40 | BAD AACHEN WM 2026 AN DIE LEINEN UND LOS Die Wettbewerbe der Vierspännerfahrer finden von Donnerstag, 20. August, bis Sonntag, 23. August, in der Soers statt. Den Auftakt macht am Donnerstag und Freitag die Dressur, in der Präzision sowie das perfekte Zusammenspiel von Fahrer, Pferden und Grooms bewertet werden. Am Samstag folgt mit dem Marathon der spektakulärste Teilwettbewerb. Auf den weitläufigen Wiesen vis-à-vis des Stadions meistern die Gespanne anspruchsvolle Hindernisse in höchstem Tempo – ein Höhepunkt für Fahrer und Publikum gleichermaßen. Die Entscheidung um den Weltmeistertitel fällt schließlich am Sonntag im Kegelfahren (s. auch S. 58). Hier sind höchste Fahrkunst und starke Nerven gefragt, denn jeder Fehler kostet wertvolle Strafpunkte. Da alle drei Teilprüfungen in die Gesamtwertung einfließen, bleibt der Kampf um Gold bis zum letzten Kegel spannend. www.aachen2026.com/de/programm/ fahren weltweit. Wohlhabende Amateure aus den USA, Europa oder den Golfstaaten zahlen Spitzenpreise, um vom Multi-Weltmeister ausgebildet zu werden. Ein weiteres Standbein seines Unternehmens ist das Sichten, Ausbilden und Verkaufen von Fahrpferden. Exell besitzt ein außergewöhnliches Gespür für Talente. Junge Pferde kauft er gezielt ein, integriert sie in sein System und verkauft sie später als fertig ausgebildete Spitzenfahrpferde an wohlhabende Sportler in aller Welt. Hinter ihm stehen zudem kapitalkräftige Sponsoren und Besitzer. So wird er seit Jahren maßgeblich von der belgischen Industriegruppe Willy Naessens unterstützt. Auch deutsche Sponsoren wie Sandmann Transporte oder der Kutschenbauer Van den Heuvel fördern das Team XL. Exell nutzt seine Gespanne zudem für exklusive Veranstaltungen. So chauffiert er betuchte Gäste auf historischen Postkutschen (Park Drags) zu den Pferderennen nach Royal Ascot. Der Australier hat den Fahrsport kommerzialisiert wie kaum ein anderer und rund um den Vierspännersport ein florierendes Wirtschaftsunternehmen aufgebaut. Das verschafft ihm die finanziellen Möglichkeiten, Vollprofi zu sein – und genau darin liegt sein vielleicht größter Vorsprung. Dabei entstammt Exell keineswegs einer Pferdesportdynastie mit großem Vermögen. Er wurde in der ländlichen Kleinstadt Bega in Australien geboren. Seine Mutter war Grundschullehrerin, sein Vater Bauingenieur. Die Familie war zwar sportlich – Segeln und Wasserski gehörten selbstverständlich dazu –, hatte aber keine Verbindung zum Pferdesport. Boyds Faszination für Kutschen entstand durch Postkartenmotive. Seine Mutter vermittelte ihm den Kontakt zu einem lokalen Fahrpferdeliebhaber. Da eine Karriere in diesem Sport aber finanziell utopisch schien, drängte sie ihren Sohn zunächst zu einer Ausbildung. Der Jugendliche absolvierte eine Lehre in einem Maschinenbaubetrieb. Mit 21 Jahren traf Exell dann eine mutige Entscheidung: Er verließ Australien und ging mit minimalem Budget nach Großbritannien, um dort bei professionellen Ställen als Pfleger, Bereiter und Trainer zu arbeiten. Sein Startkapital waren außergewöhnliches Talent und ein feines Gespür für Pferde. In England machte er sich schnell einen Namen, indem er schwierige oder scheinbar untalentierte Pferde wohlhabender Besitzer so erfolgreich ausbildete, dass sie plötzlich Siege einfuhren. Auf diese Weise gewannen Besitzer und Sponsoren Vertrauen in sein Können und bauten nach und nach die ersten Spitzengespanne für ihn auf. Sein Weg führte ihn bis an die Weltspitze – eine beeindruckende Selfmadekarriere. Nun will Boyd Exell in Aachen seinen achten Weltmeistertitel gewinnen. Doch wie die eingangs vorgestellten Favoriten zeigen, schläft die Konkurrenz nicht. Und sollte bei den World Championships in Aachen erstmals eine Frau den Weltmeistertitel im Vierspännerfahren erringen, wäre das eine historische Weltpremiere – und wohl die größte Überraschung dieser Weltmeisterschaften. Ausnahmesportler: der Australier Boyd Exell mit seinem Gespann beim CHIO Aachen 2025. Foto: Andreas Steindl SPORT FAHREN
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