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ACHEN

05/16

W

enn am Freitag, 6. Mai, Aachens Oberbürgermeister

Marcel Philipp dem Papst den Karlspreis überreicht, die

Feierlichkeiten vorüber sind, alles reibungslos gelaufen

ist, dann atmet Claudia Wellen auf. Seit 2010 ist sie Protokollchefin

der Stadt Aachen und mit viel Fingerspitzengefühl dafür verantwort-

lich, dass alle Gäste der Stadt sich wohlfühlen, alle Veranstaltungen

reibungslos ablaufen. „Manche Menschen meinen, wir hätten hier

nur den Karlspreis zu organisieren und danach nichts mehr zu tun“,

lacht sie, „das stimmt natürlich nicht. Aachen hat viele feste Events.

Das beginnt im Januar mit dem Karlsfest. Die Stadt verleiht mit der

Landesanstalt für Medien NRW gemeinsam die Karlsmedaille, und es

gibt verschiedene Feste, darunter den

Aufgalopp

des CHIO auf dem

Markt.“ Außerdem sind zehn Städtepartnerschaften zu betreuen

und zahlreiche Besucher zu empfangen. Für den Umgang mit Hono-

ratioren und dem Adel gilt: „Ich informiere mich bei jedem hohen

Gast über dessen eigenes Protokoll.“ Für die umfangreiche Arbeit

hat sie zwei Mitarbeiterinnen. Claudia Wellen kann als echtes Öcher

Mädchen aber auch auf gute Kontakte zurückgreifen.

Verwaltung hat sie von der Pike auf gelernt. Schon seit 1982 ist

sie bei der Stadt tätig, hat hier die Ausbildung gemacht, im Haupt-

und Personalamt, beim Gebäudemanagement und im Bürgerbüro

Erfahrungen gesammelt. Die Karlspreisverleihung in Rom sprengt

jedoch auch für sie den üblichen Rahmen. „Ich arbeite eng mit dem

Protokoll des Vatikans zusammen. Wir nehmen von hier aus sogar

die Sitzordnung für die Aachener Gäste vor. Ich war bereits in Rom

und pflege mit dem Büro von Erzbischof Georg Gänswein, dem Prä-

fekten des Päpstlichen Hauses, einen guten Kontakt.“

Im Fokus stehen alle Fragen rund um die Verleihung. Zum Bei-

spiel gilt für die Gäste ein Dresscode. Immerhin ist der Papst der

Preisträger. Und schließlich sorgt Claudia Wellen in Rom für einen

reibungslosen Ablauf des Programms der hiesigen Delegation. Wie

immer freundlich, verbindlich, lächelnd – nie ungeduldig oder gar

hektisch: Die perfekte Protokollchefin eben!

sm

Protokollchefin der Stadt: Ist ein Knigge-Kurs für Sie Pflicht?

Nein, es gibt auch kein Handbuch für diese Position. Es gibt lediglich

ein Verzeichnis, in dem steht, wie man Ehrengäste korrekt anspricht.

Aachen vs. Rom: Wo organisieren Sie den Karlspreis lieber?

Einfacher ist es für das Protokoll sicher in Aachen. Hier ist mir alles

bekannt. Doch es ist spannend, den Karlspreis in Rom organisieren

zu dürfen, und eine große Ehre für mich. Den Herausforderungen

stellen wir uns gerne. Wir haben in der Sala Regia ja nur 500 Plätze –

viel weniger als im Krönungssaal. Ein Teil davon wird zudem vom

Heiligen Stuhl und vom Vatikan vergeben.

Worauf freuen Sie sich rund um die Preisverleihung am meisten?

Es ist eine Ehre für Aachen, dass der Papst den Karlspreis als ersten

persönlichen Preis überhaupt annimmt. Das ist ein ganz großes

Zeichen. Ich persönlich freue mich sehr, dabei sein zu dürfen. Das ist

in meinem Leben sicherlich eines der größten Erlebnisse. Sonntag

danach gönne ich mir einen privaten Tag in Rom.

Und was bereitet Ihnen noch Sorgen?

Wir können nicht alle Eventualitäten einplanen, zumal wir räumliche

Distanz zu Rom und hohe Sicherheitsauflagen haben.

Ihr persönlicher Wunsch für die Reise nach Rom?

Ich hoffe, dass der Papst zufrieden mit der Zeremonie ist. Die Teil-

nehmer sollen das Gefühl haben, etwas Besonderes zu erleben. Es

wäre schön, wenn der Funke bis ins Aachener Rathaus überspringt –

auf die Menschen, die leider nicht in Rom sein können und hier die

Verleihung live erleben. Ich wünsche mir, dass der Preis ein Signal

des Friedens aussendet. Dafür ist der Papst der richtige Preisträger!

Werden Sie dem Papst wohl selbst die Hand schütteln?

Das glaube ich nicht, denn ein gutes Protokoll arbeitet unsichtbar.

VORGESTELLT

Foto: Harald Krömer

FRAGE

BOGEN

Geburtsdatum: 3. 10. 1964

Geburtsort: Aachen

Beruf: Verwaltungsbeamtin

im höheren Dienst

Hobbys: Menschen & Lesen

Claudia Wellen

Perfektes Protokoll

Sechs Karlspreise hat sie bereits organisiert – Rom ist eine neue Herausforderung