BAD AACHEN 08/2026

26 | BAD AACHEN 08/26 KULTUR Das Grenzlandtheater Aachen setzt in der neuen Spielzeit auf starke Geschichten zwischen Komödie, Schauspiel und Musical – mal bewegend, mal bissig, immer nah am Leben. Von Sabine Rother Herzen schneller schlagen lassen, schockieren und zuletzt doch wieder spannend unterhalten: Unter dem Motto Da geht das Herz auf hat das Grenzlandtheater Aachen die Spielzeit 2026/2027 geplant und dabei eine flotte Mischung aus Schauspiel, Komödie und Musical vorgesehen. Der Start ist gleich auch eine Extrawurst, so der Titel der Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (Premiere 28. August), bei der sich das Publikum vielleicht sogar an eigene Erfahrungen erinnert: Im Tennisklub einer Kleinstadt soll ein neuer Grill angeschafft werden, der alle Mitglieder glücklich macht. Für den muslimischen Tennisspieler des Vereins ist es allerdings nicht möglich, etwas von einem Gemeinschaftsgrill zu essen, auf dem auch Schweinefleisch zubereitet wird. „Es tauchen Glaubensfragen auf, kritische Positionen auf beiden Seiten“, verspricht Anja Junski, kaufmännische Geschäftsführerin und Dramaturgin. Fabelhafte Welten entdecken Gleichfalls hat das nächste Thema Brisanz: künstliche Intelligenz. Schwarze Schwäne, Schauspiel von Christina Kettering (ab 9. Oktober), erzählt von zwei Schwestern, die darüber nachdenken, ihre pflegebedürftige Mutter ins Heim zu bringen. Die jüngere der beiden nimmt die Mutter dann doch zu Hause auf, ist aber bald überfordert. Da kommt Rosie, ein humanoider Roboter. „Es ist die Frage, ob man Künstliche Intelligenz vermenschlichen kann“, beschreibt Intendant Ingmar Otto die Kernfrage. Rosie wird auf Mama programmiert, aber geht das überhaupt? Was kann unser Leben vergiften? Zum Beispiel tiefsitzender Schmerz. Lot Vekemans, deren Solostück Judas 2023 in Aachen als Wanderinszenierung mit Felix Frenken begeistert hat, steht diesmal mit Gift. Eine Ehegeschichte (Premiere 23. Oktober) auf dem Spielplan. Die Eltern eines gestorbenen Kindes begegnen einander zehn Jahre nach dem traurigen Ereignis auf dem Friedhof. Die beerdigten Menschen sollen umgebettet werden, der Boden ist verseucht. Die zwei müssen auf den Friedhofsverwalter warten – und reden. Über Wünsche sprechen, das Glück finden – diese Gedanken schwingen mit bei Amélie, dem Musical von Daniel Messé, Nathan Tysen und Craig Lucas nach dem Kinoerfolg Die fabelhafte Welt der Amélie (Premiere 20. November). Es geht um Amélie, die Kontakten mit Menschen aus dem Weg geht, anonym allerdings viel Gutes tut. „Eine berührende Geschichte von Menschen, die irgendwie unter dem Radar laufen“, schildert Anja Junski die Idee der Autoren. Mit Endspiel (Premiere 17. Januar 2027) von Samuel Beckett kommt ein moderner Klassiker auf die Bühne. „Das Werk ist extrem aktuell“, betont Anja Junski. Es geht um Einsamkeit, Depression und eine lähmende Handlungsunfähigkeit. Liebe allein reicht nicht aus, besonders dann nicht, wenn Der Videobeweis in der Post steckt, Titel der Komödie von Sébastien Thiéry (11. März 2027). Das Ehepaar Justine und Jean-Marc erhält per E-Mail ein Video. Es zeigt ihren Streit in der Küche. Es folgen mehr Videos. Ihre Ehe steht auf dem Prüfstand. Die Komödie mit Biss, die Anja Junski auf die Bühne bringt, hat einen Titel, der sich wie ein Seufzer anhört: Die lieben Eltern von Armelle und Emmanuel Patron (ab 24. April 2027) erzählt von drei erwachsenen Kindern, die von ihren Eltern um ein Treffen gebeten werden. Es gibt Stoff zum Zanken. Spannend mit zeitgeschichtlich brisantem Hintergrund: Der blinde Passagier (Premiere 4. Juni 2027) von Maria Lazar, von Ingmar Otto in Szene gesetzt. Was passiert? 1938: Im eisigen Wasser eines deutschen Hafens kämpft ein Mann um sein Leben, ein Paketboot will gerade auslaufen. Der Sohn des Kapitäns rettet den Mann, einen jüdischen Arzt, auf der Flucht vor den Nationalsozialisten. An Kinder und Jugendliche wendet sich Greta, das junge Theater, mit Das Klugscheißerchen(ab sechs Jahre, Premiere 29. November), einem Stück von Marc-Uwe Kling und Astrid Henn, während sich die Jugendlichen (ab zehn Jahre) mit Troja! Blinde Passagiere im trojanischen Pferdvon Henner Kallmeyer (ab 16. September) und die Zuschauerinnen und Zuschauer ab 14 Jahre mit der Farm der Tiere von George Orwell (ab 1. März 2027) beschäftigen können. Kindern – besonders ab der dritten/vierten Klasse – rät Otto als Regisseur zu Bauch über Kopf (Premiere 19. Januar). Mit Songs und witzigen Aktionen rücken Bauchgefühl und Intuition in den Vordergrund mit dem Tipp, darüber zu reden, wenn man etwas irritierend oder bedrohlich findet. Das Stück entstand in Kooperation mit der Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an jungen Menschen der Städteregion. Zwischen den Premieren des neuen Jahres setzt das Grenzlandtheater bereits Ende Dezember auf Unterhaltung: Gina & Glinda (ab 27. Dezember) bringen ihre Travestieshow auf die Bühne. TIPP ZUM AUFTAKT Mit Extrawurst startet das Grenzlandtheater am Freitag, 28. August, 20 Uhr, in die neue Spielzeit. Die ebenso pointierte wie aktuelle Komödie von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob erzählt von einer scheinbar harmlosen Abstimmung über einen neuen Grill im Tennisverein, die eine hitzige Debatte über Religion, Toleranz und Zusammenleben auslöst. Das Stück ist zunächst bis Ende September im Grenzlandtheater zu sehen, anschließend geht es auf Tour durch die Region. Tickets und alle Informationen auch zum neuen Spielplan unter www.grenzlandtheater.de Da geht das Herz auf

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