32 | BAD AACHEN 11/26 TIERISCH GUT Hundeprofi Martin Rütter füllt mit seinen Shows die großen Hallen. Vor seinem Aachener Auftritt sprechen wir mit Rütter-Trainer Lars Kleinhans über tierische Eigenheiten und menschliche Herausforderungen. Von Caroline Fister-Hartmann Hunter bellt. Er möchte Aufmerksamkeit. Hunter springt hoch. Er ist gerade ein Jahr alt. Ein tiefschwarzer Labradorrüde mit ganz viel Power. Wie erzieht man so einen jungen Wilden? Wie beschäftigt man ihn artgerecht, fördert seine Talente und macht ihn ganz nebenbei zum idealen Begleiter in der Redaktion von BAD AACHEN? Sie ahnen es: Ganz so einfach ist das alles nicht. Wie gut, dass wir einen Profi an der Seite haben – einen Martin-Rütter-Hundeprofi. Martin Rütter selbst, Deutschlands bekanntester Hundetrainer, unterhält mit seinen Geschichten über Sitz, Platz, Aus – und all das, was am anderen Ende der Leine schieflaufen kann – ein Millionenpublikum im TV. Seine Live-Shows füllen große Hallen und sind meist ausverkauft. So auch sein Auftritt am Dienstag, 17. November, im Rahmen seiner Abschiedstournee SCHLUSS! AUS! im Eurogress Aachen. In der StädteRegion Aachen betreiben Heike und Lars Kleinhans ihre Martin-Rütter-Hundeschule. Sie trainieren Mensch und Hund dort, wo das gemeinsame Leben stattfindet: mitten im Alltag. Erfahrung bringen beide reichlich mit. Seit mehr als zehn Jahren führen sie bereits eine etablierte Martin-Rütter-Hundeschule in Bielefeld. Heike Kleinhans ist zudem Dozentin an der Martin-Rütter-Akademie, Autorin und Trainerin in bekannten TV-Formaten sowie Teil von Rütters Team. Den Aachener Auftritt von Martin Rütter haben wir zum Anlass genommen, mit Lars Kleinhans über Hunde und ihre Menschen zu sprechen. Über Erziehung, Missverständnisse, Konsequenz – und über unseren vierbeinigen Redaktionskollegen. Denn eine Frage müssen wir unbedingt klären: Will Hunter eigentlich nur spielen? BAD AACHEN: Lars, warum beschäftigen wir Menschen uns so intensiv mit unseren Vierbeinern? Lars Kleinhans: Die Beziehung ist im Vergleich zu früher auf jeden Fall enger geworden. Ursprünglich hatten Hunde in unserer Gesellschaft einen eher praktischen Nutzen. Heute wird der Hund oft als Sozial- partner, Familienersatz oder Statussymbol gesehen. Hunde sind in viel mehr Bereichen Teil unseres Lebens und sollen uns möglichst überall hin begleiten. BAD AACHEN: Was ist das häufigste Missverständnis zwischen Mensch und Hund? Kleinhans: Wir vergessen oft, was der Hund für Aufgaben hatte bzw. auf welche Merkmale bei der Zucht ursprünglich Wert gelegt wurde. Ein Spitz ist oft bellfreudig, ein Dackel ein selbstständiger Jäger. Wenn wir erkennen, welche Bedürfnisse der Hund hat, wird vieles klar. BAD AACHEN: Verlangen wir zu viel von unseren Vierbeinern? Kleinhans: Ganz viele Hunde können die Anforderung des Menschen, überall zu funktionieren, erfüllen. Jedoch kann das nicht jeder Hund ohne Unterstützung. Manche sind einfach mit all den Einflüssen überfordert oder wurden nicht behutsam daran gewöhnt. Dann ist es die Aufgabe des Menschen, den Hund entsprechend zu trainieren oder aber Grenzen zu akzeptieren. BAD AACHEN: Du arbeitest nach dem Martin-Rütter-Konzept. Was zeichnet diesen Trainingsansatz aus – und was ist dir persönlich wichtig? Kleinhans: 08/15 oder die Gießkannenmethode gibt es bei uns nicht. Jeder Hund hat unterschiedlich ausgeprägte Motivationen und Bedürfnisse, und jeder Mensch andere Anforderungen an das Zusammenleben. Mir ist es wichtig, dass jedes Mensch-Hund-Team auf seinem Weg individuell begleitet und trainiert wird. Und klar: Der Spaß mit dem Hund und an sich selbst zu arbeiten, darf nie zu kurz kommen. So entsteht eine Mensch-Hund-Beziehung, in der sich beide Seiten aufeinander verlassen können und möglichst stressfrei miteinander durchs Leben gehen. Das gemeinsam mit den Teams zu erreichen, ist meine größte Motivation. BAD AACHEN: Trainierst du eher den Hund oder den Menschen? Kleinhans: Ich sehe meine Aufgabe darin, die Hunde zu lesen und den Menschen zu erklären, warum der Hund so reagiert oder sich verhält. Ich gebe lediglich die Trainingsschritte vor und erkläre den Haltern, wie sie mit ihrem Hund umgehen und trainieren sollten. Das eigentliche Training machen Frauchen und Herrchen. Denn es geht nicht darum, das Training in den Alltag zu integrieren – der Alltag ist das Training. BAD AACHEN: Was macht für dich einen gut erzogenen Hund aus? Kleinhans: Vieles, was als gut erzogen gilt, sind oft Tricks. Aber eine gut funktionierende Leinenführigkeit etwa kann nur entstehen, wenn der Hund in seinem Menschen jemanden sieht, an dem er sich im Alltag orientieren und auf den er sich verlassen kann. Ähnliches gilt auch für Hunde, die entspannt im Café oder Büro liegen können. Ein gewisses Maß an Frustrationstoleranz und Impulskontrolle ist da – neben sinnvollen Regeln und Strukturen im Alltag – das Wichtigste. BAD AACHEN: Aber Hunter will doch nur spielen... Kleinhans: Nicht immer. Wenn Hunter bellt, hochspringt oder andere Hunde spannend findet, kann dahinter ganz Unterschiedliches Der will doch nur spielen... Heike & Lars Kleinhans, Caroline Fister-Hartmann & Hunter (M.).
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