8 | BAD AACHEN 09/26 Zu einer jungen Stadt wie Aachen passt ein junger Generalmusikdirektor.“ Levente Török lächelt. Doch das ist nicht der einzige Grund, warum der 33-jährige Ungar und die Kaiserstadt so gut zusammenpassen. Der neue Generalmusikdirektor (GMD) übernimmt ein Sinfonieorchester mit langer Tradition und begegnet dieser Aufgabe mit „Mut und Demut“. Diese für ihn „entzückende“ deutsche Formulierung beschreibe den „schmalen Grat, auf dem man sich bewegt, um einem solchen Posten gerecht zu werden“. Und so hat Levente Török den ausbalancierten Anspruch, „ein möglichst bedeutender Meilenstein zwischen Ehedem und Zukunft sein zu dürfen“. Dass ihn sein Weg nach Aachen führte, fühlt sich für ihn wie eine Fügung an. Schon während des Auswahlverfahrens zog es ihn in die Ungarnkapelle am Dom, ein Symbol der Verbindung zwischen Aachen und Ungarn. „Ich kam dort zu ruhigen Minuten. Man könnte sagen: Das waren meine ersten Zuhause-Gefühl-Momente in dieser Stadt.“ Und wie möchte er die neue Heimat musikalisch prägen? „Meine Handschrift soll sich in der Arbeit zeigen.“ Ehrlichkeit, Leidenschaft und partnerschaftliches Miteinander sind ihm wichtig: „Ich erwarte individuelles Engagement für das Gemeinsame.“ Das Ziel: keine Perfektion, sondern „besondere Live-Momente schenken“. Unter dem Motto Von Legenden, Heldinnen und Helden warten große Werke und Emotionen auf das Publikum. Mit Vorfreude blickt der Mann, dessen Vorname selbst Held bedeutet, etwa auf Ravels Daphnis et Chloé, Verdis Requiem und hochkarätige Gäste. Als Teamplayer schließt er den Kreis: „Wenn Orchester, Chöre und Mitarbeitende diese anspruchsvolle Saison gemeinsam meistern, dann sind sie für mich nicht nur Heldinnen und Helden, sondern Legenden.“ Die Kraft der Musik soll Menschen über Grenzen und Generationen hinweg verbinden: „Ich möchte, dass sich jeder angesprochen fühlt und dass ich dabei nicht allzu leidenschaftlich ungarisch wirke.“ Von wegen! Aachen freut sich auf heldenhaft junge Musikerlebnisse mit ungarischem Feuer und ganz eigener musikalischer Handschrift. Üdvözöljük Aachenban! Willkommen in Aachen, Levente Török! cf Spüren Sie Lampenfieber vor Ihrem Amtsantritt in Aachen? Ich wurde hier vom ersten Tag an so herzlich empfangen, dass ich das Lampenfieber ziemlich schnell vergessen habe. Ich habe sogar oft das Gefühl, dass ich schon seit Jahren hier lebe und arbeite... Konnten Sie Stadt und Menschen schon kennenlernen? Die vitale und gleichzeitig entspannte Energie überrascht mich täglich. Das ist etwas, was ich bisher nur in mediterranen Ländern erlebt habe. Hinzu kommt die Offenheit der Öcher: Man entdeckt einen Laden, geht hinein und wird wie ein Stammkunde empfangen. Worauf freuen Sie sich persönlich am meisten? Mit meiner Frau die Lokale und Geschäfte der Stadt kennenzulernen, unsere Lieblingsorte zu finden und danach die ganze, spannende Gegend des Dreiländerecks zu erwandern. Das wird fantastisch! Sie kennen Pferd & Sinfonie. Scharren Sie schon mit den Hufen? Es ist großartig, dass die Aachener Ereignisse mittlerweile so sehr mit dem Theater und mit unserem Sinfonieorchester verbunden sind. Bei solchen Höhepunkten kann sich Aachen als vielfältige und lebendige Kulturstadt präsentieren. Ich freue mich sehr, einen Beitrag dazu leisten zu dürfen. Außerdem gehören Pferde zu meinen Lieblingstieren. Ich freue mich, sie von einer unbekannten Seite kennenzulernen. Gibt es ein Ritual, auf das Sie vor einem Konzert nie verzichten? Kurz vor dem Auftritt rufe ich meinen Vater an. Bei meinen allerersten Dirigierauftritten war er immer persönlich dabei. Später fehlte mir seine beruhigende Art, sodass ich ihn ganz spontan vor einer Vorstellung angerufen habe. Daraus ist eine Tradition geworden. Welches Fazit möchten Sie in fünf Jahren ziehen? Da würde ich einfach Kaiser Franz Joseph aus dem Weißen Rößl zitieren: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut.“ VORGESTELLT FRAGEBOGEN Geburtsdatum: 13. 4. 1993 Geburtsort: Budapest, Ungarn Familienstand: frisch verheiratet Beruf: Dirigent Hobbys: Fußball, Natur, Lesen 1. Sinfoniekonzert: 19. und 20. September Eurogress Aachen Levente Török Aachens neuer Taktgeber Junger Generalmusikdirektor zwischen Tradition, Zukunft & ungarischem Feuer. Foto: Matthias Baus „
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