10 | BAD AACHEN WM 2026 HISTORIE Zwischen Kaiser Karl, CHIO und Reit-WM: Aachens besondere Liebe zum Pferd zeigt sich heute an vielen (Kunst-)Orten. BAD AACHEN lädt zur historischen Hufspurensuche ein. Von Sabine Mathieu Wenn Aachen zum Pferdewettstreit einlädt, dann schwärmen Kennerinnen und Kenner in Superlativen: Das größte und schönste Reitturnier der Welt findet in der Kaiserstadt im Westzipfel Deutschlands statt! Die logische Konsequenz ist deshalb natürlich, dass Aachen nach 20 Jahren wieder Ausrichter der Weltmeisterschaften, der FEI World Championships Aachen 2026, sein darf. In sechs Disziplinen werden in der Stadt des internationalen Pferdesports die Weltmeister ermittelt. Zwei Disziplinen fehlen gegenüber den Weltreiterspielen 2006: Reining und Distanzreiten. Gerade mit dem Distanzreiten verbinden viele Aachener gemischte Erinnerungen. Der Wettbewerb wurde damals bei nasskaltem Dauerregen ausgetragen und gilt organisatorisch wie sportlich als eine der größten Herausforderungen der Weltreiterspiele. In Aachen werden Pferde als Partner ihrer Reiterinnen und Reiter betrachtet. Viele Menschen, die das Turnier besuchen, sind selbst passionierte Reitenthusiasten. Reitsport gilt im Westzipfel Deutschlands als beliebte Freizeitbeschäftigung. Wer das Glück der Erde auf dem Pferderücken sucht, findet in Aachen ein ansehnliches Reitwegenetz von 40 Kilometern, viele davon durch den Aachener Wald, oder mehr als 20 Reithallen. Die gesamte Region ist als echtes Paradies für den Pferdesport bekannt. Kaiser Karls Ross und die Pfalz Das hat eine lange Tradition: Blickt man nicht ganz so ernst in die Geschichte der Stadt, war es – nicht überraschend – der Hengst Kaiser Karls des Großen, der im Öcher Talkessel über die Aachener Quellen stolperte. Das veranlasste den mächtigsten Mann des achten Jahrhunderts, seine prächtige Pfalz – und damit ein neues Rom – in Aachen zu bauen. Dom und Rathaus zeugen bis heute von des Kaisers Bautätigkeiten. Karls Reiterheer, bestehend aus etwa 3000 berittenen Soldaten, verschaffte ihm in so mancher seiner vielen Schlachten einen entscheidenden Vorteil. Mobilität war bis zur Erfindung des Automobils ohne die Tiere undenkbar. Wettkämpfe, Reiterspiele und festliche Umzüge machten die Pferde stets zu wichtigen Begleitern des Menschen. So soll Karl V. 1520 anlässlich seiner Krönung von 5000 Reitern bei seinem Einmarsch in Aachen begleitet worden sein. (Ob exakt gezählt wurde, ist nicht bekannt.) Es gab jedoch Unmut in der Bevölkerung: Das Spektakel zog sich Ende Oktober so in die Länge, dass die vielen Schaulustigen schlicht nichts mehr sehen konnten, als am frühen Abend die Dunkelheit anbrach. Das Wimbledon des Reitsports Die Kur- und Badestadt Aachen richtete zur Belustigung ihrer Gäste selbstverständlich auch reiterliche Wettbewerbe aus. Die Brander Heide war bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Austragungsort regelmäßiger Pferderennen. Nachdem die Bahn stillgelegt worden war, fanden die Rennen im Grenzgebiet bei Vaals und Laurensberg statt. Hier wurde schließlich 1898 der Aachen-Laurensberger Rennverein aus der Taufe gehoben. Er ist bis heute Veranstalter des Aachener Reitturniers. Hier den Großen Preis von Aachen zu gewinnen, ist das erklärte Ziel aller Reiterinnen und Reiter, die zur Weltspitze gehören. Das Turnier trägt den Spitznamen Wimbledon des Reitsports, was seine internationale Bedeutung unterstreicht. Pferdestadt mit Weltformat Fotos: Sabine Mathieu (1)/ Centre Charlemagne (1) Im Centre Charlemagne zu finden: Karl der Große und sein Pferd.
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