26 | BAD AACHEN 10/26 KULTUR BAD AACHEN: Frau Dupont, Dieses bescheuerte Herz beruht auf einer wahren Geschichte, die viele aus dem Kino kennen. Was hat Sie daran gereizt, den Stoff für das DAS DA THEATER umzusetzen? Maren Dupont: Mich hat vor allem die Lebensfreude dieser Geschichte berührt. Dieses bescheuerte Herz erzählt von einem jungen Menschen, der mit einer Situation leben muss, die man sich für einen Jugendlichen eigentlich überhaupt nicht vorstellen möchte – und der trotzdem voller Wünsche, Neugier und Energie steckt. Gleichzeitig ist es eine Geschichte über Freundschaft und darüber, dass wir manchmal durch andere Menschen einen ganz neuen Blick auf unser eigenes Leben bekommen. Ich finde, das ist ein Stoff, der gerade für das Theater sehr viel Potenzial hat. BAD AACHEN: Sie haben die Bühnenfassung selbst geschrieben und führen auch Regie. Was kann das Theater dieser Geschichte geben, was Buch und Film nicht können? Dupont: Das Theater schafft eine unmittelbare Begegnung. Das Publikum sitzt mit den Figuren in einem Raum und erlebt ihre Geschichte gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern. Es gibt keine Kamera und keinen Schnitt, der zwischen uns steht. Gerade bei dieser Geschichte finde ich diese Nähe sehr wichtig. Wir können die großen und kleinen Momente direkt miteinander teilen. Und natürlich entsteht jeden Abend etwas Neues, weil Theater immer live ist. BAD AACHEN: David ist schwer herzkrank – trotzdem ist die Geschichte alles andere als nur traurig. Wie gelingt die Balance zwischen Ernst, Humor und Lebensfreude? Dupont: Indem wir David nicht auf seine Krankheit reduzieren. Er ist in erster Linie ein Jugendlicher mit Träumen, Wünschen, Ängsten, Humor und manchmal auch ziemlich viel Unsinn im Kopf. Natürlich gibt es Momente, in denen seine Krankheit und die damit verbundenen Ängste spürbar werden. Aber daneben steht ganz selbstverständlich das Leben. Die beiden Jungs lachen, streiten, machen Quatsch und erleben Abenteuer. Ich glaube, genau diese Mischung macht die Geschichte glaubwürdig: Das Leben ist schließlich auch nicht nur traurig oder nur lustig – meistens ist es alles gleichzeitig. BAD AACHEN: Und was macht die Freundschaft zwischen Lenny und David für Sie so besonders? Dupont: Die beiden könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Lenny ist zunächst ziemlich selbstbezogen und lebt in einer Welt, in der vieles selbstverständlich für ihn ist. David dagegen weiß sehr genau, dass Zeit kostbar ist. Und trotzdem begegnen sie sich irgendwann auf Augenhöhe. David zeigt Lenny, wie wertvoll es sein kann, Wünsche nicht auf später zu verschieben. Gleichzeitig lernt Lenny, Verantwortung zu übernehmen und wirklich für einen anderen Menschen da zu sein. Das Schöne ist: Am Ende verändert nicht nur einer den anderen – beide verändern sich durch diese Freundschaft. BAD AACHEN: Wie haben Sie das Ensemble und insbesondere die Darsteller für die beiden zentralen Figuren ausgewählt? Dupont: Bei der Besetzung ging es darum, Schauspieler zu finden, die die Figuren mit ihrer Persönlichkeit und ihrem Können glaubwürdig verkörpern. Die beiden Darsteller von Lenny und David kannten sich zu Beginn der Proben kaum. Umso schöner war es zu beobachten, wie sich im gemeinsamen Spiel nach und nach eine eigene Dynamik entwickelte. Für mich ist genau das ein wichtiger Teil der Theaterarbeit: Figuren und Beziehungen entstehen zu lassen. BAD AACHEN: Der Untertitel lautet Über den Mut zu träumen. Was bedeutet dieser Mut für Sie? Dupont: Für mich bedeutet dieser Mut, sich zu erlauben, Wünsche zu haben – und sie nicht sofort mit einem „Das geht sowieso nicht“ beiseitezuschieben. David weiß, dass sein Leben anders verläuft als das vieler anderer Jugendlicher. Trotzdem träumt er und formuliert eine Wunschliste. Das finde ich unglaublich stark. Träume müssen dabei nicht immer groß sein. Manchmal geht es um ganz einfache Dinge. Der Mut liegt vielleicht darin, das Leben nicht nur danach zu beurteilen, was möglich oder vernünftig erscheint, sondern auch danach, was einen glücklich macht. BAD AACHEN: Und was wünschen Sie sich, dass die Zuschauerinnen und Zuschauer nach dem Abend mit nach Hause nehmen? Dupont: Ich wünsche mir vor allem, dass sie mit einem guten Gefühl nach Hause gehen – vielleicht sogar mit einem kleinen Lächeln. Und dass sie über das eigene Leben nachdenken. Wenn jemand danach einen Menschen anruft, den er lange nicht mehr gesprochen hat, einen alten Wunsch wieder hervorholt oder den nächsten Tag bewusster erlebt, dann hätte das Stück für mich schon viel erreicht. DAS LEBEN WIRKLICH LEBEN Das DAS DA THEATER zeigt Dieses bescheuerte Herz als Aachener Erstaufführung. Das Schauspiel von Daniel Meyer und Lars Amend nach einer wahren Geschichte erzählt von Lenny und dem schwer herzkranken David, aus deren Begegnung eine außergewöhnliche Freundschaft entsteht. Gemeinsam wollen sie Davids Wunschliste erfüllen und entdecken dabei, was es heißt, das Leben wirklich zu leben. Die Bühnenfassung stammt von Maren Dupont (Foto oben). Premiere ist am Do., 29. Oktober, 20 Uhr. Bis zum 3. Januar 2027 folgen weitere Aufführungen. www.dasda.de Über den Mut zu träumen Foto: Lukas Dahle Maren Dupont inszeniert Dieses bescheuerte Herz am DAS DA THEATER und spricht über Lebensfreude, Freundschaft und die Kraft, Wünsche nicht auf später zu verschieben.
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