BAD AACHEN 06-2018

28 | B AD A ACHEN 06/18 KULTUR Shakespeare goes Funfair Funfair ist der amerikanische Begriff für Kirmes. Ins Amerika der 1950er versetzt Regisseurin Maren Dupont die Handlung der Komödie „Viel Lärm um nichts“ in der DAS-DA-Inszenierung auf der Burg Frankenberg. J ubel, Trubel, Heiterkeit – und Viel Lärm um nichts: Der Kirmesplatz avanciert zum illustren Ort für eines der bekanntesten Verwechsel- spielchen aus der Feder des großen englischen Dramatikers William Shakespeare (1564–1616). Das DAS DA THEATER verwandelt in diesem Sommer die historische Burg Frankenberg in einen wunder- bar lauschig-launigen Jahrmarktsrummel der 1950er Jahre, mit Karussell, Schießbude, Hau den Lukas und Geisterbahn. Regisseurin Maren Dupont und Intendant Tom Hirtz verlegen die Handlung der spritzigen Komödie, die in Shakespeares Original im Italien des 16. Jahrhunderts angesiedelt ist, ins Amerika Mitte des 20. Jahrhunderts. Auch darüber hinaus erhält vieles den Anstrich der Moderne: Aus Claudio und Benedikt werden Clayton (gespielt von Maciej Bittner) und Ben (Mehdi Salim), Hero und Beatrice wechseln ihre Namen in Heaven (Regina Winter) und Becca (Angela Ahlheim). Andere Zeiten, andere Namen… Der Kunstgriff ist für die Regisseurin ein perfektes Mittel, um weg von der klassisch historischen Inszenierung zu kommen: „Shake- speares Zeiten sind für uns heute einfach sehr, sehr weit weg. Da sind die 1950er Jahre uns deutlich näher.“ Aber eben auch klassisch patriarchalisch geprägt und damit ideal, um als Tableau für die muntere Intrigenkomödie zu dienen. Da sind einerseits Clayton und Heaven, die sehr dem traditionellen Rollenbild ver- haftet sind – und sich darin auch wohl- fühlen. Ganz anders ticken Ben und Becca, die das jeweils andere Geschlecht verach- ten und sich auf einer sehr viel gleich- berechtigteren Ebene begegnen – und zunächst aus vollem Herzen hassen. „Ich finde es sehr spannend, die beiden so unterschiedlichen Paare gegenüber- zustellen“, sagt Dupont. In die Handlung selbst greift sie wenig ein: „Die Charaktere sind von Shakespeare einfach sehr gut gezeichnet, das muss so bleiben.“ Allerdings drückt sie sprichwörtlich aufs Gaspedal, um keine Längen entstehen zu lassen: „Im Original erstreckt sich die Handlung über neun Tage. Bei uns spielt sich alles in 90 Minuten ab. Alles geschieht in Echtzeit. Das tut dem Stück auch gut.“ Der Soundtrack zum Happy End Es geht also richtig rund auf dem Rummel, im Stück wie auch auf der Bühne selbst. Wer das DAS DA THEATER kennt, erkennt als Besucher schnell die eigene Handschrift wieder: „Wir haben Live- musik hineingenommen, um die verschiedenen Momente inszena- torisch zu unterstützen“, verrät Tom Hirtz. Wenn sich also (Achtung: Spoiler!) Clayton und Heaven endlich bekommen, läuft live auf der Bühne der Schmachtfetzen Only you von The Platters . „Das gibt den Schauspielern nochmals auf einer anderen Ebene eine spannende Ausdrucksmöglichkeit“, ist sich Maren Dupont sicher. Teil der DAS DA -Handschrift ist auch, dass nicht nur der Burghof als Bühne genutzt wird, sondern auch schon die Zeit der Wartenden draußen von Jongleuren, Akrobaten und Gauklern mit kleinen Späßen verkürzt wird. Elvis-Tolle und flotte Sprüche Innen sitzt das Publikum mittendrin statt nur am Rand: Jeder der rund 120 Zuschauerplätze pro Abend befindet sich mitten auf dem von Frank Rommerskirchen erdachten Jahrmarkt. Und die 1950er erwachen in den Details: Petticoat und Caprihosen hier, blau-weiße College- und schwarze Lederjacken dort, von der Pomade in der Elvis-Tolle gar nicht erst zu sprechen… Im Stück geht es um Freundschaft und Täuschung, um Liebe und Verrat. Drei Handlungsstränge greifen ineinander. Auf die Zuschauer warte ein durch und durch munterer Abend, verspricht Dupont: „Shakespeare war zu seiner Zeit durchaus frech, auch sprachlich. Heute empfindet man das so nicht mehr. Also sind wir mit unserer Inszenierung und der jugendlicheren Sprache wieder frecher.“ mow KARTEN: SCHNELL NOCH SICHERN Viel Lärm um nichts kam zuletzt vor 25 Jahren auf die Bühne der Burg Frankenberg, damals unter Regie von Tom Hirtz. In dieser Sommersaison ist die (ausverkaufte!) Premiere am Donnerstag, 21. Juni. Für einige der 40 Vorstellungen bis 5. August (Di. bis So., 21 Uhr) gibt es bereits keine oder nur noch wenige Karten, also schnell sein! Tickets im Vorverkauf sind an der Theaterkasse und im Buchladen Pontstraße 39 erhältlich. Außerdem kann es lohnen, an der Abendkasse nachzufragen – manchmal bleiben Plätze frei. Auf S. 33 verlost B AD A ACHEN zudem Karten! Telefon 02 41/16 16 88 · www.dasda.de Kirmes trifft Grease-Flair: Shakespeares Stoff bekommt einen neuen Anstrich. Fotos: Achim Bieler Führt Regie: Maren Dupont.

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