutender Kulturdenkmäler erforderlich ist. Mit ihrer Arbeit führt die Junge Dombauhütte eine über Jahrhunderte gewachsene Bauhüttentradition fort. Das Bauhüttenwesen wurde 2020 von der UNESCO in das Register guter Praxisbeispiele zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Seit dem Mittelalter geben erfahrene Handwerker ihr Wissen und ihre Fertigkeiten an die nächste Generation weiter – ein bewährtes Prinzip, das bis heute die hohe handwerkliche Qualität bei der Restaurierung bedeutender Kulturdenkmäler sichert. Verborgene Schäden erkennen Das Projekt ist Teil eines umfangreichen Restaurierungsvorhabens an den beiden gotischen Kapellen auf der Südseite des Doms. Erst bei den Untersuchungen vom Gerüst aus entdeckten die Fachleute Mängel, die vom Boden aus nicht sichtbar waren. Neben zahlreichen Rissen an den Fialen, die ihre Standsicherheit beeinträchtigten, zeigten sich auch Beschädigungen am Außenmauerwerk. Baldachine und architektonische Gliederungen der Figuren erwiesen sich zudem stellenweise als instabil, außerdem müssen die Bleiabdeckungen an der Traufe erneuert werden. Junge Handwerker in Aktion: Arbeit an den Fialen. Fotos: Dombauhütte Aachen/Alexander Müller Die Junge Dombauhütte macht jahrhundertealtes Steinmetzhandwerk erlebbar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Restaurierung des Aachener Doms. Stein auf Stein Zukunft sichern AB AUF DEN DOM: TURMBESTEIGUNG Parallel zum Europamarkt (s. S. 24) laden der Aktionskreis Aachener Dom und der Ehrendienst am 5. und 6. September wieder zur Turmbesteigung ein. 184 Stufen führen hinauf auf den westlichen Domturm, wo in rund 30 Metern Höhe ein beeindruckender Blick über die Altstadt und das bunte Treiben des Handwerkermarktes wartet. Auf dem Weg nach oben kann zudem der sonst nur bei Führungen zugängliche Thron Karls des Großen besichtigt werden. Die Besteigung ist am Samstag von 11.30 bis 18 Uhr und am Sonntag von 13 bis 17 Uhr möglich, letzter Einlass ist jeweils 20 Minuten vor Schluss. Die Erlöse kommen der Erhaltung des Doms und dem Förderverein der Dommusik zugute. www.aachenerdom.de
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