BAD AACHEN REITSPORT-WM 2026

BAD AACHEN WM 2026 | 39 SPORT FAHREN Sie alle haben jedoch einen Mann vor sich, den es zu schlagen gilt: den 13-maligen Sieger des CHIO Aachen – zuletzt 2025 – und siebenfachen Weltmeister Boyd Exell. Ute Steinbusch stellt den Top-Favoriten der FEI World Championships Aachen 2026 vor. Wenn die Vierspännerfahrer bei der WM in der Soers an den Start gehen, beginnt für Boyd Exell die Jagd nach Titel Nummer acht. Spätestens seit seinem siebten Weltmeistertitel hält der Australier den Rekord und gilt als unangefochtener Favorit im internationalen Vierspännersport. Obwohl Exell für sein Geburtsland Australien startet, lebt und trainiert er seit vielen Jahren in Europa. Seine sportliche und private Heimat hat er im niederländischen Valkenswaard gefunden. Dort betreibt er eine hochmoderne Trainingsanlage. Das Areal liegt in einer waldreichen Region nahe der belgischen Grenze und bietet kilometerlange Sandwege durch Pinienwälder – ideale Bedingungen für das Ausdauertraining seiner Vierspänner. Der Ort ist im internationalen Pferdesport bestens bekannt. Auch Springreitvisionär Jan Tops hat dort seine Anlage. Für Exell bietet der Standort den perfekten logistischen Vorteil, denn die großen Turnierplätze Zentraleuropas – darunter auch Aachen – erreicht er innerhalb weniger Stunden. Boyd Exells jahrelange, beispiellose Dominanz im Vierspännersport ist das Ergebnis wissenschaftlicher Akribie, mentaler Stärke und eines nahezu revolutionären Systems. Er hat den Fahrsport von einem reinen Gefühlssport zu einer hochprofessionellen Wissenschaft weiterentwickelt. Der 54-Jährige überlässt nichts dem Bauchgefühl. Er analysiert Daten, Herzfrequenzen und Laktatwerte seiner Pferde. Seine Kutschen und das Geschirr sind aerodynamisch und ergonomisch optimiert. Ständig tüftelt er an der Gewichtsverteilung, um im Marathon entscheidende Hundertstelsekunden herauszuholen. Dafür besitzt er nicht nur vier Spitzenpferde, sondern einen großen Pool von Ausnahmetalenten in seinen Stallungen. Für die drei Teildisziplinen Dressur, Marathon und Kegelfahren setzt er häufig unterschiedliche Gespannkonstellationen ein. Je nach Bodenbeschaffenheit, Wetter oder Tagesform seiner Pferde verändert er die Zusammensetzung. Exell gilt im Fahrerlager als Mann aus Eis. Während andere Fahrer unter dem Druck einer voll besetzten Arena in Aachen Nerven zeigen, bleibt sein Puls scheinbar unverändert. Selbst im Höchsttempo des Marathons trifft er in Sekundenbruchteilen die richtige Entscheidung für die Ideallinie. Hinter dem Driver steht ein eingespieltes Team hochprofessioneller Grooms (Beifahrer), die im Marathon durch präzise Gewichtsverlagerung die Kutsche stabilisieren und im Training jede Nuance der Pferde überwachen. Exell führt seinen Stall wie ein Formel-1-Team. Im Gegensatz zu fast der gesamten Konkurrenz ist Boyd Exell nämlich kein ambitionierter Amateursportler mit gutem Beruf, sondern Vollprofi. Während viele deutsche oder niederländische Spitzenfahrer unter der Woche Transportunternehmen leiten, Landwirtschaft betreiben oder anderen Berufen nachgehen, widmet Exell jede wache Minute dem Fahrsport. Ein Vierspännergespann auf WM-Niveau kostet rund eine halbe Million Euro – die jährlichen Unterhaltskosten für bis zu 15 Spitzenpferde, Lkw und Personal gehen in die Hunderttausende. Wie er das finanziert? Exell ist der gefragteste Fahrtrainer der Welt. Er gibt hochpreisige Clinics und Coachings in Valkenswaard sowie Nr. 1: Boyd Exell Foto: A. Steindl

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