BAD AACHEN 06/2026

8 | BAD AACHEN 06/26 Wenn Thomas Hissel über Aachen spricht, merkt man schnell: Für ihn ist diese Stadt mehr als ein Verwaltungsstandort. Aachen ist Heimat, Lebensmittelpunkt und eben auch berufliche Aufgabe. Entscheidungen betreffen nicht abstrakte Strukturen, sondern Orte und Menschen, die man kennt. Vielleicht erklärt genau das den pragmatischen, zugleich aber optimistischen Blick, mit dem er auf Aachen schaut. Der Beigeordnete für Wohnen, Soziales und Wirtschaft bringt viel Erfahrung mit. Nach einer Zeit in der Aachener Wirtschaftsförderung und als OB-Referent wechselte er für neun Jahre nach Düren – als Wirtschaftsdezernent und Kämmerer. Zwei Rollen, die für ihn eng zusammengehören. Gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen stärken Unternehmen – und damit auch die Gewerbesteuer. Zurück in Aachen erlebt Hissel eine Stadt im Wandel. Die Innenstadt stünde auch hier unter Druck, der Wohnungsmarkt sei angespannter und viele Prozesse dauerten länger als früher. Gleichzeitig sieht er große Chancen: Die Innovations- und Start-up-Szene habe an Dynamik gewonnen, Aachen werde zunehmend als Motor technologischer Transformation wahrgenommen. Trotz knapper Kassen setzt Hissel auf Gestaltungswillen statt auf Lähmung. „Gestalten bedeutet nicht automatisch, mehr Geld auszugeben“, sagt er. Vieles lasse sich auch durch klarere Prioritäten, schnellere Verfahren und effizientere Strukturen erreichen. Gerade beim Wohnungsbau gehe es weniger um Grundsatzdebatten als um Ergebnisse: „Wir brauchen mehr Wohnungen – und zwar schneller.“ Auch die Innenstadt müsse sich verändern – mit Gastronomie, Kultur und neuen Nutzungskonzepten. Projekte wie das Wehmeyer-Areal oder das geplante KRAFTWERK Aachen, ein Gründungszentrum mitten in der Stadt auf dem Bushof, sollen neue Impulse setzen. Für Thomas Hissel hat Aachen viel Grund zu mehr Optimismus. Die Kombination aus Wissenschaft, Industrie, internationaler Vernetzung und Lebensqualität sei außergewöhnlich. Sein Ziel: mehr Innovation, mehr Gründungen und mehr Wertschöpfung vor Ort – ohne den Charakter der Stadt zu verlieren. cf Zwei Jahre Dezernent in Aachen – die richtige Entscheidung? Ja, definitiv. Auch wenn mir die Zeit deutlich kürzer vorkommt. Die vergangenen zwei Jahre waren intensiv und abwechslungsreich. Genau das macht die Arbeit in einer Stadtverwaltung spannend. War die Rückkehr in Ihre Heimatstadt Wunsch oder Chance? Beides. Aachen ist meine Heimatstadt und zugleich ein extrem spannender Standort. Wissenschaft, Forschung, Industrie und die Lage im Herzen Europas schaffen Chancen, um die uns viele beneiden. Wohnen, Soziales und Wirtschaft – der gemeinsame Nenner? Alles betrifft direkt den Alltag der Menschen. Eine starke Wirtschaft schafft Arbeitsplätze, ein funktionierender Wohnungsmarkt bezahlbaren Wohnraum, stabile soziale Strukturen sorgen für Zusammenhalt. Wo steht der Wirtschaftsstandort Aachen heute? Trotz großer Herausforderungen ist die Lage insgesamt gut. Fachkräftemangel, hohe Kosten und zahlreiche Krisen belasten zwar, aber Aachen hat auch enorme Stärken: exzellente Wissenschaft, innovative Unternehmen, kreative Gründer, starke internationale Vernetzung. Stichwort Einzelhandel: Wo kaufen Sie am liebsten ein? Am liebsten im Einzelhandel in der Innenstadt. Und damit diese attraktiv bleibt, müssen wir sie gemeinsam weiterentwickeln zu einem Erlebnis- und Aufenthaltsraum – mit einer Verwaltung, die ermöglicht. 730 Tage weitergedacht, wo sehen Sie Aachen dann? Ich wünsche mir sichtbare Fortschritte: mehr Tempo beim Wohnungsbau, stabile soziale Strukturen trotz knapper Kassen und mehr Dynamik für Innenstadt und Stadtbezirke. Zudem konkrete Fortschritte bei Projekten wie Bushof, Haus der Neugier oder Sportpark Soers. Ich bin optimistisch, dass das möglich ist. VORGESTELLT Foto: Stadt Aachen FRAGEBOGEN Geburtsdatum: 2. 8. 1977 Geburtsort: Aachen Familienstand: verheiratet, drei Kinder Beruf: Beigeordneter für Wohnen, Soziales und Wirtschaft der Stadt Aachen Hobbys: Zeit mit der Familie verbringen, Heimwerken, Lesen, Wein machen und genießen – das mit etwas Anspruch und Freude am Entdecken. Ausführliches Interview unter: bad-aachen.net Thomas Hissel Aachen hat Grund zu Optimismus Wirtschafts- und Sozialdezernent setzt auf Pragmatismus und Tempo.

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