BAD AACHEN 05/2026

8 | BAD AACHEN 05/26 Hanna Birmans ist ein Öcher Mäddche durch und durch. Sie wurde in der Kaiserstadt geboren und hat von Kindheit an die Geschichte ihrer Heimatstadt, deren Volkssprache, das Öcher Platt und viele Geschichten und Legenden aufgesogen. Ihr Vater, Dr. Manfred Birmans, der früh verstorbene ehemalige Leiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, war viele Jahre für die Stadtpuppenbühne mit viel Einsatz aktiv. Tochter Hanna vertrat das Stockpuppentheater Öcher Schängche schon als Kind bei den Karnevalsumzügen für Kinder. Während ihres Studiums der Kunstgeschichte arbeitete sie in der Metallwerkstatt von Kunstschmied Michael Hammers, den sie für einige seiner Werke sogar nach New York begleiten konnte. Gemeinsam mit ihm hat sie das Metallschild der Puppenbühne an der Barockfabrik am Löhergraben restauriert. Stockpuppentheater ist speziell Aus ihrer Leidenschaft fürs Malen und Handwerken ergab sich, dass Hanna Birmans als Requisiteurin für die Produktionen von Pech und Schwefel am Öcher Schänche zu arbeiten begann. Gerne übernahm sie auf Bitte des damaligen Spielleiters Otto Trebels einen Part im Ensemble und folgte ihm im Oktober 2023 sogar auf die Position der Theaterleiterin. Inzwischen hat sie sich gut in die Programme und Abläufe der Stadtpuppenbühne eingearbeitet. Gerne würde die Mutter einer Tochter im Grundschulalter das Kinderrepertoire um ein moderneres Stück erweitern. „Die Geschichten von Otfried Preußler würden sehr gut zu uns passen“, meint sie dazu. Dafür müsste jedoch alles neu geschaffen werden: Stockpuppen brauchen ein eigens für sie geschriebenes Stück, passende Requisiten, Bühnenbilder, Kostüme. All das kostet viel Geld. Hanna Birmans hofft auf Sponsoren und viele Menschen in Aachen, die mit Leidenschaft ihr Schängche, das es bereits seit 105 Jahren in Aachen gibt (s. S. 24), unterstützen. sm Sie sind seit Oktober 2023 die künstlerische Leiterin der Stadtpuppenbühne Öcher Schängche. Wie kamen Sie zu der Aufgabe? Otto Trebels, der damalige Spielleiter der Bühne, warb mich 2016 als Puppenspielerin an. Da ich schon seit meiner Kindheit eine enge Beziehung zum Schängche hatte, habe ich zugesagt. Als Otto Trebels in den Ruhestand ging, konnte ich die Leitung übernehmen. Haben Sie viel an der Tradition der Stockpuppenbühne verändert? Nein, eigentlich nicht. Puppentheater ist analog, das ergibt sich aus dem Spiel mit den Stockpuppen. Allerdings haben wir in den letzten Jahren die Bühnentechnik modernisiert, LED-Beleuchtung angeschafft, und unser Ensemble trägt jetzt Headsets für eine bessere Saalakustik. Kulissen, Kostüme und Ensemble blieben unverändert. Welchen Schwerpunkt setzen Sie in der Auswahl der Stücke? Das Öcher Schängche spielt seit Jahrzehnten ein festes Repertoire, innerhalb dessen wir immer wieder auf traditionelle Stücke zurückgreifen. Ich habe jetzt den Freischütz (s. S. 24) neu aufgenommen, ein Stück, das zuletzt Mitte der 1920er-Jahre gespielt wurde. Gerne würde ich auch andere neue Stücke spielen, es ist jedoch sehr schwierig und teuer, das spezielle Repertoire zu verändern. Müssen die Puppen häufiger Hochdeutsch sprechen als früher? Theoretisch vielleicht, praktisch nein. Die Erwachsenen verstehen oft Öcher Platt, und für Kinder erschließen sich die Inhalte der Stücke weitgehend visuell. Es ist wichtig, dass sie die Sprache im Ohr haben. Welches ist Ihr persönliches Lieblingsstück und warum? Der Teufel in Aachen, darin geht es um eine alte Öcher Sage. Das Stück hat alle Elemente, die ein Puppentheater braucht, einschließlich einer Prügelei zwischen Teufel und Schängche, was manche Leute heute kritisch sehen, aber für mich dazugehört. Außerdem erlebt das Publikum Tant Hazzor in einer Paraderolle! VORGESTELLT Fotos: Stadt Aachen/A. Steindl; Archiv FRAGEBOGEN Geburts- und Wohnort: Aachen Geburtsdatum: 19. 6. 1983 Familienstand: Lebensgefährte, ein Kind Beruf: Leiterin Stadtpuppenbühne Aachen Hobbys: Wandern, Zeichnen und Werken www.oecher-schaengche.de Hanna Birmans Tradition trifft Zukunft Junge Leiterin führt altes Schängche mit Respekt und neuen Impulsen.

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