22 | BAD AACHEN 05/26 KULTUR Liebesblockbuster im Theater Gefühle, Leidenschaft und Gewalt treffen auf reale Geschichten aus der Gegenwart. Die Aachener Inszenierung von Romeo & Julia schlägt eine Brücke zwischen Bühne und Leben. Von Sabine Rother Sie gehen mit Herzblut ans Werk, wollen hinter das Phänomen von Liebe und Leidenschaft blicken und zugleich die tragischen Aspekte einer legendären Familienfehde aufzeigen: Für die Bühne des Theaters Aachen inszeniert Anaïs Durand-Mauptit William Shakespeares berühmte Liebestragödie Romeo & Julia. 2024 hat sie bereits den Roman Die Kunst der Freude von Goliarda Sapienza auf die Aachener Bühne gebracht. Premiere ist am Samstag, 16. Mai, um 19 Uhr im Großen Haus mit einem Bühnenbild von Hilke Fomferra, mit Kostümen von Mascha Schubert und Musik, die Malcolm Kemp (Gitarre) als musikalischer Leiter zusammen mit Moritz Schippers (Keyboard) und Samuel Reissen (Schlagzeug) für diese Inszenierung entwickelt hat. Das Regieteam nähert sich dem stets jung gebliebenen Stoff tatsächlich nicht nur blutvoll, sondern auch blutig: „Es beginnt mit einem hohen, klassischen Raum, der ganz weiß ist, stilvoll und edel“, verrät die Bühnenbildnerin. Doch im Laufe des Stücks werden die Wände vom Blut der Opfer rot, der Boden blutig sein und selbst die Kleider werden nicht verschont, wenn die handelnden Personen ihre Hände notdürftig daran abwischen. Klar, Theaterblut, und zwar solches, das sich (wie alle betonen) gut wieder aus- und abwaschen lässt, es bedeutet dennoch viel Arbeit für die verschiedenen Abteilungen wie Requisite oder Kostüm. Für das berühmte Schauspiel – uraufgeführt vermutlich 1595 in Shoreditch außerhalb von London – das seit Jahrhunderten Opernund Musicalkomponisten inspiriert, als Ballett tänzerisch interpretiert wird, Vorlage für Filme bietet und mehr, hat sich Anaïs DurandMauptit eine besondere Aachener Version überlegt. Mit Blick auf ein junges Liebespaar, das dem Hass zweier Familien zum Opfer fällt und dennoch versucht, seine Liebe zu leben, wird diese Inszenierung um den Aspekt heutiger Liebesrealitäten erweitert. Sechs Aachener Paare erzählen ihre persönlichen Liebesgeschichten und werden der Shakespeare-Handlung zugeordnet. Während Mascha Schubert die Schauspielerinnen und Schauspieler in weiße Kleidung mit unterschiedlichen Anspielungen auf die Entstehungszeit der Tragödie hüllt, treten diese Frauen und Männer im Alter zwischen 25 und 65 Jahren in Straßenkleidung auf. Texte müssen sie nicht sprechen – dafür sorgt die Tontechnik –, aber ein bisschen Theaterspielen gehört doch dazu. „Da gibt es etwa ein Paar, das sich in einer Yogastunde kennengelernt hat“, verrät die Regisseurin. „Beim Wiedersehen hatte er einen Blumenstrauß dabei, und sie fiel ihm um den Hals. Diese Szene spielen sie nach.“ Hoffnung & Humor Das Einbeziehen von Gegenwärtigem, den Blick auf Momente heutiger Liebe, empfindet Anaïs Durand-Mauptit als „befreiend für die Inszenierung“, in der sie sich dennoch Romantik und verspielte Ideen leistet – zum Beispiel die Wolke der Liebenden, die vom Schnürboden aus herabschwebt: nicht rosafarben, aber immerhin von innen leuchtend. Ihre Botschaft lautet: Die Hoffnung schwingt stets mit, sogar Humor ist in der Tragödie ein tragendes Element. Man bleibt dem Werk Shakespeares – in der Übersetzung von Marius von Mayenburg – bewusst verbunden. „Diese Fassung bewegt sich nah am Original, ist keine der gereimten Nachdichtungen“, versichert Dramaturgin Kerstin Grübmeyer, zugleich Leiterin des Schauspiels am Theater Aachen. „Ich empfinde sie als knackig, verständlich und flott.“ Wer möchte, kann das Original bei ausgewählten Vorstellungen in den eingeblendeten Übertiteln mitlesen. Teamwork: M. Schubert, K. Grübmeyer, A. Durand-Mauptit, H. Fomferra. Fotos: Theater Aachen
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