Jahresbericht 2021

5 Vorwort Ukraine-Krieg, Corona-Pandemie, Inflation und rasant steigende Kreditzinsen. Selten war die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Perspektiven so groß wie derzeit. Als erstaunlich robust hat sich bisher der deutsche Wohnimmobilienmarkt erwiesen. Bisher sind keine Preiseinbrüche zu verzeichnen, allenfalls eine gewisse Preisberuhigung. Für Bau- und Kaufwillige heißt das: Sie müssen sich weiter nach der Decke strecken und viel Eigenkapital mitbringen, um sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen zu können. Ein knappes Angebot an Objekten (vor allem im Neubau), steigende Energiepreise, Material- und Handwerkermangel sowie steigende Finanzierungskosten drücken auf die Erschwinglichkeit von Wohneigentum. Für spürbare Entlastung in diesem Umfeld sorgen die Landesbausparkassen. Sie können vielen ihrer 7,5 Millionen bestehenden, aber auch neuen Kundinnen und Kunden mit zinsgünstigen Darlehen unter die Arme greifen. Die hohe Nachfrage nach langfristig abgesicherten Krediten prägte bereits das gute Geschäftsjahr 2021, in dem die LBS-Gruppe Bausparmittel in Höhe von 9,2 Milliarden Euro auszahlte. Im laufenden Jahr erleben die Landesbausparkassen einen Boom bei Bausparfinanzierungen. Der Grund liegt auf der Hand: Bauherren und Käufer wollen ihre Finanzierung vor dem Risiko weiter steigender Zinsen bestmöglich absichern. Sichere Eigenkapitalbildung gepaart mit dem Schutz vor dem Risiko steigender Zinsen – das ist die Kernidee des Bausparens, die jetzt eine Renaissance erlebt. Mit dem Ausstieg der EZB aus der Null- und Negativzinspolitik und den im Vorgriff bereits rapide angestiegenen Baugeldzinsen wird der Nutzen eines Bausparvertrages wieder sichtbar. Gleichzeitig – und das ist der berühmte Wermutstropfen – werden die Bausparkassen in ihren Möglichkeiten auch gebremst, Darlehen auszureichen. Aus Sorge vor kreditfinanzierten Preisblasen auf dem Immobilienmarkt hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) alle Kreditinstitute ausnahmslos mit „makroprudenziellen Maßnahmen“ belegt, die im Ergebnis dieDarlehensvergabe begrenzenund teurermachen. Dass die BaFin nicht bereit war, die Bausparkassen insbesondere vom sogenannten Systemrisikopuffer für Wohnimmobilienkredite auszunehmen, ist allenfalls aufsichtspolitisch nachvollziehbar. In der Sache verpasst die Aufsicht die Chance, das Bausparwesen noch intensiver für ihre eigenen Zwecke der Finanzmarktstabilität zu nutzen. Bausparfinanzierungen sind risikoarm und traditionell ein stabilisierendes Element im deutschen Wohnungsbaufinanzierungssystem. Wie wichtig gerade jetzt ein leistungsfähiger Kreditsektor ist, zeigt der Blick auf die wohnungs- und klimapolitische Agenda. Dort steht nicht nur das (inzwischen wohl unrealistische) Ziel von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr zur Entlastung des weiterhin angespannten Wohnungsmarktes, sondern auch die Generationenaufgabe, den Gebäudebestand in Deutschland in Richtung CO2-Neutralität zu modernisieren. Dem selbstgenutzten Wohneigentum kommt auf beiden Gebieten eine Schlüsselrolle zu. Obwohl die Menschen in den eigenen vier Wänden wohnen wollen, war die Wohneigentumsquote in Deutschland zuletzt sogar leicht rückläufig. Das kann nicht im Interesse des Staates sein, der sich aufgrund der demografischen Entwicklung beim Thema Alterssicherung immer größeren Lasten ausgesetzt sieht. Alle Empirie zeigt: Wer in jungen Jahren Wohneigentum erwirbt, baut erfolgreich Vermögen auf und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit später nicht den öffentlichen Kassen zur Last fallen. Der Staat sollte deshalb alles dafür tun, dass Erwerbshindernisse gesenkt werden. Dazu gehört neben einer Entlastung bei der Grunderwerbsteuer eine Nachfolgeregelung für das auslaufende Baukindergeld, mit der insbesondere das Eigenkapital gestärkt wird. Auch bei der Klimawende im Gebäudebestand können die selbstnutzenden Wohneigentümer eine treibende Kraft sein, wenn sie mit einem klugen Mix aus Fordern und Fördern mitgenommen werden. Von der Eigentumswohnung in der Stadt bis zum freistehenden Eigenheim auf dem Land – Millionen von Wohneigentümer mit passgenauen Beratungsangeboten zu erreichen, wird eine Herkulesaufgabe sein. Die Landesbausparkassen werden im Verbund mit den Sparkassen ihre flächendeckende Präsenz nutzen, um den Staat bei dieser Kraftanstrengung zu unterstützen. Jörg Münning Axel Guthmann Vorsitzender Verbandsdirektor Jörg Münning Axel Guthmann

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