34 Reise, um uns zusammen in den Messetrubel zu werfen. Die „Spezi“ ist eine ganz spezielle Messe Jedes Jahr findet diese Spezialradmesse statt, bis 2019 in Germersheim in Rheinland-Pfalz, seit 2022 in Lauchringen in Südbaden und seit diesem Jahr auf dem Messegelände in Freiburg im Breisgau. Dort findet man Fahrräder, die so ganz und gar nicht der Urform eines normalen Fahrrads entsprechen. Man hat den Eindruck, die Ingenieure toben sich hier aus, um für alle Sonderbedürfnisse – auch für Behinderte – eine spezielle Lösung anbieten zu wollen. Hier sind alle namhaften Hersteller vertreten und die Auswahl ist riesig. Sollten wir dort etwa ein Spezialrad für unseren Interessenten finden? Sollten wir dort gar auf einen Hersteller treffen, der ein Fahrrad für unseren Individualfall entsprechend anpasst? Gestatten: Christian, ganz normal behindert „Mein Name ist Christian, ich kam im Jahre 1967 mit einer besonderen Form der Spastik auf die Welt. Für mich ist es wichtig, dass ich mein Leben weitestgehend selbständig bewältigen kann. Ich lebe zum Beispiel in einer ganz normalen 3-Zimmer-Wohnung. Ich bin auch schon mit meinem alten Liegedreirad allein von Euskirchen nach Hamburg gefahren, wohnte in einer Jugendherberge und habe einige Tage die Stadt erkundet. Das alte Fahrrad ist aber inzwischen verschlissen und ich bin auf der Suche nach etwas Neuem, eventuell mit Motorunterstützung. Das würde meinen Alltag sehr erleichtern und mein Leben bereichern. Ich träumte von einem geschlossenen, regendichten Fahrrad mit Halterung für meinen Rollator, und unter dem Boden zwei faltbare Rampenschienen, die man normalerweise für Rollstühle benutzt, um aus und ins Auto bzw. Bus und Bahn zu gelangen. Allerdings sind die Kabinenfahrräder alle so konzipiert, dass diese für eingeschränkte Menschen wie mich im alltäglichen Geschehen nicht händelbar sind.“ Vom Traum auf den Boden der Tatsachen Zwei Dinge passierten dann auf der Messe: Zum einen die Selbstfindung oder Selbsterkenntnis beim Probesitzen. Fühle ich mich wirklich wohl in oder auf dem Gefährt? Ein vollgekapseltes Rad ist natürlich schön bei Regen, aber was, wenn im Sommer die Sonne erbarmungslos auf die Plastikkugel knallt? Da käme man vom Regen in den Ofen. Kann ich mit einem breiten vierrädrigen Fahrrad überhaupt auf Radwegen unterwegs sein? Wo kann ich den Rollator befestigen, den ich beim Einkaufen benötige? Apropos Einkaufen: Wo kann ich die Taschen unterbringen? Und bei Radreisen, passt so ein Ding überhaupt in Bus oder Bahn? Wo bekomme ich Service, falls es mal Probleme mit der Technik gibt? Zum anderen dämmerte die Erkenntnis, dass es sich bei der „Spezi“ nicht ausschließlich um eine Messe für Behinderten-Fahrräder handelt und alle Berater uns mit offenen Armen Das „Cyclauto“, Gestaltung verschiebt Grenzen Der „Chevy“ als Pedalmobil, schick aber ungeeignet RAD IM ALLTAG
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