BAD AACHEN 05/2026

24 | BAD AACHEN 05/26 BRAUCHTUM Zum 105. Geburtstag des Stockpuppenensembles zeigt die Sparkasse Aachen eine große Ausstellung. Sie würdigt damit Geschichte, Figuren und Bühnenbilder des traditionsreichen Theaters. Von Sabine Mathieu Kaum jemand in Aachen ist so beliebt wie et Schängche. Seit 105 Jahren bezaubert der sympathische Holzkopf große und kleine Öcher, Mäddchere en Jonge, Fraulü en Mannslü! Schängche steht in seinem Theater in der Barockfabrik am Löhergraben natürlich nicht allein auf der Bühne. Er wird begleitet von zahlreichen Akteurinnen und Akteuren: seiner Ziehmutter Tant Hazzor (Herzader), seinen Freunden Veries (Xaverius) und Nieres (Werner), dem Öcher Stadtpoliss Noppeney, von et Jretche und natürlich von den bösen Gegenspielern, de Düvele Krippekratz und Pestelures. Dabei hat dr Schäng das eine oder andere durchaus mit dem kölschen Hänneschen gemein. Der Vorname: Johannes, im Französischen Jean, im Öcher Platt Schang, Koseform Schängche. Er hat keinen Familiennamen und auch keine Eltern. Der Öcher Schäng ist ein Öcher Duemjroef, wie er im Buche steht. Er ist doppelt so groß wie der kölsche Kollege und verkörpert in seiner Wandlungsfähigkeit durchaus unterschiedliche Rollen – als junger Held, Diener, Herzensbrecher und Retter in der Not. Aachener Brauchtum in Bestform Zum 100. Jubiläum der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche richtete der Kulturbetrieb der Stadt Aachen ein feines Fest im Alten Kurhaus aus. Eine öffentliche Feier konnte coronabedingt nicht stattfinden. Diese holt das Stockpuppenensemble zum 105. Geburtstag in diesem Jahr mit einer umfangreichen Ausstellung bei der Sparkasse Aachen am Elisenbrunnen (Friedrich-Wilhelm-Platz) nach. Norbert Laufs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Aachen und großer Fan der Stockpuppen, sagt dazu: „Öcher Schängche, das ist Brauchtum, das ist Öcher Platt, das ist Unterhaltung und das ist Aachen. Ein Besuch beim Schängche ist ein besonderes Erlebnis.“ In den vergangenen 105 Jahren haben Schängche und seine Freunde viel erlebt. Das Stockpuppentheater wurde 1921 als privates Figurentheater gegründet und spielte zunächst in der Maus am Münsterplatz. Bevor das Theater 1982 seine heutige Spielstätte in der Barockfabrik fand, war es an sieben verschiedenen Orten beheimatet, darunter auch an der Hotmannspief. Die Zeit des Nationalsozialismus überstanden der Schang und sing Frönnde unbehelligt. Die Stücke, die hauptsächlich Öcher Sagen und Legenden zum Thema hatten, galten als unpolitisch. Dennoch blieb die Katastrophe nicht aus: Im Juli 1944 wurde das Theater mit allen Puppen, Requisiten und Kulissen im Mittelstandshaus in der Wirichsbongardstraße während eines Bombenangriffs komplett zerstört. Aber schon kurz nach dem Krieg erwachten die Puppen zu neuem Leben. 1946 begannen sie zur Freude des Publikums wieder zu tanzen. Paul Schneeloch wurde der künstlerische Leiter, und die vorübergehende Heimat war der Lesesaal der Stadtbibliothek an der Peterstraße. 1952 kam das Theater in städtische Obhut und nennt sich seitdem Stadtpuppenbühne. Von 1963 bis 1989 übernahm Bühnenbildner Matthias Stevens die Leitung des Theaters. Seine Tochter, Steffi Diefenthal, hat den Anstoß zur aktuellen Ausstellung gegeben, und die heutige künstlerische Leiterin, Hanna Birmans (s. S. 8), hat das Thema aufgegriffen. Steffi Diefenthal weiß: „Mein Vater hat sich 60 Jahre lang für das Theater eingesetzt. Ich habe in seinem Nachlass einige Dinge gefunden, die wir in der Ausstellung zeigen. Seine Bühnenbilder für die traditionellen Stücke werden bis heute verwendet. Außerdem gibt es noch Plakate, die er entworfen hat.“ Mit dem Kundencenter der Sparkasse am Elisenbrunnen war schnell ein passender und publikumswirksamer Ort gefunden. Norbert Laufs freut sich auf diese sehenswerte Ausstellung: „105 Jahre Schängche sind etwas Besonderes. Da wir das 100. Jubiläum nicht gemeinsam feiern konnten, holen wir das jetzt sehr gerne in der Sparkasse nach.“ Die Ausstellung zum 105. Geburtstag der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche ist vom 29. Mai bis zum 12. Juni in der Sparkasse Aachen, Friedrich-Wilhelm-Platz 1–4, montags bis donnerstags von 9 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 13 Uhr zu sehen. Mehr unter: www.oecher-schaengche.de. STADTPUPPENBÜHNE: DER FREISCHÜTZ Der aue Öcher Schäng lässt sich in diesem Monat nicht nur feiern, sondern tritt im Theater in der Barockfabrik auch selbst auf: Mit Der Freischütz von Hein Janssen bringt die Stadtpuppenbühne ein Erwachsenenstück auf die Bühne. Premiere ist am 7. Mai um 19.30 Uhr, weitere Aufführungen folgen am 11. Juni und 2. Juli. Die Inszenierung nach der Oper von Carl Maria von Weber verbindet die düstere Sage um den Jäger Max mit humorvollen Elementen. Karten können montags bis donnerstags von 10 bis 12.30 Uhr unter Tel.: 0241/172016 oder per E-Mail an puppenbuehne@mail.aachen.de reserviert werden. www.oecher-schaengche.de Klatsche ejjen Häng för dr Schäng Foto: Sabine Mathieu

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